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der folgenden Schichten gegen das Körperatom und aus der Abſtoßung dieſer folgenden Schichten gegen einander, die ſich auf die erſte fortpflanzt. Sind nun die Körperatome einander ſo nahe, daß ihre An⸗ ziehung nicht nahe= Null, ſo iſt auch die Geſammtabſtoßung auf ſie eine ebenſo große meßbare Größe. Verſucht man nun durch äußere Gewalt die Körper⸗Atome einander zu nähern, ſo wird zwar die An⸗ ziehung in ihnen größer; allein die Abſtoßung zwiſchen ihnen wird ſtärker wachſen müſſen, weil die⸗ ſelbe aus 3 Factoren zuſammengeſetzt iſt, die vervielfachend auf einander einwirken; es muß daher die Wirkung der äußeren Kraft bald an der Steigerung der Abſtoßung eine Grenze finden und beim Auf⸗ hören derſelben die vergrößerte Abſtoßung den vorigen Zuſtand wieder herſtellen. Will man umgekehrt die Körperatome von einander entfernen, ſo wirkt nicht bloß die jenſeits derſelben auf obige Weiſe ver⸗ größerte, ſondern auch die zwiſchen ihnen in verſtärktem Maße verkleinerte Abſtoßung dahin, die Atome wieder zu nähern. Es findet alſo in dieſem Fall ein ſtabiles Gleichgewicht zwiſchen den Mole⸗ kularkräften ſtatt, was dem Zuſtand der feſten Körper und der vollkommenen Elaſticität der⸗ ſelben innerhalb gewiſſer Grenzen entſpricht.
§. 14. Sind die Körperatome ſo weit von einander entfernt, daß ihre Anziehung nahe= Null, ſo kann dieſelbe durch geringe Veränderung auch nicht ſtark vergrößert werden. Dieſer geringen Größe gegenüber wird der Druck der Luft von Bedeutung, ſo daß dann ein Gleichgewicht zwiſchen der An⸗ ziehung der Körperatome und dem Luftdruck einerſeits und der Abſtoßung des Aethers anderſeits ſtatt⸗ findet. Nähert man die Körperatome, ſo wird von der zuſammenhaltenden Kraft nur ein Theil, die Anziehung, um ein Geringes vergrößert, da der Luftdruck unverändert bleibt, während alle Factoren der Abſtoßung wegen der größeren Zahl der Aetheratome ſich vermehren; alſo muß die Näherung ſehr bald eine Grenze finden. Will man aber die Theile entfernen, ſo wirkt der ſich überall eindrängende Luftdruck ſich ſelbſt entgegen und es iſt nur die geringe Anziehung zu überwinden. Daraus ergibt ſich die unbedeutende Zuſammendrückbarkeit, gegenüber der leichten Verſchiebbarkeit der flüſſigen Köoͤrper.
§. 15. Sind endlich die Atome ſo weit von einander, daß die Anziehung der Körperatome gegen die Abſtoßung der Aetheratome verſchwindet, alſo eine Anziehung der Theilchen gegen einander nicht mehr exiſtirt, ſo muß eine kleine Menge ſolchen Stoffes ſich in jeden leeren Raum auszubreiten ſtreben. Es müſſen deßhalb auch die Aetheratome weit aus einander liegen, ſo daß die Abſtoßung derſelben gegen einander, die doch hier vorwiegend in Betracht kommt, nicht groß iſt. Es wird daher einem äußeren Druck nur geringer Widerſtand geleiſtet und ein ſtärkerer Druck, als dieſer Widerſtand, wird denſelben überwinden, alſo den Stoff zuſammenpreſſen. So erklärt ſich die Ausdehnſamkeit und ſtarke Zuſammendrückbarkeit der Gasarten.— Wird das Gas auf die Hälfte ſeines Raumes zuſammengepreßt, ſo kommen alle Aetherarten in doppelt ſo große Nähe; nach unſerm Abſtoßungsge⸗ ſetz wird dann auch die Abſtoßung jedes Aetheratoms doppelt ſo groß, alſo auch die Spannkraft ver⸗ doppelt, welche Folgerung einfach das Mariotte'ſche Geſetz erklärt. Werden durch äußeren Druck die Atome einander ſo weit genähert, daß die Anziehung allmälig wieder erwacht, alſo der Zu⸗ ſtand des Stoffes ſich dem vorhin geſchilderten indifferenten Gleichgewicht der flüſſigen Körper nähert, ſo wirkt die Anziehung wieder mit gegen die Abſtoßung: es kann alſo das Mariotte'ſche Geſetz nicht mehr in aller Strenge gelten. Iſt die Anziehung durch weitere Näherung der Atome ſo weit gewachſen, bis ſie wieder im indifferenten Gleichgewicht mit der Abſtoßung ſteht, ſo iſt das Gas flüſſig geworden. Alle Gaſe aber ſtimmen darin überein, daß die Aetherabſtoßung die Anziehung überwiegt; damit dies bei derſelben Temperatur und derſelben Spannung in gleicher Höhe der Fall ſei, muß die Aetherab⸗ ſtoßung, alſo auch die Anziehung der Körperatome dieſelbe ſein, welches letztere nur moͤglich iſt, wenn die Zahl der Körperatome in gleichen Räumen verſchiedener Gaſe dieſelbe iſt. Die


