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wie die Luft⸗Theilchen zur Erdkugel. Sie müſſen ſich auch, da die Anziehung der Körperatome die Ab⸗ ſtoßung der Aetheratome übertrifft, in ähnlicher Weiſe um die Körperatome gruppiren, wie die Luft um die Erde, ſo daß jedes Körperatom eine Aetherſphäre beſitzt, wie die Erde eine Atmoſphäre; ähnlich wie in dieſer, muß der Aether in der Nähe des Körperatoms am dichteſten ſein und nach außen immer lockerer und lichter werden, bis entweder Gleichgewicht zwiſchen den Anziehungs⸗ und Abſtoßungskräften dieſer Dy⸗ namide, wie Redtenbacher ein Körperatom mit ſeiner Aetherhülle nennt,¹) eintritt, oder bis noch andere Dynamiden ins Spiel treten, deren Kräfte mit denen der erſten einen Gleichgewichtzuſtand bilden. Wir erſehen daraus: kein Körper kann ohne Aether beſtehen; aber die anziehenden Körperatome können doch nicht allen vorhandenen Aether zu ſich ziehen, da die Abſtoßung dieſer vielen Aetheratome ſehr bald jener Anziehung gleich wird; die übrigen Aetheratome müſſen deßwegen aus der Körperwelt hinaus in den leeren Raum treten. Jeder leere Raum und der ganze Himmelsraum müſſen daher mit Aether erfüllt ſein; aber in einem von uns erzeugten beſchränkten leeren Raum iſt ſo viel Aether, als der An⸗ ziehung der benachbarten Körper und der Menge des umliegenden freien Aethers entſpricht, ebenſo iſt um die Weltkörper herum wegen deren Anziehungskraft der Aether dichter gruppirt, im leeren Weltraum dagegen kann der Aether nur nach Maßgabe der überhaupt vorhandenen Aethermaſſe dünner vertheilt ſein, als in und um den Körpern.
§. 6. Auf die Vorſtellung von abſtoßenden Aetheratomen führte die einfache Betrachtung, daß aller Stoff in eine einzige Maſſe zuſammenrinnen müßte, wären nur anziehende Körpertheilchen vor⸗ handen. Ebenſo einfach läßt ſich die Unmöglichkeit eines abſolut leeren Raumes im Weltall begründen: entweder ſind Licht und Wärme, die von allen Firſternen oder Sonnen ausgehen, Stoff oder Bewegung; ein Drittes iſt nicht denkbar. Sind ſie Stoff, ſo muß dieſer Stoff, der ja immer den Weltkörpern entfließt und mit einer Geſchwindigkeit von 42000 Meilen in einer Sekunde den Weltraum durcheilt, ſehr bald denſelben ausfüllen, da er nicht verſchwinden kann. Sind aber Licht und Wärme Bewegung, ſo muß doch Etwas da ſein, was ſich bewegt, und dieſes Etwas muß den Weltraum erfüllen, weil Licht und Wärme von den Sonnen aus überall hingehen. Solches iſt aber nur durch einen Stoff möglich von der Beſchaffenheit des Aethers, deſſen Theilchen einander abſtoßen.
Es iſt auch eine Art von direktem Beweis für das Daſein eines widerſtehenden Mittels im Welt⸗ raum geliefert worden durch den Aſtronomen Encke in Berlin mit Hilfe des nach ihm benannten Ko⸗ meten von kurzer Umlaufzeit. Bekanntlich kann aus dreimaliger Beobachtung eines Kometen, deſſen Bahn in allen ihren Elementen berechnet, alſo auch die Zeit gefunden werden, welche der Komet braucht, um einmal ſeinen Lauf um die Sonne zu vollenden. So wurde auch die Umlaufzeit des Encke'ſchen Kometen berechnet; aber merkwürdigerweiſe kommt derſelbe immer etwas früher wieder, als man nach der Berechnung erwarten ſollte. Dies kann nur dadurch hervorgebracht werden, daß von den 2 Kräften, welche die Bahn eines Weltkörpers erzeugen, der Anziehung der Sonne und Schwungkraft des Ko⸗ meten, die letztere verringert wird; denn hierdurch wird die erſtere verhältnißmäßig größer, zieht den Kometen mehr in die Nähe der Sonne, verkleinert dadurch ſeine Bahn und ſeine Umlaufzeit. Aber jene Verminderung der Schwungkraft kann wiederum nur der Erfolg eines ſtetigen Widerſtandes ſein, den der Komet immer erleidet, ſonach eines Widerſtandes, den ein feiner Stoff, welchen er durchſchneiden muß, auf ihn ausübt, ähnlich, wie die Luft die Fallkraft einer Feder vermindert. Zur Erklärung dieſer ſeltſamen Erſcheinung reicht nur unſer Aether aus. Bei den Planeten wird man dieſe Wahrnehmung nicht machen, denn dieſe nehmen einen verhältnißmäßig kleinen Raum ein bei einer ſehr großen Maſſe, während die Kometen Millionen von Meilen im Himmelsraum ausfüllen und aus einem Stoffe von außerordentlich geringer Maſſe und ſo dünner, lockerer Beſchaffenheit beſtehen, wie wir auf Erden keinen
¹) Redtenbacher, das Dynamiden⸗Syſtem. Mannheim 1857.


