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überſehen dabei, daß ſie dem angezogenen Körper die noch viel räthſelhaftere Eigenſchaft zuſchreiben, in dem anziehenden Körper bald eine große, bald eine kleine Kraft hervorzurufen, je nachdem der erſte ſelber groß oder klein iſt. Wir bleiben demnach bei der gebräuchlichen einfachen Anſchauung: jedes Körperatom iſt mit anziehender Kraft begabt, die ſich von dem Atom aus nach allen nur möglichen Richtungen ſtrahlenartig ausbreitet. Wenn viele Atome in einer Reihe liegen, ſo übt dieſe Reihe in ihrer Richtung eine der Zahl entſprechende größere Anziehung aus; jeder Körper muß deßhalb, da er in jeder Richtung aus Reihen unzähliger Atome beſteht, auch nach allen Richtungen eine merklich große Anziehung ent⸗ falten, ſollte auch die Anziehung eines einzelnen Atoms noch ſo klein ſein.—
§. 5. Wie groß aber dieſelbe iſt und nach welchem Geſetz ſie wirkt, darüber gibt es keine Forſch⸗ ungserfolge, die allgemeine Annahme gefunden haben. Wir wiſſen nur aus der Bewegung der Welt⸗ körper und dem freien Fall auf der Erde, ſowie aus den Verſuchen von Maskelyne und Hutton mit einem dem Berge Shehallien gegenüber gehängten Pendel und den Verſuchen Cavendiſh's mit 2 an Coconfäden aufgehängten Metallkugeln, wie aus vielen andern phyſikaliſchen Erſcheinungen, daß die Anziehung zwiſchen den Körpern wirklich beſteht, wenn ſie auch nicht ſtark genug iſt, um die Körper auf der Erde von ihrer Stelle hinweg zu einander zu bewegen, alſo die Hinderniſſe der Bewegung zu überwinden; wir wiſſen weiter, daß die Anziehung der Erde ſo groß iſt, um einem nicht unterſtützten Körper in ihrer Nähe in jeder Sekunde eine Geſchwindigkeit von 10 Meter zu ertheilen, daß die der Sonne 28 mal größer und die des Mondes 5 mal kleiner iſt; wir kennen auch das Geſetz, nach welchem die Anziehung in all dieſen Fällen geſchieht, nämlich im geraden Verhältniß der Maſſen und im um⸗ gekehrten Verhältniß der Quadrate der Entfernungen; allein über die Größe der Anziehung eines Atoms und das Geſetz ihrer Wirkung wiſſen wir Nichts. Dieſer Mangel legt auch unſerer Unterſuchung an manchen Stellen Schranken an und wir ſind ſogar genöthigt, über das Geſetz der Anziehung wenigſtens eine hypothetiſche Entſcheidung zu treffen. Einige glauben, die Anziehungskräfte der Atome verhielten ſich umgekehrt, wie die 4ten Potenzen der Entfernungen,(Wertheim rechnet ſogar die 14te Potenz heraus), ich glaube aber, man kann mit Wiener“) folgern, daß das Gravitationsgeſetz auch zwiſchen den Atomen gelten muß, wenn und weil es zwiſchen den Körpern gilt. Man wendet zwar dagegen ein: in einiger Entfernung iſt die Anziehungskraft noch gar nicht merklich, wenn ſich aber zwei eben ge⸗ ſchliffene Platten berühren, ſo haften ſie mit großer Kraft aneinander, eben ſo wie die Theilchen feſter Körper mit einer ſo großen Kraft aneinander hängen, daß die Anziehung nach dem Quadrat der Ent⸗ fernung nicht ausreicht, um das ſtarke Wachsthum zu erklären. Allein, nehmen wir einmal an, die Anziehung der Platten ſei in einer Entfernung von 1“˙ ſo groß, wie der Zug, den ein Loth auf einen Faden, an dem es hängt, ausübt, ſo iſt ſie in einer Entfernung von ⁄1%“ ſchon gleich Million Lothen, alſo mehr als 300 Centner. Erklärt dies nicht hinreichend die raſche Zunahme? Wollte man in dem quadratiſchen Verhältniſſe weiter folgern, ſo würde man ſogar die Anziehungskraft zweier Atome für unmittelbare Berührung, wenn dieſe möglich wäre, unendlich groß finden, wodurch man auch ein Urtheil über die Größe der atomiſtiſchen Anziehung überhaupt erhielte.
§. 5. Die eben geſchilderten Körperatome, welche die Körperwelt bilden und im ſogenannten leeren Raume ſich nicht befinden, ſind aber nicht allein im Weltall vorhanden: es gibt außer ihnen noch Aether⸗Atome. Dieſe unterſcheiden ſich von jenen vorzüglich dadurch, daß ſie abſtoßende Kraft enthalten, die von jedem Aetheratom ſtrahlenartig nach allen Richtungen wirkt, woraus ſich denn ſogleich ergibt, daß die Aetheratome den höchſten Grad der Elaſtizität, ja abſolute Elaſtizität ſelbſt beſitzen müſſen. Sie unterſcheiden ſich ferner von den Körperatomen durch noch viel weiter getriebene Kleinheit, koͤnnen daher als Stoffpunkte angeſehen werden und ſtehen zu den Körper⸗Atomen ungefähr in dem Verhältniß,
¹) Wiener, Grundzüge der Weltordnung, S. 31.


