veriſiren, Aufloͤſen u. ſ. w. erhalten werden, noch weiter zerlegen können, wenn dazu paſſende Opera⸗ tionen in unſerer Macht ſtänden, und würden dann endlich die untheilbaren Urtheilchen, Atome genannt, erreichen. Der Menſch kann ſich jedoch nicht der Hoffnung hingeben, daß es ihm gelingen werde, dieſe Körperchen von unfaßbarer Kleinheit jemals wahrzunehmen. Denken wir an die außerordentliche Fein⸗ heit der Riechſtoffe, von welchen ein unwägbares Quantum hinreicht, mit ſeinen Oufttheilchen die Atmoſphäre oft meilenweit zu erfüllen, erinnern wir uns, daß manche Infuſorien, von denen Tauſende in einem für das bloße Auge ganz klaren Waſſertropfen leben, mit feinen Flimmerhaaren bedeckt ſind, die ſelbſt bei mehrhundertfacher Vergrößerung nur ſchwach ſichtbar erſcheinen, bedenken wir, wie ver⸗ wickelt die Bildung der Haare iſt und daß das kleinſte Haartheilchen, wie das feinſte Dufttheilchen als organiſcher Stoff nach den Lehren der Chemie aus zahlreichen Atomen mehrerer Elemente zuſammen⸗ geſetzt iſt, ſo hat man wenigſtens annähernd einen Begriff, wenn auch nicht eine Vorſtellung von der außerordentlichen Kleinheit der Atome.—
§. 3. Aus dieſen Gründen läßt ſich natürlich nichts Beſtimmtes über Geſtalt, Größe und Ge⸗ wicht der Atome ſagen; Einige halten ſie für kugelförmig, Andere für polyedriſch. Sicher aber iſt, daß die Atome eines und desſelben Stoffes in allen Beziehungen vollkommen einander gleich ſind, wäh⸗ rend die verſchiedenen Körper in allen drei Eigenſchaften verſchieden ſein können. Durch gewiſſe That⸗ ſachen der Chemie iſt man dahin gelangt, für die Atome der 64 Elemente, wenn auch nicht die Gewichte ſelbſt, ſo doch die Zahlen zu beſtimmen, welche ausdrücken, wievielmal größer die Gewichte derſelben ſind, als das Gewicht des leichteſten von allen, des Waſſerſtoff⸗Atoms; dadurch iſt man auch zu Fol⸗ gerungen über die Größenverhältniſſe der Atome vorangeſchritten, während man aus der Kryſtallform Schlüſſe auf die Geſtalt der kleinſten Theilchen zu ziehen begonnen hat.—
§. 4. Dieſe Atome der Chemie nun, welche beſtimmtes Gewicht, beſtimmte Größe und Geſtalt haben müſſen, werden Körperatome genannt, weil ſie die Körper bilden und ſich nur in Körpern finden. Sie beſitzen die Fähigkeit, auf andere Körperatome ſo zu wirken, daß zwei unabhängige Atome ſich einander nähern. Man nennt dieſe Fähigkeit Anziehung und erklärt demnach jedes Körperatom als Sitz einer Anziehungskraft. Zwar gibt es Naturforſcher, welche dieſe Ausdrucksweiſe verwerfen, weil wir von dem Daſein dieſer Kraft nichts bemerken koͤnnen, wenn wir nur eine Maſſe vor uns haben, ſondern erſt dann Bewegung erblicken, wenn zwei Maſſen einander gegenüber ſtehen; es vermeiden deßhalb jene Forſcher den Ausdruck, daß eine Maſſe Kraft in ſich trage und erklären der Thatſache gemäß: kommen zwei unabhängige Maſſen einander nahe, ſo bewegen ſie ſich zu einander; die Urſache dieſer Wirkung nennen wir Kraft.*) Wollten ſie hiermit die Stoffatome nicht als Träger einer uns allerdings in ihrem Weſen unbekannten Kraft anerkennen, ſo müßten wir fragen: Kann denn dieſe Urſache in der einen Maſſe verſchwinden und wieder auftauchen, wenn die andere Maſſe verſchwindet und wiedererſcheint; und wollte man dies auch annehmen, würde man damit nicht der andern, alſo auch jeder Maſſe, die noch viel geheimnißvollere Fähigkeit zuſchreiben, in der erſten Maſſe Kraft erwecken und auch wieder auslöſchen zu können? Weiter wiſſen wir gewiß, daß eine größere Maſſe, d. i. eine größere Anzahl von Atomen ſtärker angezogen wird, als eine geringere. Von dem anziehenden Körper nämlich ergießen ſich die Strahlen der Anziehung nach allen Richtungen; eine größere Atomenzahl wird dem⸗ nach auch von einer größeren Strahlenmenge getroffen, alſo im Verhältniß ihrer größeren Zahl ſtärker angezogen. So zieht z. B. ein Felſen die Erde ſehr ſtark an, ſo ſtark, als die Erde ihn anzieht; ein kleiner Stein aber wird von dem Felſen nur eine ſehr kleine Anziehung erfahren, die ſeiner eigenen gegen den Felſen entſpricht. Jene Forſcher nun, die in der Beſorgniß, dem Stoffe irgend eine uner⸗ klärliche, geheimnißvolle Kraft beizulegen, ſich rein auf den Ausdruck des Thatbeſtandes beſchränken wollen,
²) Mayer, das mechaniſche Aequivalent der Wärme, S. 37. 1*


