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3. Die Durchführung des Frankfurter Lehrplans.
Die Anmeldungen zur Sexta waren in diesem Jahre stärker denn je; sie betrugen am 16. Januar, dem Schlußtage der vom Kuratorium bekannt gegebenen Anmeldezeit, 62. Da die drei unteren Klassen, die denselben Lehrplan wie die lateinlosen Realschulen haben, nach der Absicht der städtischen Behörden ungeteilt pleiben sollen, so mußte 20 Schülern, und zwar denjenigen, die das normale Alter am 1. April d. J. noch nicht erreicht haben, sowie auch einigen, deren Wohnung von unserer Anstalt weit entfernt liegt, der Besuch anderer Schulen für die ersten 3 Jahre anheimgegeben werden. Die oberen städtischen Behörden haben aber in Aussicht genommen, von der Untertertia an, von wo der Lehrgang des Gymnasiums sich von dem der anderen Schulen trennt, Teilung der Klassen, soweit das Bedürfnis vorliegt, eintreten zu lassen. Die Zahl der Klassenzimmer ist auf 15 berechnet; die Anstalt kann sich also in den 6 Klassen von Untertertia bis Prima, dem eigent- lichen Gymnasium, zu einer Doppelanstalt entwickeln. Schon für das folgende Schuljahr ist die Teilung der Untertertia gesichert, und mit Rücksicht hierauf eine neue Lehrerstelle für die Anstalt gegründet. Die Eltern der Schüler, die jetzt keine Aufnahme in die Sexta finden, können also mit einiger Zuversicht darauf rechnen, daß nach 3 Jahren ihren Söhnen der Eintritt in unsere Anstalt ermöglicht wird.
Die Erfahrungen, die wir im ersten Jahre mit dem Anfangsunterricht des Lateinischen gemacht haben, sind durch die Ergebnisse dieses Jahres bestätigt worden. Da alle Exemplare des Programms von 1896 vergriffen sind und wir auf viele Nachfragen zu unserem Leidwesen abschlägigen Bescheid haben geben müssen, so bringen wir den Teil des vorjährigen Berichts, der sich auf den lateinischen Unterricht der Untertertia bezieht, hier wieder zum Abdruck:
„Wir haben nunmehr das erste Jahr des lateinischen Anfangsunterrichts der Untertertia hinter uns, und wir dürfen mit Freude aussprechen, daß die Erwartungen, die wir auf dieses erste Jahr gesetzt haben, erfüllt, ja übertroffen sind. Die Schüler, auch die Schwächeren unter ihnen, haben mit großem Eifer den neuen Gegenstand angefaßt, und dieser Eifer hat sich im Verlauf des Jahres nicht abgeschwächt, vielmehr erhöht. Es hat einen besonderen und sich steigernden Reiz für diese Knaben, zu beobachten, wie fast die meisten Worte der Französischen und so zahlreiche Ausdrücke unserer eigenen Sprache im Lateinischen ihren Ursprung haben. Diesen Schülern offenbart sich in einer Zeit, wo sie Sinn und Begriff für dergleichen Beobachtungen haben, der mächtige Zusammenhang unserer Sprache und Kultur mit dem Altertum, und so entsteht ein Anreiz zum Lernen, der nicht zu unterschätzen ist. Auch für die schnelle und sichere Aneignung eines großen Vokabelschatzes hat es sich als bedeutender Vorteil erwiesen, daß nur wenig Worte vorkommen, bei denen sich nicht eine Beziehung zum Französischen oder zu bekannten deutschen Fremdworten oder zu Ausdrücken herstellen ließe, die im Geschichtsunterricht bereits bekannt geworden sind.
Das Ziel, das wir uns gesteckt hatten, die regelmäßige und unregelmäßige Formenlehre im ersten Jahre zur Aneignung zu bringen, ist erreicht worden. Dabei sind zugleich die wichtigeren syntaktischen Regeln, die sich mit den Formen verbinden, erklärt und eingeprägt worden. Für die Aufgaben, die uns gestellt waren, haben sich das Lesebuch und die zugehörige Wortkunde, die Herr Oberlehrer Dr. Wulff, zwar im Anschluß an die iibungsbücher von Perthes für Sexta und Quinta, aber doch durchaus selbständig ausgearbeitet hat, als ausgezeichnetes Hülfsmittel erwiesen. Jeder, der nach diesen Büchern zu unterrichten hat, wird empfinden, wie planvoll und durchdacht hier alles angeordnet ist und wie bedächtig jeder Schritt geschieht, so daß man sich ohne Überstürzung und üibereilung und ohne die Schüler zu sehr anzustrengen zur rechten Zeit an das Ziel geführt sieht. Auch der Inhalt ist durchaus dem Standpunkt des Tertianers angemessen und wohl geeignet, in die Geschichte und Anschauungsweise des Altertums propädeutisch einzuführen. Zahlreiche kernige Sprüche, Sentenzen und Dichterstellen würzen den Unterricht.
Das Lesebuch bietet keine deutschen Stücke zum Üibersetzen ins Lateinische, aber es liegt in dem befolgten System begründet, daß die iibung des Herübersetzens nicht nur durch Retrovertieren, sondern auch durch fortwährendes Umbilden der lateinischen Sätze und durch Nachbilden ähnlicher Sätze reichlich getrieben wird. Hand in Hand hiermit gehen unablässige iibungen in der Anwendung der Deklinations- und Konjugations- Formen. Hierbei ist planmäßig darauf hinzuwirken, daß alle wichtigeren Formen, die früher eingeübt sind, von Zeit zu Zeit innerhalb des fortschreitenden Unterrichts in immer neuen Verbindungen vorgeführt und zur Anwendung gebracht werden. Wo sich irgend ein Mangel und Schaden, etwas Unverstandenes oder ein Halb- verstandenes bei einzelnen Schülern zeigt, darf sich der Lehrer Zeit und Mühe nicht verdrießen lassen, in ein- gehender Erklürung und iibung das Verlorene und Halbverlorene neu zu gewinnen und zu befestigen. Wenn


