der in seiner Vertretung hier am Platze den Bau geleitet hat, des Herrn Architekten Blattner. Mit emsigem PfHlichteifer und eingehender Sorgfalt hat er über dem Werke gewacht und wesentlich dazu beigetragen, daß es in raschem Schritt zur Vollendung geführt und daß die zahlreichen Schwierigkeiten überwunden wurden, die nur der würdigt, der sie aus Erfahrung kennen lernt.
Wir gedenken der zahlreichen fleißigen Hände, die an diesem Bau thätig waren, und neigen uns ehrend vor der Tüchtigkeit des deutschen Handwerkers und Arbeiters; was wir ihrem starken Arm und ihrer geschickten Hand verdanken, des wollen wir und des mögen unsere Schüler stets mit dem schuldigen Respekte eingedenk bleiben. Wir preisen die glück- liche Fügung, daß auch nicht der geringste Unfall bei diesem Bau zu beklagen war, der einen Schatten auf die Freude des heutigen Tages werfen könnte.
Und zuletzt dürfen wir noch für eine besondere Gabe unseren Dank aussprechen: Diese hohen Fenster, die, in buntem Farbenschmuck mit sinniger Kunst von einem hervor- ragenden Meister ausgeführt, auf uns niederschauen, sind eine Stiftung der Liebe und An- hänglichkeit früherer Schüler des Städtischen Gymnasiums(vgl. S. 19). Wie das Licht der Sonne sich freundlich durch diese Scheiben brechen wird, so sei dieses Geschenk uns ein glück- verheißendes Zeichen, daß wie bisher, so auch in Zukunft unsere Schüler mit ihrer Schule in Liebe verbunden bleiben werden.
All dies Schöne, was durch so mancherlei Opfer und Mühen, durch Fleiß und Kunst geschaffen ist, wird von nun an uns, der Schulgemeinde des Goethe-Gymnasiums, zu täglicher Benutzung übergeben. Da müssen wir uns zu Herzen nehmen, dass eine jede Gabe auch eine Aufgabe ist, und müssen mit heiligem Ernste danach streben, uns innerlich würdig zu machen des Gewandes, das unserer Schule heute gegeben wird.„Das Schöne stammet her vom Schönen und will gepfleget sein, wie eine Blume edler Art.“ Wollen wir dies Wort, an euch wende ich mich, meine lieben Schüler, zunächst einmal äußerlich fassen: Es ist schon ein nicht unbedeutendes Stück Erziehung, die ein jeder von euch an sich selbst üben muß, diesen Bau und alle seine Teile im täglichen und stündlichen Gebrauch so schonend zu behandeln, wie es der Schönheit entspricht, die aus ihm zu euch redet, wie es die Sorgfalt und Mühe verlangt, die zu ihrer Herstellung nötig war. Habet Ehrfurcht vor den Dingen, die euch umgeben, das wird euch auch auf weiterem Felde vor der Mißachtung der Arbeit anderer schützen, die gar oft aus Mutwillen hervorgehend unversehens in Rohheit endet.
Aber noch in anderem Sinne kann uns dies Gebäude eine Mahnung und ein Vorbild sein. Es vereinigt aufs glücklichste die Kraft und die Anmut, den Ernst und die Heiterkeit:; möchte so auch unser Wirken von beiden Eigenschaften getragen sein. Denselben Weg Weisen uns die Sprüche, die die Wand dieser Festhalle zieren und die dem reichen Gedankenschatze des Dichters und Weisen entnommen sind, nach dem unsre Schule von jetzt an genannt werden soll:„Ohne Ernst ist in der Welt nichts möglich“ und„Fröhlichkeit ist die Mutter aller Tugenden“. Fröhlich bei der Arbeit und besonnen und zielbewußt in aller Fröhlichkeit, das wäre die richtige Weise.
Die Schönheit dieses Gebäudes ist nichts Kußerliches, das wie eine Etikette dem fertigen Werke aufgeklebt wäre; sie ist aus der inneren Notwendigkeit und der Zweckmäßig- keit des Ganzen hervorgewachsen, darum wirkt sie so wohlthuend und überzeugend. Der bedeutungslose Schmuck, der hohle Schein läßt uns innerlich kalt. So soll auch das Streben


