Aufsatz 
Die Eröffnung des Goethe-Gymnasiums
Entstehung
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ihrer Wirksamkeit verdankten. Das Wohlwollen, das der Schule bezeugt werde, solle für sie ein Sporn sein, das Vertrauen der Behörde, der Bürgerschaft dieser Stadt und der Eltern sich täglich von neuem zu erwerben.

Sodann richtete er sich an die Festversammlung mit etwa folgenden Worten:

Sie haben uns die Freundlichkeit erweisen wollen, Zeuge zu sein, wie dies herrliche Gebäude unserer Anstalt, dem nunmehrigen Goethe-Gymnasium, übergeben wird. In diesen weiten Hallen, diesen von Licht und Luft durchströmten Räumen soll sich fortan das Leben unserer Schule entfalten. Da ist Preis und Dank das erste Gefühl aller derer, die dem Ge- meinwesen dieser Schule angehören, und unsere Seele erhebt sich zu dem Geber aller guten Gabe, dem Vater des Lichts, von dem alles Leben ausströmt und dessen Hauch die Herzen der Menschen durchdringt!

Der Dank aber, den wir den Menschen zu geben haben, muß sich nach vielen Seiten richten, denn gar mannigfaltiger freundlicher Bemühungen, sorgender Gedanken und unver- drossener Arbeit hat es bedurft, um dies Werk zu stande zu bringen.

Wir danken vor allen den Vätern der Stadt, den Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung, die nicht nur alles, was für die Erfolge des Unterrichts und die Gesundheit der Schüler notwendig war, reichlich gewährt, sondern auch darüber hinaus ihren Willen bekundet und ihm kräftigen Ausdruck gegeben haben, daß dieser Bau vorbildlich für andere Schulbauten wirken soll. An der Stirnseite dieses Rednerpultes stehen die Initialen des alten Wortes:Senatus populusque Francofurtanus. Unsere Jugend möge, wenn sie diese Zeichen sieht, stets des eingedenk sein, daß es ihre Vaterstadt, daß es das große Gemein- wesen ist, dem sie die kostbare Gabe dieses Schulhauses verdankt; sie möge sich dadurch bestärken lassen in der Freude an ihrer schönen Heimat und in der Liebe zu ihrer Vater- stadt und ihrem Vaterlande. Wir danken dem früheren Oberbürgermeister unserer Stadt, Seiner Exzellenz Herrn Minister Dr. Miquel und dem damaligen Vorsitzenden des Kura- toriums, Herrn Bürgermeister Dr. Heussenstamm, die die erste Anregung zu diesem Bau gegeben haben, und nicht minder unserem verehrten jetzigen Herrn Oberbürgermeister Adickes, der mit sicher treffendem Blick diesen Platz ausgewählt und dadurch zugleich die Haupt- grundzüge für die Bauanlage gegeben hat. Mit stets wachsamer Fürsorge hat das Kuratorium, an seiner Spitze Herr Stadtrat Grimm, den Fortgang dieses Baues verfolgt, stets bereit, mit Thatkraft und Sachkenntnis einzugreifen, wo Rat und Hülfe nötig war. Der städtischen Baubehörde und dem Herrn Stadtarzt verdanken wir es, daß das Bauprogramm, das dem Wettbewerb zu Grunde gelegt wurde, in mustergültiger Weise aufgestellt worden ist.

Aber alle diese Bemühungen hätten nicht zu dem Ziele geführt, zu dem herrlich vollendeten Werke, das wir jetzt bewundern, wenn nicht der Gedanke des Meisters sie be- lebt, ihnen Gestalt und Zusammenhang und die wirkende Seele gegeben hätte. Dem genialen Baumeister, Herrn Bauinspektor Frobenius, reichen wir heute noch in ganz anderem Sinne die Palme dar als damals, da unter 131 Entwürfen, die im Wettbewerbe eingegangen waren, seinem Plane der Preis zuerkannt wurde. Wie er den Wurf des Ganzen so glücklich, so anmutig zugleich und zweckmäßig getroffen hat, so hat er mit der Liebe und Gewissenhaftigkeit des echten Künstlers bis ins Einzelne hinein, auch in dem, was klein und unwesentlich scheinen könnte, sein Werk bis zuletzt vervollkommnet. Wenn wir seinen Namen dankbar mit dem unseres Schulhauses für immer verknüpfen, so müssen wir auch des Mannes gedenken,