5 sind noch andere mächtige Einflüsse in diesem Sinne vorhanden, allein die Schule vermag dennoch den Keim zu säen, der sich unter jenen entwickeln soll. Deshalb sind unsere Wünsche für die Schule und die Jugend um so herzlicher und inniger. Sie, verehrter Herr Direktor, werden vielleicht manches Mal zurückdenken, an jene engeren, bescheideneren Räume, die Sie soeben verlassen haben; Sie werden auch vielleicht manches Mal zurückdenken an den größeren und umfangreicheren Wirkungskreis, den Sie zu Gunsten eines kleineren aufgegeben haben, allein Sie haben ihm gerne entsagt, um in dem kleineren Kreise desto vertiefterer Arbeit sich zu unterziehen. Möge der alte gute Geist auch im neuen Hause walten, möge das Goethe- Gymnasium in edlem Wettstreit mit der Schwesteranstalt, dem Lessing-Gymnasium, helfen Männer heranzubilden, denen keine Lage zu schwer ist und die sich in allen Lagen zurecht- finden, die erfüllt sind von den Idealen des deutschen Lebens und dem Hochgefühle, der deutschen Nation anzugehören, und die zum Gedeihen des Vaterlandes ihr Tagewerk voll- bringen. Das walte Gott!“
Nachdem der Herr Oberbürgermeister geendet, nahm Seine Exzellenz der Herr Ober- präsident das Wort: Es sei ihm zunächst Bedürfnis, seiner Freude und seinem Danke dafür Ausdruck zu geben, daß die städtischen Behörden mit solcher Fürsorge das höhere wie das gesamte Schulwesen dieser Stadt förderten. Dies herrliche Gebäude sei ein neuer Beweis der Opferwilligkeit und werkthätigen Teilnahme der Stadt an der wichtigen Arbeit der Jugend- erziehung. Sodann wandte er sich an den Direktor und das Lehrerkollegium und sprach die Anerkennung der Staatsregierung für die bisherigen Leistungen der Schule aus, insbesondere auch im Hinblick auf den Versuch der Neugestaltung des Lehrplans, der hier unternommen werde. Daher habe Seine Majestät unser Kaiser, König und Herr geruht, zur Erhöhung der Feier dieser Stunde den Rothen Adler-Orden vierter Klasse dem Direktor zu verleihen. Die Überreichung des Ordens begleitete Seine Exzellenz mit dem Wunsche, dem er einen herzlichen Ausdruck gab, daß die Bestrebungen, die in dieser Schule verfolgt werden, auch weiterhin segensreich wirken mögen.
Herr Geheime Regierungsrath Dr. Lahmeyer brachte sodann der Schule und dem. Direktor seine Glückwünsche dar. Er freue sich, so führte er aus, daß durch die Trennung der beiden Anstalten dem Direktor ermöglicht sei, seine Kraft ungeteilt den Arbeiten zu widmen, die die Durchführung des Frankfurter Lehrplans erfordert. Wenn auch der Erfolg dieses Unternehmens noch in der Zukunft liege, so sei doch schon das Vornehmen eines solchen Versuches wichtig und bedeutungsvoll. Er wünsche dem Goethe-Gymnasium von Herzen, daß es in diesem stolzen, schönen Gebäude neue Förderung finden und sein Ziel erreichen möge. Zwar sei ein kleines, bescheidenes Heim mit wackeren Schülern einem grossen, schönen Hause mit minderwertigen Insassen vorzuziehen; allein das beste bleibe doch die Vereinigung von beidem, und wenn es gelänge, die Schüler des Goethe-Gymnasiums fromm, vaterlandsliebend, feingesittet und strebsam zu allem Guten zu erziehen, so werde diese schöne Vereinigung zu aller Freude erreicht. Daß dies das eifrigste Bestreben hier sein werde, davon seien alle überzeugt; möge dem Streben Erfolg und Erfüllung zu teil werden!
Der Direktor drückte zunächst seinen innerlichst empfundenen Dank aus für die freundlichen Wünsche und die Ehrung, die der Schule und ihm zu Teil geworden sei. Er und das Lehrerkollegium seien von dem Gefühle durchdrungen, daß sie dem Rat und der Hülfe der Persönlichkeiten, die an der Spitze der Schulverwaltung ständen, das Beste in


