74
stalten einnimmt, waren nach dem allgemeinen Durchschnitt im Jahre 1885 32,8% kurz- sichtig; im Jahre 1888 von den Schülern der Osterklassen 31,9%, von den der Michaelis- klassen 27,9%. Die Kurzsichtigkeit steigt mit den Klassen und mit der Hôhe des Schulalters. Während in Sexta etwa 15% der Schüler mit ihr behaftet sind, betrug der Prozentsatz in Prima durchschnittlich 55. Im Jahre 1885 waren in OIl 77%, in MII 58%; 1858 in OIl 55% in MII 50% Kurzsichtige. Eine geringe Besserung ist im Jahre 1888 gegenüber dem Ergebnis aus dem jahre 1885 zu bemerken. Wir dürfen dieselbe wohl zumeist der Wirkung des im Herbste 1884 eröffneten Neubaues zuschreiben, in dem 6 unserer 18 Klassen unterrichtet werden. Denn obwohl auch dieser Bau von hohen Gebäuden flankiert wird, so hat er doch bedeutend bessere Lichtverhältnisse, als die Klassen des Hauptgebäudes, besonders diejenigen, die nach der engen Rothofstrasse zu gelegen sind(S. S. 72 a. a. O.) Herr Prof. Schmidt-Rimpler betont mit Recht, daſs entschiedene Mafsregeln getroffen werden müssen, um der wachsenden Kurzsichtigkeit unter der Jugend der höheren Schulen entgegenzuwirken. Dieselben werden zunächst in möglichst gesunder und zweckmäſfsiger Einrichtung der Schulgebäude bestehen. Die Mittel, die für geräumige, frei gelegene, dem Lichte und der Luft allseitig zugängliche Gebäude, für groſse Turn- und Spielplätze und für ausgiebige Säuberung und Reinhaltung der Schulräume veraus- gabt werden, sind wahrlich nicht dem Luxus gewidmet; wenn irgend eine Aufwendung wohl- thätig angelegt ist, so ist es die, welche dem Schutze der Gesundheit des heranwachsenden Geschlechtes dient. Die Schädigungen, welche eine hoch gesteigerte und verfeinerte Kultur notwendiger Weise mit sich führt, müssen wie auf allen Gebieten so besonders auf dem der Schule durch entsprechende Wohlfahrtseinrichtungen herabgemindert werden. Nichts ist unzutreffender, als die Schulmänner, die nach dieser Richtung ihre Forderungen erheben, auf die Einfachheit und die kümmerlichen Verhältnisse der Schulen früherer Zeit zu verweisen. Solche Bemerkungen verfehlen so weit ihr Ziel, als das Getôse der modernen Grofsstadt von der idyllischen Ruhe entfernt ist, die vor zwei Menschenaltern noch in deutschen Landen herrschte. Krankheiten heilen ist gut, ihnen vorbeugen ist besser.
Seine Ansichten über die notwendigen pädagogisch-hygienischen Maſsregeln faſst Schmidt-Kimpler in folgenden Sätzen zusammen: 1. Bei der Ausbildung der Lehrer wird darauf hinzuwirken sein, daſs dieselben sich eine gewisse Kenntnis der Schulhygiene erwerben. 2. Ein Schularzt hat die Schulen und die Schüler in gesundheitlicher Hinsicht zu beaufsichtigen. 3. Die Eltern sind in geeigneter Weise über gesundheitsgemäſsen Sit⸗z beim Arbeiten, über Subsellien und Beleuchtung zu belehren. 4. Die Nachmittage müssen möglichst frei gehalten werden, damit die häuslichen Arbeiten bei Tageslicht angefertigt werden können und die Schüler Zeit haben, sich in der freien Luft zu bewegen; selbst wenn dann der Vormittagsunterricht auf 5 Stunden ausgedehnt werden sollte, so ist dies bei richtiger Verteilung der Pausen nicht als Hindernis zu betrachten. 5. Die hàuslichen Arbeiten, besonders die schriftlichen, sind zu verringern. 6. Eine übermäſsige Ausdehnung der zur Absolvierung der höheren Lehranstalten erforderlichen Zeit ist zu verhüten. Hoffen wir, daſs die Reformbewegung, die jetzt in Gang gebracht ist, auch in dieser Hinsicht zu heilsamen Ratschlüssen führt und die Schädlichkeiten des jetzigen Schulbetriebes beseitigt, ohne dafs die wohlthätige Wirkung einer Erziehung verschwindet, welche alle guten Krafte der Jugend anspannt und sie vor dem schlimmsten Gifte, dem des Müssigganges bewahrt.


