Aufsatz 
M. Henrici Hirtzwigii Rectoris de Gymnasii Moena-Francofurtani ratione et statu ad Balthasarem Mentzerum epistola : mit Einleitung und Übersetzung / von Karl Reinhardt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

73

und eine kleine Bronze-Medaille im Auftrage des Provinzial-Schulkollegiums durch den Direktor mit einer Ansprache übergeben. Die Verteilung dieser Medaillen, die im Jahre 1851 auf die Enthüllung des Denkmals Friedrichs des Grofſsen geprägt sind, erfolgte nach Allerhöchster Bestimmung.

Zu einem auſserordentlichen patriotischen Feste wurde die Anstalt am 25. Oktober, der Vorfeier des Geburtstages des Generalfeldmarschalls Grafen von Moltke versammelt. Alle Schulen der Monarchie haben nach Allerhöchster Bestimmung diesen Tag festlich begangen. Durch diese seltene Ehrung sollte das Bild des geistesgewaltigen Helden, den zugleich die Tugend einer herzgewinnenden Bescheidenheit und der unentwegten Treue schmückt, den Herzen unserer Jugend fest eingeprägt werden. Der Akt wurde durch Vortrag von Liedern und Gedichten gefeiert, darunter ein von Herrn Direktor Walter in Bockenheim zu diesem Tage besonders verfaſstes; die Festrede sprach der Oberprimaner Friedrich Schmidt-Knatz.

Die musikalisch-theatralische Schüleraufführung, welche im Winter 1889/90 geplant war, hatte infolge der Landestrauer um den Tod der Kaiserin Augusta auf den Beginn des Sommerhalbjahrs 1890 verschoben werden müssen. So haben wir in diesem Programm über zwei derartige Vorstellungen zu berichten, um die sich die Herren Schneider und Dietz sowie aus unserem Kollegium die Herren Schmidt und Dr. Banner in gewohnter freundlicher Weise verdient machten. Wir sprechen auch an dieser Stelle ihnen den Dank der Anstalt aus. Am 19. April wurden die drei ersten Akte aus Shakespeares julius Cäsar, am 5. Dezember der König Odipus des Sophokles in der UÜbersetzung von Wendt mit den Chõren von Bellermann aufgeführt. Beide Vorstellungen gaben den beteiligten Schülern Gelegenheit, ihre Kräfte zu entwickeln und sich und andere zu erfreuen.

Die schriftliche Reifeprüfung für den Michaelistermin fand vom 7. bis 12 August. die mündliche am 12. und 13. September statt. Sämtlichen 27 Oberprimanern, welche sich zu derselben gemeldet hatten, konnte das Zeugnis der Reife erteilt werden, 10 wurden von der mündlichen Prüfung befreit. Die Geschäfte des Königlichen Kommissars waren dem Direktor übertragen.

Die schriftliche Prüfung des Ostertermins wurde in der Woche vom 26. bis 31. Januar, die mündliche unter dem Vorsitze des Direktors am 4. März abgehalten. Von den 20 Ober- primanern, die sich gemeldet hatten, konnte zweien das Zeugnis der Reife nicht zugesprochen werden; einer derselben war nach dem ungenügenden Ausfall der schriftlichen Arbeiten zurückgetreten. Dreizehn Schüler wurden von der mündlichen Prüfung befreit.

Im Laufe des Sommersemesters wurde auf Veranlassung des Herrn Ministers durch die Lehrer der Anstalt Herrn Dr. Bopp und Zint eine Augenuntersuchung unserer Schüler vorgenommen, als Fortsetzung der in den jJahren 1885 und 1888 durch Herrn Geheimen Medizinalrat Prof. Dr. Schmidt-KRimpler veranstalteten. Die Ergebnisse jener früheren Untersuchungen liegen jetzt in einer eingehenden Schrift dieses Forschers vor: Die Schulkurzsichtigkeit und ihre Bekämpfung, Leipzig., Engelmann 1890. Von den Schülern unseres Gymnasiums, welches eine mittlere Stellung unter den untersuchten An-

Gymnasium 1891. 10