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die h. Schrift in hebräischer und htlich zu verführen sein“.¹) die hebräische und
alt und jung, Frauen und Kinder selber mit Gott reden, griechischer Sprache lesen und verstehen, so wird niemand leic Dies war denn auch der Grund, weshalb er, wie wir oben gesehen, griechische vor der lateinischen Sprache lernen lassen wollte.
In dem Maſse nun, wie sich die Unmöglichkeit zeigte, solche Absichten durchzuführen, kühlte Mentzers Eifer sich ab. Seine Freunde Helvicus und Jungius arbeiteten in Frank- furt(August 1613 bis Mai 1614) und Augsburg(bis Frühjahr 1615) mit Ratichius zusammen. Ihre Berichte waren anfänglich sehr günstig, ja voller Begeisterung. Aber bei dem ersten praktischen Versuche in Augsburg trat bald ein Zerwürfnis zwischen dem Reformer und seinen beiden gelehrten Mitarbeitern ein. Beide Teile schoben einander die Schuld zu, der letzte Grund lag in der Uberspanntheit der angestrebten Ziele. Die Giessener Professoren trennten sich von Ratichius, hielten aber viele seiner guten und brauchbaren Ideen fest und suchten sie später weiter zu verbreiten und praktisch zu verwerten. Mentzer hatte schon seit Herbst 1614 sich immer mehr von dem Unternehmen zurückgezogen).
Dies war die Stimmung des Giessener Kreises, als Hirtzwig im Herbste 1615 seinen alten Lehrer besuchte und hier die Erörterungen gepflogen wurden, von denen der Anfang unseres Schriftchens berichtet. Wir werden in dem Fortgange desselben beobachten können, wie der Verfasser zu den Pläànen des Ratichius Stellung nimmt, sie teils ablehnt, teils aber auch zu vernünftigen Anderungen der bisherigen Methode verwendet. Fanden wir doch auch in der Vorrede zum König Belsazar ein eingehendes Urteil über einen jener Re- formvorschlage, das Hirtzwig gewiss nicht ohne das Einverständnis Mentzers aussprach. Die beiden am Schlusse des Sendschreibens genannten Männer dürfen wir uns wohl als Genossen jener pädagogischen Besprechungen denken. Denn Johannes Gisenius war von 1605 bis 1615 Rektor des Gymnasiums in Lemgo gewesen und kurz zuvor erst als Professor der Theologie nach Giessen berufen, also wohlberechtigt, in diesen Fragen mit zu reden. ³) Der„höchstwillkommene Schwiegersohn“ ist der Theologe Justus Feuerborn,“) ein rüstiger Mitstreiter Mentzers in seinen theologischen Kämpfen.
So haben wir in Giessen einen Mittelpunkt der pädagogischen Zeitbestrebungen an- zunehmen. Wir begreifen es, warum die evangelischen Prediger Frankfurts dem unseligen Cravelius den Verdruss bereiten, dass er noch auf seinen alten Tag die dortige Muster- anstalt kopieren soll, und weshalb sie durch die Professoren jener Hochschule sich den Nachfolger empfehlen lassen. Dem Kreise seiner Giessener Freunde und Gönner giebt Hirtzwig in unserem Sendschreiben Mitteilung von den Zuständen, die er hier gefunden hat, von den Anderungen, die er vornimmt, und von den Erfolgen, die er nach einmonat- licher Thätigkeit bereits glaubt erzielt zu haben.
¹) Vogt I, 12 und 10.
²) Vogt I, S. 28 und 41.
²) Uber ihn siehe Strieder, Hess. Gelehrtengesch. IV, S. 388 ff. Er war geboren 1577 in Diessen im Stift Osnabrück, hatte das Gymnasium in Lemgo als Kurrentschüler besucht und in Wittenberg studiert. Später in dem Streit zwischen Mentzer und Winkelmann(S. v. S. 6) trat er auf die Seite des letzteren, verliess 1619 Giessen, ging nach Strassburg und 1621 nach Rinteln und starb, nachdem er im Kriege viele Leiden erduldet hatte, im Jahre 1658 in der Nähe von Lemgo..
⁴) Er sollte im Jahre 1616 als Prediger nach Frankfurt berufen werden, lehnte aber ab(Kirchenakten B. VI). 1618 wurde er Professor der Theologie in Giessen.


