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nischen Vokabularien lehrte man buchstabiren, lesen und schreiben. Melanchthon selbst hatte diese Sprache zur eigentlichen Sprache alles höheren Unterrichts erklärt. In seinem Plane für die dreiklassige Lateinschule spricht er als ersten Satz aus, dass die Lehrer sich befleissigen sollen, Lateinisch zu lehren und nicht deutsch.¹) In allen damaligen Schulord- nungen, auch der Frankfurter von 1607 und 1626, wird den Schülern von Tertia ab ver- boten, anders als lateinisch zu reden.²) Die Altdorfer von 1575 will sogar, dass die Knaben bei ihren Spielen lateinisch sprechen.³) Diese Alleinherrschaft des Lateinischen im Unter- richt wie in der Wissenschaft will Ratichius brechen. Man könne sehr wohl, meint er, eine vollkommene Schule in hochdeutscher Sprache einrichten,„wodurch die deutsche Sprache und Nation merklich zu bessern und zu erheben stehet.“ Alle Künste und Wissen- schaften liessen sich deutsch betreiben, denn sie seien an keine Sprache gebunden. Ein Philosophus könne wohl auch in hochdeutscher Sprache seine Philosophie lehren und ver- teidigen und ein Rechtsgelehrter in deutscher Sprache erkennen, was Recht ist. Des- gleichen könne auch ein Medicus den Leib wohl auf gut deutsch kuriren und versorgen. ¹) Das waren damals ganz neue und umstürzlerische Gedanken, und es hat lange genug ge- dauert, bis sie durchdrangen.
Im Sprachunterricht verlangte er, dass man die Schüler erst mit der fremden Sprache gründlich vertraut mache, che man aus dem Deutschen in jene übersetzen lasse. Er will also zunächst nur Ubersetzen aus der fremden Sprache, die frühzeitigen Exercitien sollen abgestellt werden. Diesen allein richtigen und natürlichen Weg fängt man ja erst in aller- neuester Zeit an zu begehen. Ferner soll das viele Auswendiglernen unverstandener Worte und Regeln aufhören; erst soll die Sache und die sprachliche Erscheinung erkannt sein, ehe man Regeln darüber einprägt.
In der Behandlung der Schüler soll alles ohne Zwang und Widerwillen vor sich gehen; Kein Schüler soll des Lernens halber, sondern nur wegen Bosheit und Mutwillens geschlagen und gestraft werden.
Die Bedeutung dieser Gedanken erkannte man auch damals in weiten Kreisen des deutschen Volkes. Das Gefühl der Unzulänglichkeit der herrschenden Unterrichtsmethode war allgemein verbreitet. Xhnliche Klagen, wie die der hiesigen Prediger, die wir oben kennen gelernt haben, wurden vielfach laut. Obwohl man eigentlich nur einen Gegenstand, die lateinische Sprache lehrte, waren doch die Erfolge kläglich. Mit jahrelanger, mühseliger Arbeit wurde kaum erreicht, dass die Schüler etwas Latein redeten oder, wie ein Zeit- genosse sagt, stotterten. Bemerkt man ja doch auch an den Gelehrten und Hochgebildeten der Nation solchen Mangel. Die deutsche Sprache misshandelten sie, und ihr Latein ist schwülstig und schwerfällig. Der Humanismus, der im vorhergehenden Jahrhundert so schöne Blüten getrieben, war in argem Verfall. Nach der Kraftanstrengung der Reformationsbewegung
¹) Hartfelder, Philipp Melanchthon. Monumenta Germaniae Paedag. VII. 419.
²) Gleichlautend in beiden Ordnungen heisst es:„Diejenigen, So anders, dann latine, oder etwas ungebühr- lichs oder Gotteslästerlichs reden, sollen je nach Gelegenheit der Ubertretung(jedoch mit guter Bescheidenheit) gezüchtigt werden.“
a) Vormbaum, Ev. Schulordn. I, S. 628.
4) Vogt I, S. 10.


