Aufsatz 
M. Henrici Hirtzwigii Rectoris de Gymnasii Moena-Francofurtani ratione et statu ad Balthasarem Mentzerum epistola : mit Einleitung und Übersetzung / von Karl Reinhardt
Entstehung
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9 Betrügereien; Schmarotzer und bramarbasierende Soldaten. Im Jesulus finden sich zarte und innige Züge.¹) Das Stück ist als Comoedia bezeichnet und behandelt die Weihnachts- geschichte. Lutherus, ein Festspiel zum hundertjährigen Jubiläum der Reformation, giebt eine dramatisierte Darstellung derselben mit ausführlichen theologischen Disputationen zwischen Luther und Cajetan, Miltiz und Eck; auch die Marburger Unterredung mit Zwingli fehlt nicht. Der päpstliche Hof zu Rom wird in dem Sinne vorgeführt, dass ein gut protestantisches Herz davor schaudern soll. Die Darstellung geht bis zu Luthers Tod und dem Schmalkaldischen Krieg. In der letzten Scene wollen spanische Soldaten in Witten- berg Luthers Leiche aus dem Grabe holen, um sie zu verbrennen. Da tritt Kaiser Karl V. dazwischen und verhindert die Leichenschändung:

Ne quis sepulcrum Lutheri violet, neque

Injuriam faciet ullam. Mortuis quies

Suis sua esto.

Die spanischen Soldaten beschliessen das Stück mit den Worten, in denen sie gegen ihren Willen Luther verherrlichen: Lutherus triumphat vivus, triumphat mortuus.

Wie lange Hirtzwig in Giessen blieb und wohin er sich zunächst wandte, ist ungewiss. Im Jahre 1609 müssen wir ihn in Strassburg als Lehrer vermuten, denn hier erschien die erste Auflage seines König Belsazar und zugleich eine deutsche Uebersetzung der Tragödie von Wolfhart Spangenberg.²) Sie wurde im akademischen Theater aufgeführt. Von dort mag er nach Speyer gekommen sein, wo wir ihn im Anfang des Jahres 1615 finden. In der Vorrede zur zweiten Auflage des Balsazar, datiert vom 12. Januar 1615, dankt er einem Herrn Jan-Christoph von Gottfart dafür, dass er ihm seine Ehe, für die er Gott nicht genug danken könne, vermittelt und ihm bei Einrichtung seines Hausstandes freund- liche Dienste geleistet habe. Es war die Tochter des Reichskammer-Gerichts-Prokurators und Doktors beider Rechte Eberhard Esper, mit der er sich kurz vorher in Worms ver- heirathet hatte.

Diese Vorrede ist noch in anderer Hinsicht wichtig. Hirtzwig nimmt in derselben zum ersten Male Stellung gegenüber den Plänen des grossen pädagogischen Neuerers jener Zeit, Wolfgang Ratichius. Dieser merkwürdige Mann hatte bei der Krönung des Kaisers Matthias in Frankfurt am 7. Mai 1612 den versammelten Reichsständen ein Memorial überreicht, worin er eine vollständige Umkehr der bisherigen Unterrichtsmethode vorschlägt. Neben anderen Sätzen, auf die wir im weiteren Verlauf der Darstellung eingehender zurück- kommen, spricht er in dieser Eingabe die Ansicht aus, dass die Knaben als die erste fremde Sprache die hebräische treiben müssten, weil diese eine Mutter aller Sprachen sei. Darnach sei die griechische Sprache aus dem neuen Testament wohl zu lernen,damit die liebe Jugend Gottes Wort und Willen allein aus Gottes Wort von früh auf lernen, verstehen und befolgen möge. Zuletzt erst komme die lateinische Sprache. Gegen diese Vorschläge, die damals allenthalben ernsthaft erörtert wurden, wendet sich Hirtzwig mit sehr verstän-

²) Für Jesulus bin ich auf das Urteil Scherers a. a. O. angewiesen, da ich des seltenen Buches nicht habe habhaft werden können. Balsazar und Lutherus sind im Besitze der hiesigen Stadtbibliothek. ²) Vömel a. a. O0. S. 15.

Gymnasium 1891.