In Ubersetzung:
Einstens Marburgs glänzende Zier, gepriesener Lehrer, Den als meinen Mäcen immer verehren ich muss, Nimm gesendet von mir die Schrift, das Eigentum Mentzers, Mentzers, dessen Ruf Giessen zu Blüte gebracht. Môge gleich dagegen sich sträubend die Hölle auch knirschen Und mit dräuendem Zahn spritzen den Geifer hervor: Niemals werden uns doch so klägliche Blitze erschrecken, Denn es treibet die Brust göttlich belebender Hauch. Mentzer gehôret die Arbeit, doch du, erlauchtester Lehrer, Nimm aus meiner Hand, nimm du in Güte sie auf, Und umfasse du mich mit deiner günstigen Neigung, Fördere mein Bemühn freundlich geschickt, wie bisher. Dankbar werd' ich dir sein, wo immer die Kraft sich mir bietet, Dankbar bin ich gewiss dir noch in reicherem Mass, Wenn Jehova mich segnen will mit höherem Lose Und dass ich mir selbst eigen sei, gnädig gewährt. Dir indessen mit deinen Kindern und deiner Gemahlin Sei bescheeret die Frucht dauernd gedeihlichen Glücks, Mehr bedarf es ja nicht; nur dies noch sag' ich, es sei dir Langes Leben geschenkt, Darmstadts erhabener Ruhm.
Unter der knirschenden, geifernden Hölle ist natürlich Marburg mit seinen refor- mierten Professoren zu verstehen.
Neben den theologischen Studien betrieb Hirtzwig in Giessen auch, wie diese Probe beweist, das der lateinischen Dichtkunst. Am Schlusse der genannten Disputation begrüsst ihn der Professor Poeticus et Historicus der neuen Universität, Konrad Bachmann, mit einem Gedicht und einer Widmung, in der er ihn Magister und Studiosus der Theologie und zugleich seinen Freund nennt. Auch diesen Mann der Dichtkunst hat der theologische Furor erfasst. Er belobt Hirtzwig wegen seines Kampfes gegen Calvins Lehre, die nicht nur an einem Dogma leide, sondern von unzähligen höllengeborenen UÜbeln strotze und jetzt seine treuen Hessen zu verlocken suche; mit frostigem Witz nennt er ihn einen catus Cattus, einen schlauen Hessen, der sich nicht habe übertölpeln lassen.
Mit theologischer Schriftstellerei scheint Hlirtzwig später sich nicht mehr befasst zu haben. Durch Bachmann aber erhielt er die Anregung zu seinen lateinischen Dichtungen, über die wir hier einige Bemerkungen zusammenfassen.¹) Es sind Dramen im Stile des Terenz, zum Teil auch des Plautus, zur Aufführung durch Schüler bestimmt. Die Vers- bildung ist nicht ungeschickt, wenn auch häufig fehlerhaft, die Sprache schwülstig und ge- künstelt, voll von gesuchten Wortspielen, die nur zu sehr an das oben angeführte Bach- manns erinnern. Trotz alledem verrät der Verfasser einige poetische Anlage. Manche Scenen im König Belsazar sind kräftig genug ausgeführt: Saufgelage, Prügeleien und
¹) Belsasar rex, Strassburg 1609 und Speyer 1615. Jesulus 1613(7) und Marburg 1629. Lutherus, Frank- furt a. M. 1617. S. Scherer Allg. Biographie a. a. O.


