Aufsatz 
Statistische Rückschau auf 100 Semester Realschule in der Hedwigstrasse zu Kassel
Entstehung
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faſſungskampf in Kurheſſen zu einjähriger Feſtungsſtrafe und erkannte ihm das Recht ab, die kurheſſiſche Nationalkokarde hinfürder zu tragen, und hiermit war der Verluſt der Realſchuldirector⸗ ſtelle verküpft. Auf der alten Feſtung Spangenberg ertrug er ſein Geſchick. Kaum zu den Seinen zurückgekehrt, wurde eine neue Anklage gegen ihn vorbereitet wegen angeblicher Majeſtätsbeleidigung. (oder Hochverrath?). Da riethen ihm ſeine Freunde, Haſſenpflug⸗Vilmar'ſchen Quälereien aus dem Wege zu gehen. Er fand eine gaſtliche Freiſtatt in der Schweiz, zunächſt in Zürich, dann in Genf, wo er eine Zeit lang in der Anſtalt von Rüdiger, der mit ſeinem ganzen Penſionate aus Hanau ausgewandert war, als Lehrer und Erzieher wirkte. Da trat im Frühjahr 1855 der Ruf an ihn heran, in Bremen die neue Bürgerſchule ljetzige Realſchule) zu organiſiren. Freudig leiſtete er Folge und eröffnete die neue Anſtalt am 1. Oktober 1855 mit 7 Klaſſen. 2 Jahre nachher ſchuf er auch eine mehrklaſſige Vorbereitungsſchule und rief 1859 eine Töchterbürgerſchule ins Leben(ſ. unten Janſon). In ungebrochener geiſtiger Kraft wirkte er, bis am Morgen des 22. Juli 1868 ein heftiger Cholerineanfall ſeinem thätigen Leben ein Ziel ſetzte. Sein Nachfolger wurde 2. XII. 68. ein Kaſſeler, ein früherer Schüler und einſtiger Lehrer unſerer Realſchule, ein Schüler Gräfes, unter deſſen Leitung er auch in das Lehramt eingetreten, Prof. Dr. Franz Buchenau(ſ. oben).

Über Gräfe's Leben und Wirkſamkeit vergl.An das Elternhaus. Mittheilungen aus der Realſchule und der Bürgertöchterſchule, VIII. Jahrg. Bremen 1869, S. 33 40. Uber G.'s Stellung und Bedeutung in der deutſchen Pädagogik, vergl. Geſchichte der Päd. v. Dr. K. Schmidt, 4. Bd. pag. 218 ff. Von den Söhnen Gräfe's iſt 1868 eine Schrift herausgegeben worden, betiteltZur Erinnerung an Profeſſor Dr. H. Gräfe. Ein Gedenkblatt für ſeine Freunde. Danzig, Weber. Im Buchh. vergriffen. Auch findet ſich ein Lebensabriß, von Lothholz geſchrieben, in der allg. deutſchen Biographie Bd. IX, S. 556. Leipzig 1879.

Gräfe's Schriften: 1. Pädagogik: Jahrbüchlein der päd. Liter. Mitth. über Pädagogik und Schul⸗ weſen. Leipzig 1830. Schulrecht. Quedlinburg 1829. Uber Schulreform. Leipzig 1834. J. Th. Scherr und die zürcheriſche Schulreform. Darmſtadt 1840. Schule u. Unterricht. Berlin 1839. Allg. Pädagogik. 2 Bde. Lpz. 1845. Die deutſche Volksſchule, 3 Thle. Lpz. 1847. Erziehungsreſultate. Hannover(Dresden) 1847. Zeitſchriften: Archiv für das prakt. Volksſchulweſen. 18 Bde. Jena(bezw. Eisleben) 182836. Die deutſche Schule. Lpz. 183233. Neue allg. Schulzeitung. Lpz. 183435. Kaſſelſches Schulblatt. Zur Verſtändigung zwiſchen Elternhaus und Schule. In Verbindung mit Hölting, Janſon und Römer herausgeg. von Gräfe u. Clemen. 3 Jahrg. 1845 47. An das Elternhaus. Bremen 186168. 2. Mathematik: Geom. Anſchauungslehre. Berlin 1839 51(3 Auflagen). Sammlung von Aufgaben aus der Buchſtabenrechnung. Jena 1843 51(2 Aufl.). Materialien f. d. Schreib⸗ u. Rechenunterricht. Weimar 1827. Katechismus der Rechen⸗ kunſt. Lpz. 1825. Kleines Rechenbuch für Schulen. Jena 1827. Aufgaben für's Rechnen(3 Aufl.). Jena 183943. Anweiſung zum Rechenunterricht. 2 Thle. Neuſtadt a. O. Prakt. Anleitung zum Rechenunterr. Jena 1839 42. Allgemeine Sammlung von Aufgaben ꝛc.(2 Aufl.). Lpz. 1852 65. 3. Naturgeſchichte: Naturgeſchichte der drei Reiche. 2 Bde.(2 Aufl.) Berlin 183438. 4. Sprachunterricht: Deutſches Leſe⸗ buch. 2 Thle. Kaſſel 1843.(Eine 2. Aufl. 1852 mit Clemen zuſ.) A new English Reader etc. Bremen 1858 (2 Aufl.) Vorſchule und erſtes gramm. Leſebuch der engl. Sprache(2 Aufl.) Bremen 1857 u. 61. Daſſelbe für franz. Sprache. 3 Aufl. Bremen 1859 66. 5. Jugendſchriften: Herzensbildungen in Erzähl. f. d. Jugend. Weimar 1826. Atalanta. 3 Bde. Berlin 1837. Länder⸗ und Völkerkunde. Lpz. 1836. Reiſe⸗ bilder. Berlin 1840. 6. Varia: über die Dogmatik der evangel. Kirche. Quedlinburg 1830. Nachrichten von wohlthät. Frauenvereinen. Kaſſel 1844. Der Verfaſſungskampf in Kurheſſen. Lpz. 1851. Die Verfaſſungs⸗ urkunde des Kurfürſtentums Heſſen. Kaſſel 1848. Kurheſſiſches Landtagsblatt. Kaſſel Juli 1849 1850.

32. Grahn, O einrich, geb. zu Kaſſel. War an der Realſchule Schreib⸗ und Zeichenlehrer, auch Zeichen⸗ lehrer beim hieſigen Cadettencorps. Er ging am 1. VI. 61 zur Bürgerſchule über und iſt 1873 geſtorben.

33. Dr. Grebe, Ernſt Wilhelm, war geboren am 30. Auguſt 1804 zu Michelbach, unweit Marburg, wo ſein Vater Pfarrer war. Nachdem er von O 1818 an das herzogliche G zu Weilburg beſucht