51 seines Stoffes, welchen er der Sage entlehnte, ganz umgebildet und ist einem Plane gefolgt, der in nicht sehr entfernter Weise mit der Odyssee in Parallele steht. Der zum Tode bereiten Kriemhild hat Hildebrant geschworen, ihre Tochter Schwanhild zu retten. Er sucht und findet sie bei dem Könige Jörmunrek in Drontheim, welcher Willens ist, Schwanhild zu seiner Gemalin zu erheben. ¹) Durch seine imponirende Art des Auftretens und durch die Dienste, welche er dem Könige leistet, weiss Hildebrant denselben zu bestimmen, dass er ihm gestattet, Schwanhild in ihre Heimath zurückzuführen. Zuvor berichtet er aus eigener Anschauung über das Ende der Burgunden, über Ortliebs Tod von Hagens Hand, über Etzels Tod durch einen Schlagfluss und Kriemhilds Selbstverbrennung zugleich mit Ortliebs Leiche. Auch hier sind die Züge der Sage völlig umgedichtet.
Nach»zwanzigjähriger« Abwesenheit kehrt Hildebrant zurück zu seiner Gemalin Ute, einer Stauffentochter, welche unterdessen von lästigen Freiern bedrängt, sein Hauswesen sorglich geführt hatte; ihr Schwiegervater Heribrant und ihr Sohn Hadubrant hatten sie dabei kräftig unterstützt. Schwanhild war vorausgeschickt worden, und als stumme Magd hatte sie Utes Neigung sich erworben. Von ihrem Gelübde, stumm zu erscheinen, wurde sie bei Hildebrants Ankunft gelöst und Hadubrant zur Gemalin gegeben.
Auch dieser Theil ist reich an schönen Einzelheiten, namentlich sind in echt-epischer Weise der Falke Feynald und die weisse Stute Malka eingeführt. Eine Frage bleibt aber, ob es berechtigt sei; dass die Wülfinge bald darauf auch die Mark Zollern erwerben, und Hilde- brants Vision sein Geschlecht in ferner Zukunft nach Norden ziehen sieht, um dort ein Reich zu gründen, und dass sein später Enkel nach Niederwerfung des westlichen Feindes»mit leuchtender Krone auf weissen Locken« zurückkehrt, um der Zwietracht der Deutschen ein Ende zu machen und zu stolzer Stärke die sämmtlichen Stämme der Deutschen unter seinem Scepter zu vereinigen.
Leider müssen wir uns auf diese kurze Ausführung beschränken. Wir schliessen dieselbe mit dem Bedauern, dass sowohl Umfang wie Aulage des Epos es Jedem, der nicht mit dem ganzen Sagengebiet bekannt ist, schwer machen den Faden festzuhalten.
Dürften wir einem persönlichen Wunsche nachgeben, und würde der Raum es gestatten, so würden wir auch R. Wagner's Bühnenfestspiel»der Ring des Nibelungen« einer eingehenden Besprechung unterziehen. Sicherlich würde es diese Beachtung verdienen sowohl wegen seiner Vorzüge, wie wegen seiner Irrungen. Es würde sich auch an Jordans Epos wohl anknüpfen lassen, da es mit diesem, trotz seiner Grundverschiedenheit, eine auffallende Zahl äusserlicher Aehnlichkeiten besitzt. Es schöpft wie dieses vorwiegend aus der Edda und der Völsungasage; in seiner Sprache ist die Allitteration ebenfalls durchgeführt; der Andwaranaut mit dem ihm anhaftenden Fluche ist, wie schon der Titel sagt, der Träger der Grundidee der Dichtung. Dagegen enthält es nur ganz verschwindende Züge aus der deutschen Ueberlieferung; auch die nordische Sage geht in der freien Dichtung allmälig ganz verloren, so dass in den beiden letzten Theilen nur noch wenige Spuren die Quelle verrathen. Die Gewaltthätigkeit, mit welcher Wagner die Sage behandelt, erreicht ihre Höhe im IV. Theile. Derselbe ist, wie es scheint, in der Dichtung der älteste, denn er findet sich, freilich ohne Jahresangabe, schon in Wagner's
¹) Scalda 39— 42 lässt Jörmunrek sie von Pferdehufen zertreten.


