28 verwundbaren Stelle besiegt und zur Wallfahrt des heiligen Grabes bezeichnet«(146 ff).— Ebenso büsst die fromme Chriemhild ostreng ihren Uebermuth«, und den Stolz, den sie Brunhild gegenüber bewiesen hatte. Auch das ist ihre Strafe, dass sie sich mit dem heidnischen Etzel vermählen muss. Seitdem gebiert das Böse in ihr sich nur aus sich selber. Das Werknzeug ist ein neues Unheil, der Rachegeist Siegfrieds, der sie nun ganz erfüllt und rastlos bis ans Ende treibt:»eigentlich aber der Fal-And oder böse Geist(Gegentheil von Heil-And), wie der Dichter hier und sonst den Teufel nennt⸗(pg. 149 ffl).— Bei Hagen ist»ein heimlicher Neid auf Siegfried nicht so deutlich, als ein Gelüst nach seinem Hort«; aber nach dem Zanke der Königinnen»wird er der Arm Brunhilds, eisern und unerbittlich.« Er sieht zwar das Kommende nahen»und warnt fortan immer vergeblich(wie Kassandra!), weil er zuerst die innere Warnung überhört hat«. Darum»ist gewiss eine der tiefsten und erhabensten Stellen, die je in Dichtung und Geschichte erschienen sind, und ganz Eigenthum des christlichen deutschen Dichters« die Rettung des Priesters aus der Donau.»Aber es ist hier nicht blos ein tückisches selber blindes Schicksal... sondern die Gotteshand der Vorsehung streckt sich ganz sichtbar aus den Wolken.. Hagen erkennt wohl dieses Himmelszeichen als Bestätigung seiner eigenen inneren und ernsten Warnung«. Damit treten sie zugleich in den Bann des Folgenden; alle weiteren Warnungen können nicht mehr helfen: der Nibelungen Noth ist unabwendlich. Aber»der Schuldige bekennt laut vor Chriemhilden seine Schuld und stellet sich in Gottes Obhut. Nie hat ein Held durch Bekenntniss und Frömmigkeit, wie in der alten Sprache noch die Tapferkeit heisst, durch Ausdauer mit Rath und That bis ans Ende, seine grosse Schuld so gross gebüsst, wie er«.(pg. 153 ff). Ebenso charakterisiren sich auch die übrigen Helden; Dietrich— in der That der Dietrich und Hauptschlüssel aller Helden()— ist der höchste, der wahrhaft Christlich-Deutsche, und daher auch derjenige, der hier allein unversehrt durchdringt und übrig bleibt«(167; cfr. pg. 172). Diese wenigen ausgehobenen Stellen mögen zur Genüge beweisen, auf welchen grundverkehrten Weg v. d. Hagen gerathen war. Doch möchte das als Einzel- auffassung bedeutungslos gewesen sein, wenn wir nicht in der nächsten Zeit und bis auf weit binaus gerade diese Tendenz und Charakterzeichnung in fast allen dramatischen Behandlungen der Nibelungen durchleuchten sähen. Mag sein, dass Manches davon in dem Geiste der Zeit vorgebildet lag, aber auch eine directe Einwirkung dieser Schrift v. d. Hagen's ist deutlich erkennbar. Hätte man es nur verstanden, aus dieser Schrift auch das herauszuschöpfen, was v. d. Hagen in richtigem Verständnisse des Ganzen zwar meist nur kurz andeutet, aber doch klar erkennen lässt. Bei aller Verwandtschaft mit der nordischen Götterlehre erkennt er doch die Eigenartigkeit des Nibelungenmythus an: Siegfried ist ihm nahe verwandt mit Baldur; die Sonnenwende als Zeit der Katastrophe ist ihm bedeutsam. Auch das Tragische des Mythus lässt er nicht unerwähnt, der wie alle Mythologie im helleren oder dunkleren Gefühle der inneren Unzulänglichkeit und Weissagung des eignen Untergangs im tiefsten Grunde tragisch sein muss. Wie der Mythus so hat aber auch die Geschichte ihren Antheil an den Nibelungen, daher man bei der Erforschung des Gesammtinhalts ihrer nicht entrathen kann. Als Ferment jedoch werden Mythus und Geschichte vom Geiste der Poesie durchdrungen, die das menschlich Wahre zum Leben bringen will und lebendige Gestalten auf dem Grunde einer lebensvollen Zeit abzeichnet.
Mit diesen Mitteln begann die dramatische Arbeit. Gleich die ersten Jahre brachten
Hermann: Die Nibelungen in drei Theilen(Leipzig 1819); bald darauf erschienen Joh. W. Müller's: Chriemhildens Rache(Heidelberg 1822) und C. F. Eichhorn's: Chriemhildens Rache(Göttingen 1824). Wieder nach zwei Jahren beschränkt sich Joh. Aug. Chr. Zarnack auf Siegfried's Tod


