Aufsatz 
Die Nibelungen in der deutschen Poesie
Entstehung
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prosaischen Zwischensätzen durchzogen. Ein bedeutenderes Werk voll Kraft ist dagegen sein: Sigurd, der Schlangentödter, ein Heldenspiel in sechs Abentheuren(Berlin 1808). Zwar berührt das Werk nur die Peripherie der Nibelungen, ebenso wie die Dramatisirungen des Attila von Joh. N. von Kalchberg(Graz 1806) und Zach. Werner(Berlin 1808); aber sie sind doch in sofern in diesen Kreis mit einzurechnen, als sie wenigstens in Bezug auf Geschmack und Auf- fassung als Vorläufer der späteren Bearbeitungen anzusehen sind.

Unterdessen waren»Die Nibelungen: ihre Bedeutung für die Gegenwart Tund für immer« von v. d. Hagen erschienen(1819). ¹) Wir dürfen ihm glauben, wenn er bekennt(pg. 196):»Ich habe den besten Theil meines Lebens an dies Werk gesetzt, und habe es gern und freudig gethan, und thue es noch, weil ich muss, und darin einen früh gesuchten Mittelpunkt all meines Thuns und Tagewerkes, eine unendliche Aufgabe und meinen liebsten Beruf gefunden zu haben glaube. In der schmachvollsten Zeit des Vaterlandes war es mir, mit vielen Freunden, ein grosser Trost, eine wahre Herzensstärkung und eine hohe Verheissung deutscher Weltherrlichkeit, die uns nicht getäuscht hat«. Wir wollen nicht mit ihm rechten über seine Etymologieen, welche nicht selten die Grenzen zwischen Verstand und Phantasie ver- wirren, auch nicht über seine mythologischen und sagengeschichtlichen Parallelen, die das Entfernteste mit einander zu verknüpfen wissen. Durch das Ganze geht eine Wärme der Ver- theidigung, welche unwillkürlich ergreift, auch wo man den Kopf schütteln muss. Er wendet sich auch gegen»das hyperkritische Wittern, welches mit zweischneidigem Messer jetzo in der Lit- teratur, besonders in der klassischen, gespenstisch umhergeht«, welches»die alte Vorstellung von der rhapsodischen Entstehung Homers... auch für die Nibelungen zu versuchen« unternimmt (184 ff). Das Lied ist»von Einem grossen und edlen, auf der ganzen Höhe seiner herrlichen Zeit stehenden Dichter verfasst und niedergeschrieben« ²), und dieser ist ihm Heinrich v. Ofter- dingen. Dieser»christliche, ritterliche und Volksdichter, sein eigner Volker(!) verwandelt alles in das Menschliche, Herzliche, Wahre, Wahrscheinliche und Geschichtliche seiner Zeit: und bewundernswürdig ist die Einfalt und die Kunst, mit welcher er von dem Wunderbaren des uralten überlieferten Mythus gerade nur soviel behält, als unumgänglich nothwendig ist(pg. 177). Zu welchen Consequenzen führt diese Teudenz:»das Ganze ist ein grosses Strafgericht Gottes, das Schuldige an Schuldigen, ja diese an sich selber vollziehen«(?! 171);»das Christenthum ist nicht bloss aufgetragen oder vorausgesetzt, sondern in allen Beziehungen des Lebens wirksam dargestellt etc.«(146);»wie der herrlichste Hauptheld gerade noch am meisten heidnisch erscheint, offenbarte sich dagegen der christliche Geist an dem Schuldigsten, der Alles mit sich hinunter- reisst, am deutlichsten, wie mit Fingern, als böses Gewissen und Strafe, aber auch als Bekenntniss und Sühne«(153).»Endlich ist der hohe religiöse Sinn, die Sühne und Strafe jeder Schuld und Sünde, das furchtbare Gottesgericht, das uns zur stillen Anbetung niederwirft und erhebt, der entschiedene Vorzug des Christlichen Heldengedichts«. In diesem Lichte strahlen ihm die Nibelungen, in demselben Lichte glänzen ihm auch die einzelnen Gestalten.»Das schöne Siegelinden Kind wird daheim von liebenden Eltern sorgsam erzogen und festlich zum christ- lichen Ritter geweihet«; sein kühnes Ueberschweifen in jene ungeheure Wunder-Welt, den übermüthigen Mord der Söhne des alten Königs Nibelung... den Gebrauch seiner Zauber zur heim- lichen Besiegung der Brunhild ete. büsst er.... und wird durch das Kreuz an der allein

¹) Die Schrift ist veranlasst durch Angriffe, welche von K. E. Schubarth in einer Parallele zwischen den Nibelungen und der Ilias auf die ersteren erhoben worden waren(cf. pag. 8). Das Polemische tritt aber

sehr zurück und wird niemals aggressiv. ²) cf. pag. 180 u. 191; Einleitung zur 3. Ausgabe des Nibelungenlieds pag. 26 ff.