Aufsatz 
Die Nibelungen in der deutschen Poesie
Entstehung
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26 zwei Gesängen ungereimter Jamben mit; in einem Zusatze empfahl Professor Fischer die Octave. In den nächstfolgenden Jahren liess Hinsberg einzelne Stücke seiner Uebersetzung im»Neuen Teutschen Merkur«(1807 und 1809) und im Wiener Taschenbuch»Appollonion«(1809) abdrucken; er hatte die achtzeilige Wieland'sche Stanze gewühlt. ¹)

Auch eine prosaische Bearbeitung hatte die Zeit schon gebracht:»Die zwölf Ritter von Bern oder das Mährchen vom Horte der Nibelungen(in Madame Naubert's»Neuen Volksmährchen der Deutschen«, Leipzig 1792). Sogar war schon der Versuch gemacht worden, die scheinbaren Lücken aus dem Heldenbuche und anderen Dichtungen zu ergänzen. Dieser erste Versuch einer Ergänzung und Ausführung theils aus dem Vorrathe des vorhandenen Sagenstoffes, theils aus der eigenen freischaffenden Phantasie ist auf fruchtbaren Boden gefallen; denn fortan sehen wir die weiteren Bearbeitungen fast ausnahmslos, mit mehr oder weniger Willkür und mit mehr oder weniger Glück, bemüht, mit diesen Mitteln ihre Eigenartigkeit auszubilden. Die Nothwendigkeit verschwand zwar, je mehr durch das Auffinden anderer Handschriften es sicher wurde, dass die Lücken des Müller'schen Textes nur scheinbare seien, also das Gedicht vollständig erhalten sei. Man achtete auch nicht auf die Warnung A. W. Schlegel's, dass nunmehr alles Eingeschobene über- flüssig und störend sein würde. Derselbe kannte Tieck's lange gehegten Plan, eine neuhoch- deutsche Bearbeitung an passenden Stellen mit anderen Sagen zu durchflechten und zu ergänzen, und lobte denselben, dass er diesen Plan seitdem aufgegeben habe. ²)

Eine Wendung jedoch tritt in dieser Zeit ein, insofern man es unterliess, unter den vorhandenen Formen der modernen Poesie eine passende auszuwählen und einer Neubearbeitung unterzulegen. An die alte Nibelungenstrophe dachte man erst recht nicht, da man deren Wesen noch nicht verstand. Ausser von Rückert, Schwab, Ebert und Platen wurde dieselbe auch damals wohl kaum angewandt. Wie wenig der Letztere z. B. dieselbe verstand, beweist seine kurze Abhandlung»Ueber verschiedene Gegenstände der Dichtung und Sprache(1829)«. Auch auf diesem Gebiete musste die germanische Sprachwissenschaft den Weg ebenen, und ein Licht in dieses Gebiet fällt erst seit Lachmann's Abhandlungen:»Ueber althochdeutsche Betonung und Verskunst«(Berliner Akademie 1831 und 1832). ³)

Zugleich verstummen seit dieser Zeit auch die Versuche, die Nibelungen als Epos wieder aufleben zu lassen. Wenn wir von G. Pfarrius':»Chriemhildens Rache, ein erzühlendes Gedicht- und W. Jordan's Nibelungen(I. Theil: Sigfridsage[1869] und II. Theil: Hildebrant's Heimkehr [1874]) absehen, so ist wohl ein weiterer Versuch einer epischen Erneuerung nicht wieder gemacht worden. Statt deren bemühte man sich um mehr oder minder wortgetreue Uebersetzungen.

Dagegen bemächtigte sich von da ab die dramatische Dichtung des Nibelungenstoffs. Die ersten Schritte auf dieser Bahn waren schon geschehen. Wenn wir Haus Sachsens erwähnte Tragödie nicht mitrechnen, so sehen wir in de la Motte-Fouqué's Arbeiten die ersten Versuche. In Fr. Schlegel's»Europa«(Bd. II, 1803, 2. Stück pg. 82 87) nimmt er den ersten schüchternen Anlauf:»Der gehörnte Siegfried in der Schmiede«. Die fünffüssigen Jamben sind noch von

¹) Das Ganze erschien 1813. cf. Goedeke a. a. 0. III, 129. v. d. H. u. B., Grundriss etc., pag. 92 94.

¹) cfr. A. W. Schlegel, Deutsches Museum 1812. Raumer a. a. 0. 324. Koberstein a. a. O. pag. 2150. Anmerkung. Nach Tieck's Tode 1853 veröffentlichte v. d. Hagen einen Theil der Bearbeitung im»Neuen Jahrbuch der Berlinischen Gesellschaft etc.« Bd. X, pag. 1 14. Schlegel's Urtheil ist dadurch bestätigt.

²) Hierzu vergleiche man dessen Anmerkungen zu den Nibelungen, zu Walther v. d. V.; die 2. Ausgabe des Iwein. Haupt: Conrad v. W.s Engelhard. Leipzig 1844. Rieger's Gudrun(1853). 0. Schade: Weimarer Jahrbuch(1854). Zarncke: Einleitung zu den Nibelungen. Simrock(im Anschluss an Jac. Grimm): Die Nibelungen- strophe und ihr Ursprung(Bonn 1858) u. s. w.