Aufsatz 
Die Nibelungen in der deutschen Poesie
Entstehung
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Frieden, es ist auch dem menschlichen Körper das angemessenste; und innerlich gebraucht wirkt es heilsam, die erschlafften Glieder wieder neu zu stählen.« Er spricht darauf von der»meister- haften Ausführung« des Gedichts;»die Erzählung vereinigt leichte Klarheit mit nachdrücklicher Gediegenheit, anmuthige Fülle mit fortreissender Raschheit. Nach Massgabe des grossen Ab- standes der Zeiten, Völker und Sprachen, hat vielleicht die Poesie keines Volkes etwas auf- zuweisen, das der Gestaltung des homerischen Epos ähnlicher wäre.« In diesem Sinne behandelt wird das Gedicht für die Geschichte des Mittelalters,»die man bis dahin in eigentlich darstellenden Werken nur nothdürftig abgefasst hat«,»einen dichterischen Hintergrund geben«; und dann ist die Geschichte jener Jahrhunderte ganz dazu gemacht, vaterländische und männliche Gesinnungen zu bilden. Mit der abgeschmackten Verläumdung des Mittelalters muss es nun ein- für allemal ein Ende nehmen.« Diese wenigen ausgehobenen Sätze mögen ausreichen; wir ersehen, wo hinaus seine Absichten gerichtet sind. Sicherlich ist die Wärme eine wahr empfundene; als begeisterter Lobredner überlässt er die Erwähnung etwaiger Schatteuseiten dem kühleren Kritiker; sein Verdienst wird dadurch nicht geschmälert, und wenn dies kein anderes wäre, als dass er durch seine eigene Begeisterung einen seiner Zuhörer in den Berliner Vorlesungen, von der Hagen, der Erforschung mittelalterlicher Dichtkunst, und ganz insbesondere des Nibelungenlieds, fürs Leben gewonnen hat. Das zweite und dritte Capitel des Aufsatzes ist philologischen Inhalts. Mit Sachkenntniss und scharfer Combination unterscheidet er schon eine dreifache frühere Be- arbeitung des Sagenstoffes und verweist die Ueberarbeitung in unserer jetzigen Gestalt in die Zeit kurz nach 1200. Die ersten Grundfäden des Gewebes sind kurz nach Attila und Theodorich gespannt; die späteren Ueberarbeitungen sind in Oesterreich vorgenommen worden, wobei auf Veranlassung des Bischofs Pelegrin auch Rüdiger aufgenommen wurde. Für den Dichter, welcher dem Epos die letzte uns überlieferte Gestalt gab, hält er Heinrich von Ofterdingen; er schliesst mit einer charakteristischen Apostrophe an denselben:»Wie du auch unter den Sterblichen heissen mochtest, erhabener Dichterschatten, wir kennen deinen Geist und dein Gemüth... lange schwebte dein Lied tönend auf dem Strome der Zeit; dann drohten die schwarzen Wellen der Vergessenheit es unterzutauchen. Es ist gerettet, ans Licht gebracht, ergreift von neuem die Gemüther...«.

Nur mit wenigen Worten möge hier noch Ludwig Tieck's gedacht werden. Schon früh war er durch seinen Freund Wackenroder auf die altdeutsche Dichtung aufmerksam gemacht worden, und sein Interesse an derselben wuchs, jemehr er mit der altdeutschen Kunst auf seinen Wanderungen(Sternbald's Wanderungen 1798) bekannt wurde. Nach Wackenroder's Tode(1798) blieb er auf dem betretenen Wege; mit besonderer Neigung wandte er sich der mittelalterlichen Lyrik zu. Als Frucht dieser Studien erschienen 1808 seine»Minnelieder aus dem schwäbischen Zeitalter etc.«, in deren berühmter Vorrede er seine tief einschneidenden Ansichten über alt- deutsche Dichtung aussprach, und der Nibelungen im Besonderen gedachte. Nicht nur, dass er dies Gedichte wegen seines rein deutschen Ursprungs von der übrigen, auf fremder Grundlage beruhenden Dichtung jener Zeit scheidet, er nennt es auch sein wahres Epos, eine grosse Er- scheinung, die noch wenig gekannt und noch weniger gewürdigt ist, ein vollendetes Gedicht von grösstem Umfange.« Auf seiner Reise nach Italien(1805 und 1806) zieht ihn der Vatikan mit seinen litterarischen Schätzen vorzugsweise an. Die Nibelungen beschäftigen ihm auaus- gesetzt und auf der Rückreise hält er in St. Gallen an, um dort die Nibelungen-Handschrift kennen zu lernen. Seine Absicht ging auf eine vollständige Umarbeitung des ganzen Epos.

So sehen wir in diesen ersten Jahren der aufstrebenden Romantik einen zwar kleinen aber rührigen Kreis von jungen Kräften bemüht, den Staub von den Dichtungen des Mittel-