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Anerkennung bringen. Indem er dabei auf mancherlei, seiner Meinung nach, Verirrungen der neuen Poesie kommt, spricht er auch besonders über die Bearbeitungen der mittelalterlichen Ritter- und Heldengeschichten. So viel er an denselben zu tadeln weiss, so sehr ist er von dem poetischen Werthe der Nibelungen durchdrungen. ¹) Dass dieser Gegenstand ihn in den folgenden Jahren fortwährend beschäftigt, geht aus manchen beiläufigen Erwähnungen hervor; die mittel- alterliche Kunst nimmit sein Interesse in Paris, am Rhein und auf seinen weiteren Reisen völlig in Anspruch.
Zur selben Zeit, wie sein Bruder, hatte sich auch August Wilhelm Schlegel dem Mittel- alter und dessen Dichtung zugewandt. Wie im Ganzen der jüngere Friedrich eine universalere Natur war, und die Einzelerscheinung in ihrer Stellung zum Allgemeinen zu fassen suchte, so war auch seine Stellung zum Mittelalter eine tiefergreifende. A. Wilhelm untersuchte an der mittel- hochdeutschen Poesie mehr die grammatische und metrische Seite, und veröffentlichte schon 1798 darüber Einzelnes. Aber auch die litterar-historische Seite hatte er gründlich erwogen; diese behandelte er schon 1799 in dem»Athenäum«, und hielt in Berlin 1802 und 1803 Vor- lesungen über das Mittelalter und die Geschichte seiner Dichtung unter grossem Beifall. Das Nibelungenlied behandelte er in derselben mit besonderer Ausführlichkeit und Gründlichkeit; doch liess er die Resultate seiner Forschungen noch ungedruckt. Das Erste, was er hierüber ver- öffentlichte, war die lange, eingehende Abhandlung in seines Bruders»Deutschem Museum- (Wien 1812 Bd. I u. II)»aus einer bisher noch ungedruckten historischen Untersuchung über das Lied der Nibelungen.« Diese Arbeit enthält das bedeutendste und weitaus am tiefsten be- gründete Urtheil über die Nibelungen aus jener Zeit. Sie ist das Resultat gründlicher Studien, und enthält, wie jeder Kundige weiss, schon eine Erörterung aller wichtigen Streitfragen, welche seitdem die Litteratur über die Nibelungen füllen ²). Nach einem historischen Rückblick redet er eindringend von der poetischen und nationalen Bedeutung des Gedichts. Die Hoffuung Joh. Müller's, dass die Nibelungen eine nordische Ilias werden mögen, theilt er vollkommen. Aber sie können und dürfen darum nicht umgebildet werden. Da das Gedicht als vollständiges auf uns gekommen ist, und die Sprache immer reichere Mittel gewonnen hat, das Verständniss unmittelbar aus der Quelle zu schöpfen, soll jede höhere Schule das Buch neben die Bibel stellen. »Dahin wird und muss es kommen, wenn die Deutschen das Gefühl eines selbständigen, von uralter Zeit unvermischten, glorreichen und unzertrennlichen Volkes nicht ganz einbüssen.“« »Führt die Jugend ins Freie hinaus, an den halb verwitterten Urfels der Sage, wo der mit Eisen geschwängerte Quell der Heldendichtung noch lebendig hervorsprudelt. Da lasst sie einen frischen Trunk thun. Das Eisen ist nicht nur das nützlichste aller Erze im Krieg und im
¹) cf. Werke V, 178.
²) Um nur an einer einzigen Frage eine Probe zu geben, wie weit die Meinungen auseinander gegangen sind, wollen wir die Hypothesen über die Person des Verfassers kurz zusammenstellen: Joh. Müller rieth, durch einen äusseren zufälligen Umstand verleitet, auf W. v. Eschenbach. Bodmer rieth erst auf Conrad v. Würzburg, später auf den Marner. A. W. Schlegel entschied sich für Heinrich v. Ofterdingen. Carl Roth erklärte sich für Rudolf v. Ems. von der Hagen denkt an H. v. Ofterdingen und erklärt sich später geradezu für denselben. Auf Schlegel griff ebenfalls Edler v. Spann zurück, und wies einen Ort Ofterdingen in Oestreich nach; auch fand er mehrere östreichische Volksmelodien, nach welchen man die Nibelungen singen könnte. Lachmann und seine Schule sah von einem Dichter überhaupt ab und kennt nur einen Anony- mus als Redactor. Franz Pfeiffer und nach ihm C. Bartsch stellen den Kürnberger als Dichter der Nibelungen auf.
Man vergleiche u. A. hierzu: Dr. Hermann Fischer, Die Forschungen über das Nibelungenlied seit Lachmann. Leipzig 1874. Seite 193 ff.


