6. mit guten Holzschnitten, und Andeutungen lassen vermuthen, dass andere Drucke aus jener Zeit verloren sind. ¹1) Wie allgemein bekannt diese Stücke gewesen sein müssen, beweisen die zahl- reichen Anspielungen Joh. Fischart's in seiner Geschichtsklitterung.
Eine besondere Pflege mögen diese Stoffe auch in den Meisterstuben gefunden haben. Als die Lust zu dramatisiren ausser den biblischen Stoffen auch Figuren aus der Geschichte zu wählen begann, wurde die Heldensage nicht übergangen; ausser anderen Tragödien dieser Zeit (von Jacob Ayrer) hat Hans Sachs uns seine Tragedia:» der hörnen Seufriedt«(anno Salutis 1557 am 14 Tag Septembris ²) hinterlassen, die freilich in Bezug auf ihren poetischen Gehalt hinter seinen übrigen dramatischen Arbeiten zurücksteht.
Auch die Localsage war in jener Zeit noch nieht ausgestorben. So berichtet das Chronicon Wormaliense: In Worms sei ein Grabmal eines gigas, qui dicebatur Sifridus,»dess Hörnin«, gewesen, lenuitque hoc rusticorum stoliditas. Kaiser Friedrich III. habe 1488 an der Stelle nachgraben lassen; es habe sich aber kein signum corporis humani vel ossium gefunden. ³)
Der frische Hauch des neuen Lebens, der in der Reformationszeit das deutsche Lied wie die deutsche Prosa neu belebte,»unsere Urzeit, wo körperliche und geistige Kräfte neben einander, die leidenschaftlich-physische Kraft eines Urgeschlechts neben den Anfängen jener Cultur liegt, an deren Vollendung wir noch arbeiten«, reichte nicht bis in die Verborgenheit, in welcher die Nibelungen schlummerten. Jedoch ganz schüchtern und völlig unbeachtet gelangte ein kurzes Bruchstück derselben ans Tageslicht, und dem gelehrten Arzte Wolfgang Lazius(geb. 1514 zu Wien, starb ebendaselbst 1565 in hohen Ehren), gebührt der Ruhm, die erste Kenntniss des Epos durch den Druck vermittelt zu haben. 1557 erschien von ihm zu Basel das gelehrte Werk:»de gentium aliquot migrationibus« etc. ¹), ein Buch von vorwiegend historisch-politischer Absicht, neben welcher er aber auch ganz besonders die sprachlichen Verhältnisse der Völker berücksichtigt. Unter seinen geschichtlichen Zeugnissen führt er auch elf Stellen des Nibelungen- liedes(unter den Handschriften mit c bezeichnet) an; wie gering seine Meinung von deren poetischem Werthe ist, geht daraus hervor, dass er ihren Verfasser gelegentlich»poëtaster ille Gothicus« nennt.
Die Noth half weiter. Da bei den Gerichten für manche Fälle die alten deutsch- geschriebenen Gesetzbücher noch zu Recht bestanden, die Sprache und deren richtiges Ver- ständniss aber immer mehr dringendes Bedürfniss wurde, wandten sich gelehrte Forscher nach anderen reichlicher fliessenden Quellen der mittelhochdeutschen Sprache. So wurden eine Reihe alter Sprachdenkmäler aus gothischer, alt- und mittelhochdeutscher Zeit ans Licht gezogen, und die Kenntniss der alten Sagenstoffe zog mittelbar Nutzen daraus. Ein hervorragendes Verdienst auf diesem Felde erwarb sich der 1576 bei St. Gallen geborene und nach einem unstäten Leben 1635 zu Giessen verstorbene M. A. Goldast.*) In Armuth und Unglück jeder Art ist er nicht müde geworden, die Quellen der deutschen Geschichte und des deutschen Rechts überall aufzuspüren und zu veröffentlichen; daneben grub er aber vorzugsweise auch die mittelhochdeutsche Lyrik
¹) cf. von der Hagen und Büsching: Literarischer Grundriss zur Geschichte der deutschen Poesie etc. Berlin 1812. pag. 48 ff.
¹) cf. Folio-Ausgabe: Nürnberg durch Johann Kohler 1577: der ander Theil des dritten Buchs pag. 233.
³) W. Grimm a. a. O. No. 135.
⁴) ecf. W. Grimm a. a. 0. No. 141. v. d. Hagen und Büsching a. a. 0. pag. 88. Rud. v. Raumer: Geschichte der germanischen Philologie. Múnchen 1870, pag. 26 ff.
³) cf. Raumer a. a. O. pag. 52 ff.


