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In der Chemie haben die Schüler ein Heft, in welches die wichtigen Thatsachen und Ergebnisse nach von mir gefertigten Vorschriften zu Hause eingetragen werden. Die bei den Versuchen benützten Apparate werden in der Stunde im Allerleiheft skizziert und zu Hause in das genannte Heft eingezeichnet. Es kommen hier nar eine beschränkte Zahl von Fundamentalver- suchen, Darstellungsmethoden und technischen Prozessen in Betracht. Aber besonders bei zusammen- gesetzteren Apparaten wird der Schüler durch das Zeichnen, wie durch kein anderes Unterrichts- mittel, gezwungen, über den Zusammenhang der Teile und deren Funktion sich ganz klar zu werden und sich Rechenschaft zu geben über alle beteiligten Faktoren.
Lehrbuch. An unserer Anstalt ist das„Lehrbuch der Physik und Mechanik“ von Professor Dr. Georg Krebs, eingeführt. Es wurde in der Stunde von den Schülern nur selten benützt; da sich nun der Unterricht in den wesentlichen Dingen an das Lehrbuch anschließen konnte, so war es ein willkommenes Hilfsmittel, die häuslichen Wiederholungen nutzbringend zu machen. Die in dem Buche vorherrschende zusammenhängende Darstellung und die einfache und anschauliche Ausdrucksweise sind wohl die Ursache, daß es von den Schülern gerne zur Hand genommen wird. Er findet darin das Selbsterlebte in faßlicher Weise erörtert und mit geeigneten Zeichnungen illustriert; und daß ich immer fand, daß bei Repetitionen die Schüler leicht dazu zu bringen waren, in zusammenhängender Rede sich über ein physikalisches Thema in einfacher und klarer Weise auszusprechen, ist sicherlich mit der Brauchbarkeit des genannten Lehrbuchs zuzuschreiben.
In der Oberprima wurden in einem besonderen Heft mathematische Entwicklungen u. a. angefertigt, die in dem genannten Lehrbuch nicht vorhanden sind, so daß das betreffende Heft eine Art Ergânzung und Erweiterung darstellte. In der Chemie ist ein Leitfaden nicht eingeführt. Einesteils sind die in Frage kommenden Arendt'schen Lehrbücher für unsere Schüler mir zu ausführlich erschienen, andernteils konnte ich mich von dem Gedanken nicht los machen, daß durch das nicht zu vermeidende Vorauslesen seitens der Schüler die Hauptwirkung der so folge- richtig vorgehenden, streng induktiven Methode erheblich beeinträchtigt wird. Ich beschränkte mich daher darauf, die wichtigsten Thatsachen und Ergebnisse, sowie die Grundzüge der Theorien und die Methoden des stöchiometrischen Rechnens nach von mir gefertigten Vorschriften in ein besonderes Reinheft zu Hause eintragen zu lassen. In Oberprima wurde das Lehrbuch von Rüdorff von mir benutzt.
Aus dem Gesagten geht bereits hervor, daß in Physik und Chemie auf hàuslichen Fleiß nicht ganz verzichtet werden soll. Das Lösen von physikalischen und stöchiometrischen Aufgaben muß geübt werden, und hierzu reicht die dem fraglichen Unterricht zugewiesene Stunden- zahl nicht aus. Ferner wurde auf hausliche Repetitionen Wert gelegt, wobei das Lehrbuch von Krebs, sowie die erwähnten Hefte gute Dienste leisteten. Ebenso wurden die Zeichnungen zu Hause gefertigt. Im allgemeinen jedoch wurde der hausliche Fleiß nicht in entscheidender Weise herangezogen, sondern die Hauptarbeit wurde in der Schule erledigt. Galt es doch, die Klagen über Uberbürdung der Schüler mit häuslichen Arbeiten verstummen zu machen. Ich verweise hier auf das bei der Biologie genauer erörterte Verfahren, die hauslichen Arbeiten möglichst zu entbehren oder sie auf das geringste Maß zu beschränken.
Auf selbständige schriftliche Ausarbeitungen wurde bis auf wenige verzichtet. Die Gründe hierfür sind im wesentlichen die gleichen wie die auf S. 36 ff. angeführten. Es können physi- kalische und chemische Aufsätze ohne ganz erheblichen Zeitverlust, der die Erreichung der eigentlichen Lehrziele empfindlich schädigt, auf den in Rede stehenden Altersstufen nicht ge-
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