Aufsatz 
Ziele und Wege des naturwissenschaftlichen Unterrichts / von Heinrich Reichenbach
Entstehung
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fordert werden. Man kann nun freilich sagen, sie sollen nur von geringem Umfang sein; ich kann mir aber nur wenige hierher gehörige Themata denken, die nicht mindestens mehrere Seiten fällen; im andern Falle werden sie oberflächlich, also minderwertig ausfallen. Hieraus folgt nun wieder mit absoluter Notwendigkeit, daß der Aufsatz in der Stunde sehr eingehend vorbereitet werden muß. Stoff, Anordnung, Art und Weise der Ausführung müssen genau be- sprochen werden, und dazu bedarf es eben kostbarer Zeit. Hierzu kommt nun noch die Bespre- chung der Korrekturen, die auch wieder Zeit in Anspruch nimmt. Ein weiterer Faktor, der gerade für die schwächer begabten Schüler eine Mehrbelastung mit häuslichen Leistungen mit sich führt, ist die Korrektur, beziehungsweise Neuanfertigung mißlungener Aufsätze. Demgemäß erheben sich auch hier gegen derartige UÜbungen auf den betreffenden Altersstufen schwerwie- gende Bedenken, welche mich veranlaßten, von schriftlichen Ausarbeitungen abzusehen und das Hauptgewicht und die ganze Energie der Lehrkraft auf die Experimente und ihre sachgemäße und gründliche Benützung zu legen. Könnte freilich dem naturwissenschaftlichen Unterricht mehr Zeit gewidmet werden, so wären schriftliche Ubungen gewiß von großem Nutzen, aber auch nur bei reiferen Schülern in oberen Klassen und unter der Bedingung, daß die fragliche Übung in der Schule unter Aufsicht des Lehrers vorgenommen wird Andernfalls dürfte das Benâtzen von nicht gestatteten Hilfsmitteln schwer ganz zu vermeiden sein.

Der Verfasser war bemüht, in den vorstehenden Erörterungen 8o ausführlich, wie der verfügbare Raum es ermöglichte, über den Betrieb des naturwissenschaftlichen Unterrichts aus eigener Erfahrung zu berichten. Der Hauptzweck seiner Arbeit ist erreicht, wenn er die Ueber- zeugung in dem Leser geweckt hat, daß der naturwissenschaftliche Unterricht neben der Ver- breitung nützlicher Kenntnisse und Fertigkeiten die hohe ideale Aufgabe verfolgt, den Menschen in der Natur heimisch zu machen, die großartigen Ergebnisse jener Wissenschaft in ihrer Allgemein- verbindlichkeit schätzen zu lernen und festen Boden zu gewinnen zu einer idealen Weltanschauung

Freue dich, höchstes Geschöpf, der Natur, du fühlest dich fähig, Ihr den höchsten Gedanken, zu dem sie schaffend sich aufschwang, Nachzudenken. Hier stehe nun still und wende die Blicke Rückwärts, prüfe, vergleiche, und nimm vom Munde der Muse, Daß du schauest, nicht schwärmst, die liebliche volle Gewissheit.