24 stimmende Richtung für das Leben empfangen hatte, seine beste Kraft gewidmet und seine Arbeit von reichem Erfolge gekrönt gesehen.
Ein unermüdlicher Forscher auf dem Gebiete der Altertumskunde, ein feinsinniger Kenner der alten Litteratur, verstand er es, die Begeisterung für die Welt des Altertums, von der er erfüllt war, auch seinen Schülern mitzuteilen und ein eindringendes Verständnis des griechischen und römischen Geisteslebens in ihnen zu wecken. Zugleich war ihm, wie wenigen, die Gabe verliehen, erziehlich auf die Jugend einzuwirken, ihre Gedanken auf das Groſse und Erhabene zu lenken und sie zu gewissenhaftem Fleiſs und eifrigem Pflichtgefühl anzuspornen.
Seinen Mitarbeitern war Herr Prof. Dr. Riese ein Vorbild durch die hohe Auf- fassung seiner Berufspflichten, den regen Anteil, den er an allen Fragen des Schullebens nahm, die unablässige Fürsorge für die geistige und. sittliche Förderung seiner Schüler. Dankbar empfanden wir die vielfache Anregung und Belehrung, die aus seinen wissen- schaftlichen Forschungen uns erwuchs.
Dem Scheidenden folgt die Liebe und Verehrung seiner Amtsgenossen. Wir wissen, dafs er auch ferner unserer Anstalt und ihrem Gedeihen das wärmste Interesse zuwenden wird. Möge ihm noch lange Jahre die Kraft und Frische erhalten bleiben, um, ungehindert durch die drückende Last der Amtsgeschäfte, seine wissenschaftlichen Studien fortzusetzen und zu ergebniſsvollem Abschlusse zu führen.
Seine Majestät der Kaiser verlieh dem verdienten Manne bei seinem Scheiden aus dem Dienste den Roten Adlerorden IV. Klasse. Seitens des Kuratoriums der höheren Schulen wurde ihm der„lebhafte Dank für seine erfolgreiche wissenschaftliche und unter- richtliche Thatigkeit seit 1868“ ausgesprochen. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Stadtrat Grimm, war zu seinem Bedauern verhindert, persönlich an der Abschiedsfeier teilzunehmen.
Mit dem Beginne des Winterhalbjahres trat Herr Dr. Johann Geo rg Sprengel, vorher Oberlehrer an der Klosterschule zu Roſsleben, in das Lehrerkollegium der Anstalt ein, nachdem ihm durch Magistratsbeschlufs vom 31. Mai die zweite der oben erwähnten neuen Oberlehrerstellen übertragen war. Wir freuen uns, in ihm einen von warmer Liebe zur Jugend beseelten, erfahrenen und zielbewuſsten Mitarbeiter gewonnen zu haben. Uber seinen Lebensgang berichtet Herr Dr. Sprengel das Folgende:
Johann Georg Sprengel wurde am 1. November 1863 in Kassel geboren. Er besuchte von 1872 bis 1881 das dortige Gymnasium und studierte sodann in Marburg., München und Leipzig deutsche sowie klassische Philologie und Geschichte. Die Staatsprüfung bestand er in Marburg am 4. Februar 1887 und wurde daselbst aut Grund einer Abhandlung„De ratione, quae in historia plantarum inter Plinium et Theophrastum intercedit’(ergänzt durch eine Untersuchung über„die Quellen des Plinius im 12. und 13. Buch der Natur- geschichte, Rhein. Mus. XLVI.) am 10. Juni 1890 zum Doktor der Philosophie promoviert. Von Ostern 1887 bis dahin 1888 leistete er das pädagogische Probejahr am Friedrichs-Gymnasium zu Kassel ab, gehörte auch während dieser Zeit dem dortigen Königlichen pädagogischen Seminar als ordentliches Mitglied an. Bis zum Herbst 1890 war er an verschiedenen Anstalten in Kassel, sodann ein Jahr an der von Fröbel begründeten Erziehungsanstalt in Keilhau(Thüringen) und im Winter 1891 bis 1892 am Gymnasium in Barmen beschäftigt. Seit Ostern 1892 war er in Antwerpen zuerst als Privatlehrer, dann als Herausgeber des deutschen Blattes für Belgien thätig im Winter 1894 bis 1895 lag er in Paris Sprachstudien und journalistischer Thätigkeit ob. Ostern 1895 foigte
er einer Berufung als Oberlehrer an das Gymnasium und Alumnat zu Kloster Rossleben und wurde im Herbst 1901
in gleicher Eigenschaft an das Lessing-Gymnasium berufen.


