Aufsatz 
Zwei Schulreden: 1. Schiller. 2. Melanchthon
Entstehung
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So ist denn Philipp Melanchthon der Unsrige, m. Th., der Unsrige durch Bande des Blutes und des Glaubens. Auf deutschem Boden stand seine Wiege, in deutscher Erde ruhet sein Gebein; die deutsche evangelische Kirche feiert ihn als ihren zweiten Begründer, und die deutsche Gelehrteuschule hat das Recht und die Pflicht, ihn als ihren thätigsten Beförderer, ja als ihren eigentlichen Schöpfer und Ordner zu nennen. Darum hat ihm, in dankbarer Anerkennung seiner besonderen Bedeutung und seines ausgezeichneten Verdienstes um Wissenschaft, Unterricht und Erziehung. sein eignes Zeitalter schon den Ehrennamen des Lehrers Deutschlands ertheilt; und wenn wir uns heute im Geiste an sein Sterbelager versetzen, so betrach- ten wir uns vornehmlich als Schüler, die in stiller Trauer den geliebten Lehrer be- weinen. Indess, m. Th., wie gerecht auch die Wehmuth ist, womit uns der Gedanke erfüllt, dass solch' ein Lehrer nicht immer hienieden verweilen, dass nicht auch uns das Glück zu Theil werden konnte, sein belebendes Wort zu vernehmen und an dem Feuer seines Auges die eigene Begeisterung zu entzünden sein Bild, wie es die Geschichte verewigt, stehet klar und deutlich vor uns, die Frucht seines Wirkens ist uns geblieben, und wir werden nicht nur Ersatz finden für unsern Verlust, sondern auch dem grossen Entschlafenen unsere Dankesschuld abtragen, wenn wir

Melanchthon als Lehrer wahrer Weisheit

unablässig vor Augen und im Herzen haben. Dazu ist aber vor Allem nöthig, dass wir mit aller Bestimmtheit uns sagen können, aus welchem Grunde Melanchthon diese erhabene Stellung einnimt, und setzen wir uns dazu in den Stand, gewiss, dann wer- den wir sein Gedächtniss würdig begehen und den Tag seines Todes mit Segen feiern. Es verdient aber Philipp Melanchthon mit vollem Rechte ein Lehrer zwwahrer MWeisheit genannt zu werden vermöge der Falle, Klarheit und Gediegenheit seines MWissens; vermöge der Demuth, Lauterkeit und Frömmigkeit seines Herzens; und vermöge des Umfangs, des Zneckes und des Erfolges seines Mirkens. Möge es mir, in- dem ich diess naher zu begründen suche, gelingen, in dem engen Raume einer Rede ein möglichst getreues und lebensvolles Bild des unsterblichen Lehrers Deutschlands zu entwerfen und seinen Namen nach Verdienst zu ehren.