Aufsatz 
Zwei Schulreden: 1. Schiller. 2. Melanchthon
Entstehung
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I. Rede

zur dritten Saecularfeier des Todestages Philipp Melanchthon's.

19. April 1860.

Hochwürdige, hochverehrte Herren, Theuerste Amtsgenossen, Geliebte Schuler!

Als wir vor einigen Monden in diesen Räumen festlich uns versammelten, da geschah es, um die Geburt eines Kindes zu feiern, aus welchem ein Mann erwachsen sollte, der im Reiche des Schönen eine der ersten Stellen einzunehmen berufen war, und der durch die Art, wie er dieser Bestimmung entsprach, sich und seinem Volke hohe Ehre erworben hat. Entzückt durchwandelten wir da an der Haffd des grossen Dichters die blühenden Gärten, die er uns gepflanzt, beschaueten dankbar die herrlichen Früchte, die er uns gezogen hat, gaben uns vertrauensvoll der heiteren Hoffnung hin, dass die Krone des Verdienstes, welche dem unsterblichen Manne auf das Haupt gesetzt ward, durch ihren überirdischen Schimmer alle Die zu edler Nacheiferung begeistern werde, welchen Gott für den Reiz des Schönen und Erhabenen einen lebendigen Sinn in das

Herz gelegt hat, und daher war es Freude und Wonne, was an jenem schöuen Feste uns beseelte.

Heute dagegen., m. Th., heute ist unsre Stimmung von ganz andrer Art.

Heute stehen wir nicht an einer hoffnungsreichen Wiege, sondern an einem thränenbe-