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lieferung, Nationalcharakter und klimatischem Einfluß hervorwuchs, deswegen uns alle alter- thümlichen Reste, von Götterstatuen bis zu Scherben und Ziegeln herab, respektabel und belehrend bleiben.“ Von den Parthenonskulpturen, die Lord Elgin nach London gebracht hatte, schrieb er an Sartorius: ¹)„Hier ist doch allein Gesetz und Evangelium beysammen.“ Um sie zu sehen, wollte der fast Siebzigjährige nach London reisen.
Auch durch seine naturwissenschaftlichen Arbeiten wurde Goethe immer wieder von neuem auf die Spuren der Alten gewiesen. Seine Kenntnis der griechischen und der lateini- schen Sprache kam ihm hierbei gut zu statten. Seiner viel umstrittenen Farbenlehre schickte er eine Geschichte der Farbenlehre voraus, die, wenn ihm auch dabei die Hilfe Riemers zur Seite stand, unsere größte Bewunderung erregen muß. Da sehen wir, mit welcher Sorgfalt er diese Wissenschaft bei den Alten durchforscht hat. Was Pythagoras, Empedokles, Demo- krit, Epikur, Zeno, Chrysipp, die Pyrrhonier, Plato, Aristoteles und Theophrast hierüber be- richten, wird aufs eingehendste behandelt. Hier finden sich ausgezeichnete Urteile über die Methode Platos und Aristoteles', wie über den Werdegang des menschlichen Geistes überhaupt. Auch in seinen Briefen äußert er sich oft über dieses Werk, das ihm ganz besonders am Herzen lag. So schreibt er z. B. an Meyer: ²)„Ich habe auch diese Zeit die berühmte Ab- handlung des Hippokrates: de aére aquis et locis gelesen und mich über die Aussprüche der reinen Erfahrung herzlich gefreut, dabey aber auch zu meinem Troste gesehen, daß es ihm, wenn er hypothetisch wird, gerade geht wie uns, nur möchte ich seine Hypothese eher den Schiffsseilen und unsere Zwirnsfäden vergleichen.“ Wie aus einem Briefe an Schelling: ³) hervorgeht, übersetzte er das Werk des Theophrast de coloribus ins Deutsche. Wolf stand ihm hierbei hilfreich zur Seite, der, wie er an Schiller schreibt,*) diese Schrift lieber dem Aristoteles zuschreiben möchte, als einem Nachfolger. Als Meyer die Geschichte des Kolorits bei den griechischen Malern geschrieben hatte, befaßte sich Goethe aufs eifrigste mit den antiken Quellen für eine Geschichte der Farbenlehre bei den Alten.“) In Wilhelm Meister sind die Gedanken„Aus Makariens Archiv“ zum Teil der Schrift des Hippokrates eᷣ⁴ν Ʒνακνι⁷⁸ entnommen, so z. B. die schönen Worte:„Man denke sich das Große der Alten, vorzüglich der Sokratischen Schule, daß sie die Quelle und Richtschnur alles Lebens und Thuns vor Augen stellt, nicht zu leerer Spekulation, sondern zu Leben und That auffordert. ¹⁵)
Mit Knebel zusammen hatte Goethe eine besondere Vorliebe für das Gedicht De rerum natura von Lukrez. Knebel hatte dieses Werk ins Deutsche übersetzt, nachdem Goethe selbst davon Abstand genommen hatte. Sein Interesse für dieses Werk war um so natürlicher, weil er selbst in seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten, in der Metamorphose der Pflanze und in der Farbenlehre, ganz ähnliche Gedanken ausgesprochen hatte wie Lukrez. In den Briefen an Knebel kommt Goethe oft auf Lukrez zu sprechen, so z. B. schreibt er:“)„Was unsern Lukrez als Dichter so hoch stellt und seinen Rang auf ewige Zeiten sichert, ist ein hohes tüchtig-sinnliches Anschauungsvermögen, welches ihn zu kräftiger Darstellung befähigt; sodann steht ihm eine kräftige Einbildungskraft zu Gebot, um das Angeschaute bis in die unschein- baren Tiefen der Natur, auch über die Sinne hinaus, in alle geheimsten Schlupfwinkel zu verfolgen.“— Nicht geringen Arger verursachte es Goethe, daß seine naturwissenschaftlichen
i) d. 20. Juli 1817. ¹²) d. 30. Dez. 1795(3. Jan. 1796).*) d. 1. Febr. 1801. ¹⁴) d. 5. Juli 1802. ³⁵³) An Knebel d. 7. Okt. 1807. ⁶) W. 42, 2. S. 190.*) d. 14. Febr. 1821.


