Aufsatz 
Goethes Verhältnis zum klassischen Altertum, mit besonderer Berücksichtigung seiner Briefe / von Paul Primer
Entstehung
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val àdy 2or6ei I eivat Byegy 3vtes, 5 i5iLers abrotg, Eti DDN Sn eNDvrat 5et, æl olovtal ri SIvar 5wte O0SevB AEtot. Kal&y rabta nousſte, Siuala erοvνςα εέ⁶ οοσα⁵αι-. OuGv. ¹)

Dieser Brief ist die einzige Stelle, wo Goethe sich über seinen Plan Aäußert, eine Tragödie Sokrates zu schreiben, in der er den Kampf eines philosophischen Heldengeistes mit dem Unverstand der Zeit und dem pharisäischen Philistertum schildern wollte. Leider hat Goethe diesen Plan nicht ausgeführt.

Daß Goethe mit Ernst und innerer Teilnahme in dieser Zeit die Griechen studiert hat, zeigt noch besser ein anderer Brief an Herder. ²) Da heißt es:Seit ich die Kraft der Worte ridos und œαemκεςα) fühle, ist mir in mir selbst eine neue Welt aufgegangen. Armer Mensch, an dem der Kopf alles ist! Ich wohne jetzt in Pindar, und wenn die Herrlichkeit des Palasts glücklich machte, müßt' ichs sein. Wenn er die Pfeile ein- übern andern nach dem Wolkenziel schießt, ¹) steh' ich freilich noch da und gaffe, doch fühl' ich indeß, was Horaz aussprechen konnte, was Quintilian rühmt, und was Thätiges an mir ist, lebt auf, da ich Adel fühle und Zweck kenne. Elschc ο derνe,be A7hg Huilν, Ageray Arelei 75% †sösrat, 2Pot ArHezet naεα ινο, hadyrec u.) Diese Worte sind mir wie Schwerter durch die Seele gangen. Ihr wißt nun, wie's mit mir aussieht.... Seit ich nichts von Euch gehört hahe, sind die Griechen mein einzig Studium. Zuerst schränkt' ich mich auf den Homer ein, dann um des Sokrates forscht' ich in Xenophon und Plato, da gingen mir die Augen über meine Un- würdigkeit erst auf, gerieth an Theokrit und Anakreon, zuletzt zog mich was an Pindarn, wo ich noch hänge.... Auch hat mir endlich der gute Geist den Grund meines spechtischen Wesens entdeckt. Uber den Worten Pindars 2ακραηνεινι 5vανσνρασι) ist mirs aufgegangen. Wenn du kühn im Wagen stehst, und vier neue Pferde wild unordentlich sich an deinen Zügeln bäumen, du ihre Kraft lenkst, den austretenden herbei, den aufbäumenden hinabpeit- schest, und jagst und lenkst, und wendest, peitschest, hältst, und wieder ausjagst, bis alle sechzehn Füße in einem Takt ans Ziel traben das ist Meisterschaft, nlαρᷣαstv, Virtuosität. Wenn ich nun aber überall herumspaziert bin, überall nur dreingeguckt habe, nirgends zu- gegriffen. Drein greifen, packen ist das Wesen jeder Meisterschaft. Ihr habt das der Bild- hauerei vindicirt, und ich finde, daß jeder Künstler, so lange seine Hände nicht plastisch arbeiten, nichts ist. Es ist alles so Blick bei Euch, sagtet ihr mir oft. Jetzt versteh' ichs, thue die Augen zu und tappe. Es muß gehn oder brechen. Seht, was ist das für ein Musicus, der auf sein Instrument sieht! Xetges daανπτον, 7on ꝓο), das ist alles, und doch muß das alles eins sein, nicht bogtay 2getay Are«erεꝓ% Tes? ³). Ich möchte beten, wie Moses im Koran: Herr mache mir Raum in meiner engen Brust!

Dieser Brief kann nicht genug bewundert werden. Er zeigt einen Wendepunkt in Goethes Leben. Bei Pindar, zu dessen Lektüre er durch Herder gekommen, war ihm der

¹) Und wenn sie sich etwas zu sein dünken, ohne etwas zu sein, so tadelt sie, weil sie nicht für das sorgen, wofür sie sollten, und sich einbilden etwas zu sein, während sie doch nichts wert sind. Und wenn ihr das tut, werde ich Recht von euch erfahren haben. ²) Mitte Juli 1772. ¹) 2rndos Brust als Sitz des Muts und der Leidenschaften, aanides Brust als Sitz des Verstandes.) Pindarscher Ausdruck. P. vergleicht die Worte oft mit Pfeilen. ³) Meister ist, wer viel weiß von Natur, der in Finsternis tappende Mann kostet mit nicht zum Ziel kommendem Verstande unzählige Tugenden. Niemals tritt er mit festem Fuß auf. Das Citat ist zusammengestellt aus Pindar, Olymp. II 154 ff. und Nem. III 71 ff.) über etwas Herr sein können. Es sind die letzten Worte der Strophe in d. 8. Nem. Ode Pindars.*) unnahbare Hände, kräftiges Herz, beides oft bei Homer, letzteres auch bei Pindar.) an unzühligen Tugenden erfolglos herumkosten.