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Untergang der alten Welt ausspricht, wie er vielleicht noch von keinem Menschen inniger empfunden worden ist.— Welche herrlichen Kuſſerungen über das klassische Altertum finden wir von jetzt ab in seinen Briefen! Er wird nicht müde, immer und immer wieder die Alten zu lesen und dankbar den Gewinn zu preisen, den er durch sie erfahren hat. Das Einfache, Natürliche, Echtmenschliche in der alten Literatur rünmt er immer von neuem. Er nennt Griechenland den Frühling der Menschheit und sagt, die wahre Jugend iSt doch nur in der alten Zeit. Die Schöpfungen der griechischen Dichtung sind es auch, die ihm jetzt in seinem eigenen Dichten die Bahn weisen.
Sehen wir so, wie Schiller in seinen reiferen Jahren die Griechen als Muster der Vollkommenheit ansah, so können wir begreifen, wie beglückt er war, als er den Freund- schaftsbund mit Goethe geschlossen hatte, in dem er das ldeal des griechischen Altertums, das zu erreichen sein höchstes Ziel war, schon verkörpert sah. In den nun folgenden zehn Jahren sehen wir ihn eifrig beflissen, mit Goethe Gedanken über das klassische Altertum, wie über den Unterschied zwischen klassischer und romantischer Poesie auszu-— tauschen, um zur Klarheit über den Wert der Antike und ihre bildende Kraft für die Kunst unserer Zeit zu gelangen. Die Kunst war ihm nicht ein Spiel, sondern eine heilige Sache, und er glaubte fest an die Kulturmission des Schönen, das nach seiner Ansicht nirgends auf Erden eine höhere Stufe erklommen hatte als bei den alten Griechen. Wie sollte er aber das, was er als richtig erkannt hatte, was klar in seiner Seele lebte, bei dem„Wider- stand der stumpfen Welte in Taten umsetzen? Er merkte deutlich, nicht bloß in seinen philosophischen Schriften, sondern auch in vielen seiner Dichtungen fand sich eine Lebens- auffassung, die zu dem, was zu seiner Zeit für richtig und erstrebenswert galt, im schroffsten Gegensatze steht. Goethe war fast der Einzige, der ihn verstand, mit dem vereint den Kampf gegen alle Gegner zu führen und dem griechischen Kunstideal zum Siege und zum Vorbilde für die Erziehung des Menschengeschlechts zu verhelfen, er sich jetzt zu seiner Lebensaufgabe machte.
Um diesen Kampf erfolgreich führen zu können, das sah er ein, mußte er die griechische Sprache selbst besser kennen lernen. Denn mit sicherem Ünstinkte merkte er, daß er den Geist des klassischen Altertums sich nur dann ganz zu eigen machen könne, wenn er auch die Form beherrschte. Es ist rührend zu sehen, mit welchem Eifer er sich noch in seinem reifen Mannesalter diesem Studium hingab. Bitter klagt er darüber, daß er es auf der Schule nicht soweit gebracht habe, den Xenophon oder den Thukydides im Originale geläufig lesen zu können. Jetzt will er noch das Versäumte nachholen. 80 macht er sich denn an das mühevolle Studium der griechischen Metrik von Gottfried Hermann und erkundigt sich bei W. v. Humboldt, der auch sonst auf klassischem Gebiete sein Führer und Lehrer war, nach einer guten griechischen Grammatik. Brachte er es durch alle diese Bemühungen, die unsere ganze Bewunderung erregen müssen, doch nicht mehr dahin, die Tragiker im Originale mit Leichtigkeit lesen zu können, so gewann er doch dadurch ein selbständiges Urteil über die Schönheiten der griechischen Sprache und die Vorzüge, die diese vor anderen Sprachen besitzt. Auch zeigen alle diese Bemühungen, selbst wenn sie für ihn nicht den gewünschten Erfolg hatten, deutlich, für wie wichtig er die Kenntnis der griechischen Sprache selbst hielt. Dabei ist nicht zu vergessen, daß ein Genius oft in wunderbarer Weise erfaßt, durchdringt und schaut, was gewöhnlichen Sterblichen zu erkennen entweder versagt oder nur durch angestrengte Arbeit möglich ist.
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