Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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läßt sich endlich auch bei uns fühlen und bringt wieder Mut und Stimmung; aber ich werde Mühe haben, die harten Stöße, seit neun Monaten, zu verwinden, und ich fürchte, daß doch etwas davon zurückbleibt; die Natur hilft sich zwischen 40 und 50 nicht mehr wie im 30sten Jahr. Indessen will ich mich ganz zufrieden geben, wenn mir nur Leben und leidliche Gesundheit bis zum 50sten Jahr aushält. Es sollte nicht sein. Auf dem flönepunkte seines dichterischen Schaffens raffte den erst Fünfundvierzigjährigen der Tod dahin.

Schlusswort.

Zum Schluß wollen wir das Ergebnis unserer Untersuchungen kurz zusammenfassen.

Schiller hat beim Verlassen der Karlsschule das Lateinische gut, das Griechische da- gegen sehr wenig gekannt. Was er in Obersetzungen von griechischen Schriftstellern kennen lernte, hat ihn allerdings zum Teil sehr angezogen, so die Helden der homerischen Dichtung und die großen Männer, die Plutarch schildert. Was aber die Griechen besonders auszeichnet, ihre heitere Lebensauffassung, ihr fröhlicher Sinnenkult, das Klare, Verständige, Maßvolle, Naive, das sich in allen ihren Werken so deutlich ausspricht, konnte den jungen Titanen, dessen hochfliegender Geist durch strenge Zucht gefesselt war, zunächst nicht begeistern. So ist es denn natürlich, daß ihn in dieser Zeit die Römer, auch Geister wie Shakespeare, Rousseau und die Stürmer und Dränger unserer Literatur viel mehr anzogen als die Griechen. Erst als er die Fesseln, die ihn nach außen und innen beengten, ge- sprengt hatte, sehen wir ihn allmählich sich ernster den Griechen zuwenden. In Weimar war es wohl zunächst Wieland, der ihn auf das Altertum hinwies und ihn überzeugte, daß seine ins Maßlose strebende Natur durch nichts so gut, als durch das Studium der Griechen, gezügelt werden könne. In Rudolstadt las er dann zusammen mit den Schwestern Lengefeld, von denen die jüngere später seine Gattin wurde, allerdings immer noch in Obersetzungen den Homer und die griechischen Tragiker, die ihn so entzückten, daß er an Körner, seinen schon im Jahre 1784 gewonnenen Freund, schriebDie Alten geben mir wahre Genüsse.¹) Jetzt erst, als seine Seele zur Ruhe gekommen war, als sein Geist sich geklärt hatte, begann das Altertum seinen ganzen Zauber auf ihn auszuüben, und im Vergleich zu der Natur und der Wahrheit der alten Welt erschien ihm sein eigener (Geschmack als eine Verirrung und Abweichung von der wahren Schönheit. So tritt denn jetzt ein Wendepunkt in seinem Leben ein. Mit der vollen Kraft seines warmen Herzens und seines gewaltigen Geistes wandte er sich immer mehr und mehr den Alten zu, um sie nun nicht mehr zu verlassen. Selbst durch den Schleier der Ubersetzung erblickte er die Schönheit der antiken Poesie, und er erhob sich durch sie allmählich zu immer reineren und klareren Begriffen von der Kunst. Daß er, sozusagen, ein Grieche geworden war und griechische Denkweise zu seiner Lebensauffassung gemacht hatte, zeigte er zum ersten Mal in den Künstlern und vor allem in den Göttern Griechenlands, in denen sich eine 80 glühende Begeisterung für das Hellenentum und ein so tiefer Schmerz über den

) Den 20. August 1788.