Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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Worten, die wir überhaupt von Schiller naben, gehören die, die er in dieser Zeit an Körner schreibt.Die Hauptsache, heißt es da(den 15. November 1802),ist der Fleiß; denn dieser gibt nicht nur die Mittel des Lebens, sondern er gibt ihm auch seinen alleinigen Wert. lch habe seit 6 Wochen mit Pifer und mit Succeß, wie ich denke, gearbeitet. Von der Braut zu Messina sind 1500 Verse bereits fertig. Die ganz neue Form hat auch mich verjüngt, oder vielmehr das Antikere hat mich selbst altertümlicher gemacht; denn die wahre Jugend ist doch in der alten Zeit. In demselben Briefe lesen wir, daß er, während er an der Braut von Messina dichtete, fortwährend Aeschylus las.Einen interes- santen Artikel will ich beilegen, 4 Stücke von Aeschylus, welche Friedrich Stolberg noch in seiner guten Zeit übersetzt und jetzt erst herausgegeben hat. Sie lassen sich recht brav lesen, und ich muß gestehen, daß mich seit vielen Jahren nichts S0 mit Respekt durch- drungen hat, als diese hochpoetischen Werke. Wie sehr ihm dieses Buch am kierzen lag, zeigt ein Brief an Körner vom 7. Januar 1803, in dem er schreibt:Du hast mir noch nichts von dem Aeschylus geschrieben, den ich Dir überschickt. Ich wünschte, daß er auf Dich dieselbe Wirkung möchte gemacht haben wie auf mich, denn noch nichts hat mir eine so ächt poetische und hohe Stimmung gegeben. Wenn Du ihn nicht mehr brauchst, so sende ihn mir wieder. Schiller hielt die Braut von Messina für sein bestes Stück. Mehrfach sagt er von ihm, es sei im Stile der antiken Tragödie gedichtet, und der Chor sei hier in der strengen Form der Alten auf die Bühne gebracht worden. Ja, an W. v. Humboldt schreibt er am 17. Februar 1803, er solle beurteilen, ob er(Schiller) als ein Zeit- genosse des Sophokles auch einmal einen Preis davongetragen haben möchte, und ob er sich den antiken Geist angeeignet habe. Wenn dies der Fall sei, So verdanke er das seinem Studium des Aeschylus, der ihm einen hohen Eindruck gemacht habe. Er glaubte sogar, den Stamm unserer deutschen Bühne durch dieses griechische Reis be- sonders zu veredeln. Dies geht aus dem Briefe an lffland vom 22. April 1803 hervor, in dem er schreibt:Bei der Braut von Messina habe ich, ich will es Ihnen aufrichtig ge- stehen, einen kleinen Wettstreit mit den alten Tragikern versucht, vobei ich mehr an mich selbst, als an ein Publikum außer mir dachte, wiewohl ich innerlich überzeugt bin, daß bloß ein Dutzend lyrischer Stücke nötig sein würden, um auch diese Gattung, die uns jetzt fremd ist, bei den Deutschen in Aufnahme zu bringen, und ich würde dieses allerdings für einen großen Schritt zum Vollkommenen halten. Ubrigens aber werde ich es vor der Hand dabei bewenden lassen, da Einer allein nun einmal nicht hinreicht, den Krieg mit der ganzen Welt aufzunehmen. Wie sehr er davon überzeugt war, daß es das antike Gewand war, das in der Braut von Messina den gewaltigen Erfolg errungen hatte, zeigt der Brief, den er den 12. Juli 1803 auch an lffland schrieb, in dem es unter anderem heißt:Wenn Ihnen dieser Erfolg Lust und Neigung zu der alten Tragödie und zu einem neuen Versuch mit dem Chor erregen konnte, so wollte ich den Oedipus des Sophokles, ganz so wie er ist, bloß allein die Chorgesänge freier behandelt, auf die Bühne bringen.

Von dieser Zeit an finden sich in Schillers Briefen keine ausführlicheren Außerungen über das klassische Altertum mehr. Hatte er schon vom Wallenstein an alle seine Meister- werke unter stetem Kranksein geschrieben, so wurde er gleich nach Vollendung seines Wilhelm Tell wieder so stark von seinem alten Leiden, den Magenkrämpfen verbunden mit Brustentzündung befallen, daß sein Lebensbaum in den tiefsten Wurzeln erschüttert wurde. Sein letzter Brief an Körner vom 25. April 1805 beginnt:Die bessere Jahreszeit