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älteren und infolgedessen bedeutend reiferen Freunde unendlich viel lernen. Mit neidloser Bewunderung schaut er zu ihm auf, denn in ihm sah er das griechische Kunstideal schon vorhanden, das zu erreichen sein höchstes Ziel war. Aus vollem Herzen erkennt er Goethes Uberlegenheit in der Art an, wie dieser die ganze Natur anschaut, um über das Einzelne Licht zu bekommen, und wie er in der Allheit ihrer Erscheinungsarten den Erklärungsgrund für das Individuum aufsucht. Dies zu erkennen, schreibt er ihm, haben Sie den schwersten Weg eingeschlagen„und Sie haben gewählt, wie Achill in der lIlias zwischen Phthia und der Unsterblichkeit. Wären Sie als ein Grieche, ja nur als ein ltaliener geboren worden, und hätte schon von der Wiege an eine auserlesene Natur und eine idealisierende Kunst Sie umgeben, so wäre Ihr Weg unendlich verkürzt, vielleicht ganz überflüssig gemacht worden.... Nun, da Sie ein Deutscher geboren sind, da Ihr griechischer Geist in diese nordische Schöpfung geworfen wurde, so blieb Ihnen keine andere Wahl, als entweder selbst zum nordischen Künstler zu werden, oder Ihrer lmagi- nation das, was ihr die Wirklichkeit vorenthielt, durch Nachhilfe der Denkkraft zu ersetzen und so gleichsam von innen heraus und auf einem rationalen Wege ein Griechenland zu
gebären.— Dieser„griechische Geist“ also war es, den Schiller an Goethe erkannt und der den Jüngeren zum Alteren mächtig hinzog.
Noch einen anderen geistvollen Mann hatte Schiller schon einige Zeit vorher zum Freunde erhalten, W. v. Humboldt, der durch Fr. Aug. Wolf und Heyne gebildet, einer der besten Kenner des klassischen Altertums war. Auch er hat im höchsten Mabe an- regend und klärend auf Schiller gewirkt. Past alle Briefe zwischen Humboldt und Schiller behandeln Fragen, die das Altertum direkt oder indirekt angehen. Als Humboldt ihm einst geschrieben hatte, daß„unter allem ihm bekannten Griechischen“ keine Zeile sei, von der er sich Schiller als den Verfasser denken könnte, und daß dennoch Schillers Dichtungen alle wesentlichen Schönheiten der griechischen Poesie enthielten, da spricht er sich in der Antwort(20. Oktober 1705) aufs deutlichste über sein Verhältnis zum klassischen Altertum aus. Er schreibt ihm, er hätte sich in seiner Abhandlung über das Naive Aufschluß über sich selbst in der Frage gegeben:„Inwiefern kann ich bei dieser Entfernung von dem Geiste der griechischen Poesie, noch Dichter sein, und zwar besserer Dichter, als der Grad jener Entfernung zu erlauben scheint?“ Der Umstand, daß er sich in seiner Jugend nur aus modernen Quellen genährt und die griechische Literatur bis auf das Neue Testament völlig verabsäumt und selbst aus der lateinischen sehr sparsam geschöpft habe, erkläre seine ungriechische Form bei einem wirklich unverkennbaren Dichtergeist. Durch das Studium der Philosophie sei dann seine Vorstellungsweise erweitert worden, und er sei der Poesie wieder näher gekommen, weil er zugleich in dieser Zeit, obgleich nur sehr mittelbar, aus griechischen Quellen geschöpft habe. Diese schnelle Aneignung dieser fremden Natur unter so ungünstigen Umständen beweise, daß nicht eine ursprüngliche Differenz, sondern bloß der Zufall zwischen ihn und die Griechen getreten sei. Er habe eine„größere Affinität zu den Griechen“, als viele andere,„weil er sie, ohne einen un- mittelbaren Zugang zu ihnen, doch noch immer in seinen Kreis ziehen und mit seinen Fühlhörnern erfassen könne.“ Bei Mußze und Gesundheit wolle er Produkte zeitigen, die nicht ungriechischer sein sollen als die Produkte derer, die den Homer an der Quelle studierten.— Dieser Brief ist oft gegen Schiller ausgenutzt worden als ein Beweis, daß er vom Griechischen und Lateinischen nichts verstanden habe. Nach unserer Ansicht geschieht
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