Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

41

Mit den Tragikern der Griechen fing Schiller im Jahre 1788 an sich ernstlicher zu beschäftigen. Am 16. Oktober dieses Jahres schreibt er an den Verleger Crusius:Schicken Sie mir doch neu oder vom Antiquar, wie Sie es am schnellsten haben können. Euripides und Sophokles Tragoediae griechisch mit lateinischer Ubersetzung und auch Steinbrüchels aus Zürich deutsche Übersetzung des Sophokles und Buripides. Ich wünschte diese Bücher so bald als möglich zu haben. Aus dieser Zeit stammt auch Seine Übersetzung der Iphigenie in Aulis und der Phönizierinnen des Euripides und eine große Reihe von Briefen, die Urteile über diese Stücke enthalten.(S. 0O. S. 14 16.)

Schiller liebte es, in seinen Briefen sich ausführlich mit seinen Freunden über seine Werke zu unterhalten. Er nimmt geduldig jeden Tadel hin und hört aufmerksam auf jeden Vorschlag der Besserung. Auch über seine Künstler äußert er sich an sehr vielen Stellen seiner Briefe. Bei dieser Gelegenheit hören wir oft die herrlichsten Urteile über die Antike. Körner hatte ihm Dunkelheit mancher Stellen in diesem Gedichte zum Vorwurfe gemacht, 2. B. der StelleDas Kind der Schönheit, sich allein genug. Vollendet schon aus eurer fland gegangen, Verliert die Krone, die es trug, Sobald es Wirklichkeit empfangen,) und einer anderenEs muß das stolze Jovisbild lm Tempel zu Olympia sich neigen.²*) Darauf rechtfertigt sich Schiller in dem Briefe vom 30. März 1780, etwa folgendermaßen. ledes Kunstwerk habe zwar zunächst seinen eigenen selbständigen Zweck. In der fortgeschrittenen Kunst werde das einzelne Kunstwerk aber einem größeren Ganzen untergeordnet, die Statue dem Tempel, Hector der lliade, der Zeus des Phidias neige sich in seinem Tempel zu Olympia. Die eigentliche Schönheit des Ausdrucksneige sich liege in einer Anspielung auf die gebückte Stellung des olympischen Jupiters, der in diesem Tempel sitzend vorgestellt war und zwar so, daß er das Dach hätte aufheben müssen, wenn er sich aufgerichtet hätte. Ihm habe diese gebückte Stellung des olympischen Zeus immer sehr gefallen, weil sie ausdrücke, daß der Gott sich herabgelassen und nach demmenschlichen Einschränkung bequemt habe, und daß alles unter ihm zusammenfallen würde, wenn er sich aufgerichtet und als Gott gezeigt hätte. Es folgen in dieser Zeit zahlreiche Bekenntnisse, daß er nur durch die Alten sich Gewinn für sein ferneres dichterisches Schaffen verspreche, so schreibt er am 28. September 1780 an Körner:Ich habe den Livius mit hierher genommen, den ich jetzt zum allererstenmal lese, und der mir überaus viel Vergnügen gibt. Warum habe ich nicht Griechisch genug gelernt, um den Xenophon und Thucydides zu lesen? Mein eigener Stil ist noch nicht historisch und überhaupt noch nicht einfach, und nach den Neueren möchte ich ihn doch nicht gern bilden, und an denselben am 20. November 1700:Das Arbeiten im dramatischen Fache dürfte noch auf eine ziemlich lange Zeit hinausgerückt werden. Ehe ich der griechischen Tragödie durchaus mächtig bin und meine dunklen Ahnungen von Regel und Kunst in klare Begriffe verwandelt habe, lasse ich mich auf keine dramatische Ausarbeitung ein. 11

Nicht ohne Rührung kann man die Briefe aus dem Jahre 1701 lesen, in denen er seine lebensgefährliche Krankheit schildert. Trotzdem er ein halbes Jahr lang zwischen Leben und Tod schwebte und von Schmerzen gequält wurde, beschäftigten ihn schlafend und wachend seine Arbeiten. In dieser Zeit entstand seine Vergilübersetzung. Wer sieht diesen

) V. 157 100. *) V. 204 208. 4.