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Schillers Briefe.
Einen vortreftlichen Schlüsse] zum Verständnisse seiner Schriften wie auch zur Er- kenntnis seiner Weltanschauung bieten Schillers Briefe. Sie sind eine notwendige Ergänzung zu seinen Werken und gexwähren uns die tiefsten Einblicke in die Werkstatt seines Geistes. Sie gehören nach Goethes Aussage mit zu dem Vortrefflichsten, was er geschrieben hat,
und zeigen, wenn wir sie der Zeit nach verfolgen, am besten sein Ringen, Wachsen und Werden als Mensch und als Dichter.
Schillers Jugendbriefe, etwa bis zum Jahre 1780, enthalten nur wenige Urteile über das klassische Altertum. Sie sind zuerst meist der Ausdruck eines gepreßten und ge- ängstigten Hierzens und schildern seine Erlebnisse von der Schule an, und sein Kämpfen und Ringen bis zu seiner Ubersiedelung nach Weimar. So ganz ohne Hinweis auf die Antike sind sie aber nicht. So erwähnt er schon in einem Briefe vom 11. Juli 1780 an den Oberst V. Seeger,¹) dah er dem Eleven Grammont aus den Biographieen des Plutarch vorgelesen habe. Am 2. Februar 1782 schreibt er an Schwan:„Gegenwärtig muß ich den flelikon verlassen und mit der Schlange von Epidaurus spielen.“ In einem Briefe an Dalberg vom 4. Juni 1782 schreibt er:„In diesem Norden des Geschmacks werde ich ewig niemals gedeihen, wenn mich sonst glücklichere Sterne und ein griechisches Klima zum wahren Dichter erwärmen würden.“ Das Begleitschreiben Schillers zu dem Hochzeits- geschenk für seinen besten Freund Körner vom 7. August 1785 enthält eine phantasievolle Paramythie aus der griechischen Götterwelt.— Auch lateinische Citate finden sich, wie überhaupt nicht selten bei Schiller, so auch in den Briefen aus dieser Zeit, z. B. den 1. Juli 1784 in magnis voluisse sat est und aus Cicero, de natura deorum das Wort nemo unquam vir magnus fuit sine aliquo afflatu divino(den 7. Mai 1785). An einem Werke Stollbergs rühmt er die griechische Simplizität(den 20. Dezember 1780), an Lucian, den er in der Wielandschen Ubersetzung kennen gelernt hatte die herrliche Wahrheit und sokratische Einfalt, Griechenland und Rom könne man trefflich aus ihm kennen lernen (den 10. Dezember 1787).
Vom Jahre 1788 an lassen sich die Einwirkungen der Antike deutlicher verfolgen. Wenn Schiller in einem Briefe an Körner(den 7. Januar 1788) den Unterschied eines geschichtlichen und eines frei erdachten Stoffes für ein Drama klar macht und für beide die innere Wahrheit„die philosophische innere Notwendigkeit“ und das„Unterrichtende“ fordert, so erkennen wir deutlich die Lehren heraus, die Aristoteles in seiner Poetik über das Drama aufgestellt hat. In ähnlicher Weise äußert er sich in einem Schreiben an Karoline v. Beulwitz vom 10. Dezember 1788 über die Geschichte und die poetische Dar- stellung. Er ist der Ansicht, daß erstere Zwar durch den Vorzug der Wahrheit über der Dichtung zu stehen scheine. Es frage sich aber, ob die innere Wahrheit, die er die philosophische und Kunstwahrheit nennen wolle, und die in ihrer ganzen Fülle in jeder poetischen Darstellung herrschen müsse, nicht ebensoviel Wert habe, als die historische. Denn so lerne man nicht ein Individuum, sondern den Menschen, die Gattung kennen. Aus diesen Worten hört man deutlich das Aristotelische„die Poesie ist philosophischer
¹) Siehe Schillers Briefe, herausgegeben von Fritz Jonas.


