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Stücken Stets den letzten Zweck der Tragödie, der nach den Forderungen des Aristoteles darin besteht, Furcht und Mitleid zu erregen. Schiller läßt im Laufe der Besprechung durchblicken, daß die Neueren mit der dritten Gattung, die uns Charaktere vorführt, diesen Zweck nicht erreichen.— Von Goethes Iphigenie sagt Schiller(1780), man finde hier die imponierende große Ruhe, die jede Antike so unerreichbar macht, die Würde, den schönen Ernst, auch in den höchsten Ausbrüchen der Leidenschaft(S. 280). Schiller gibt erst eine Inhaltsangabe des Euripideischen Stückes. Bei Besprechung der Scene, in der Pylades die Gründe nennt, die ihn veranlassen, mit Orest Zusammen zu sterben, macht Schiller auf die antike Art aufmerksam, wie Euripides es vermeidet, den Pylades eine reine idealische Großmut zeigen zu lassen, wie wenig er ihm erlaubt, sich über die Menschheit zu erheben 4).
In seiner Abhandlung über Bürgers Gedichte(1701) sagt Schiller:„Ein Volksdichter, in jenem Sinne, wie es Homer seinem Weltalter war, dürfte in unsern Tagen vergeblich gesucht werden. Unsre Welt ist die homerische nicht mehr, wo alle Glieder der Gesellschaft im Empfinden und Meinen ungefähr dieselbe Stufe einnahmen, sich also leicht in derselben Stimmung erkennen, in demselben Gefühle begegnen konnten.“*)
Bei der Besprechung von Matthissons Gedichten(1704) geht Schiller von dem Gedanken aus, daß die Griechen in der guten Zeit der Kunst weder eine Landschaftsmalerei, noch eine Landschaftsdichtung gehabt haben. Man nahm bei ihnen zwar die unbeseelte Natur in der Schilderung einer flandlung mit hinein, aber eine eigene Art der Poesie war die Landschaftsdichtung nicht. Den Alten kam es bloß auf die Menschheit an und niemand erreiche den Homer, den großen Maler der Natur, in der Wahrheit, Individualität und Lebendigkeit. Den Griechen, diesen Kennern und leidenschaftlichen Freunden alles Schönen, fehlte es nicht an Empfänglichkeit für die Beize der leblosen Natur, sondern sie verschmähten diesen Stoff, weil sie ihn mit ihren Begriffen von schöner Kunst unvereinbar fanden. ³)
In der Ankündigung der Horen, einer Monatsschrift, die Schiller in den Jahren 1705 bis 1708 herausgab, erklärt er sich über den Zweck, den diese neue Zeitschrift verfolgt und sagt, indem er gewissermaßen mit dem Namen und der mythologischen Bedeutung der floren spielt;„Wohlanständigkeit und Ordnung,(erechtigkeit und Friede werden der Geist und die Regel dieser Zeitschrift sein; die drei schwesterlichen Horen, Eunomia, Dike und lrene, werden sie regieren. In diesen Göttergestalten verehrte der Grieche die welt- erhaltende Ordnung, aus der alles Gute fließt und die in dem gleichförmigen Rhythmus des Sonnenlaufs ihr treffendstes Sinnbild findet. Die Fabel macht sie zu Töchtern der Themis und des Zeus, des Gesetzes und der Macht.... Die Horen waren es, welche die neu— geborene Venus bei ihrer ersten Erscheinung in Cypern empfingen, sie mit göttlichen Gewanden bekleideten und so in den Kreis der Unsterblichen führten; eine reizende Dichtung, durch die angedeutet wird, daß das Schöne schon in seiner Geburt sich unter Regeln fügen muß und nur durch Gesetzmäßigkeit würdig werden kann, einen Plat- im Olymp, Unsterblichkeit und einen moralischen Wert zu erhalten.... Man sieht sie im Gefolge der Huldgöttinnen und in dem Dienste der Königin des Himmels, weil Anmut und Ordnung, Wohlanständigkeit und Würde unzertrennlich sind“.*)
S. 204. S. 310. S. 341. S. 380 f.


