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seinen Enkel, mit göttlichen Waffen und bewirkt durch seine siegende Kraft die große Entscheidung.“) Der hier hervorgehobene Mangel an harmonischer, einheitlicher Ge- staltung der Persönlichkeit und an reinem Menschentum trifft auf die Entwicklung der Menschheit in unsern Tagen noch mehr zu als auf die Zeit, wo Schiller seine Betrachtungen anstellte. Der von unserer Zeit eingeschlagene ganz andere Weg ist es eben, der die Neueren auf die Antike geringschätzig herabblicken läßt, indem der rechte Maßstab ab- handen gekommen ist, wie andrerseits die Vernachlässigung des antiken Kunstideals auf den zur Zeit eingeschlagenen Weg erst geführt und mit beigetragen hat zu dem niedrigeren Niveau, auf dem wir heute stehen und von dem aus vir urteilen, indem beides sich wechselseitig bedingt.— Nach Schillers Ansicht steht der Aufnahme der Wahrheit der Mangel an Mut entgegen. Das Sapere aude des Horaz könne uns helfen. Nicht ohne Grund lasse die griechische Mythe die Göttin der Weisheit in voller Rüstung aus Jupiters Haupte steigen, denn schon ihre erste Verrichtung sei kriegerisch, und um Herz und Kopf auszubilden, bedürfe der Mensch überall des Kampfes. Man müsse die Weisheit lieben, wie Pythagoras, von dem die Philosophie wegen seiner Liebe zur Weisheit ihren Namen erhalten habe.²)— Im neunten Brief sagt Schiller deutlich, daß die Kunst es ist, die der Menschheit diesen Dienst leisten kann; und daß die Griechen es sind, durch die der Künstler zu seinem hohen Beruf gebildet werden könne, spricht er ebenso deutlich aus, indem er sagt:„Der Künstler sei zwar ein Sohn seiner Zeit, eine wohltätige Cottheit reiße ihn aber von seiner Mutter Brust und lasse ihn unter fernem griechischen Himmel zur Mündigkeit reifen. Wenn er Mann geworden, kehre er zurück, aber nicht, um sein Jahr- hundert zu erfreuen, sondern furchtbar wie Agamemnons Sohn, um es zu reinigen.“³)— Der Künstler soll nach Schillers Ansicht seine Zeit bilden und heben. Das Leben und die Wirklichkeit faßt die Menschen rauh an und scheucht sie zurück, aber„im Spiele“, das ist, in der Kunst, ertragen sie den Ernst der Sittengesetze. Deshalb soll der Künstler die Menschen durch das künstlerische Spiel ergreifen und seine bildende Hand hier anlegen.— Die folgenden Kapitel sind die wichtigsten in der ganzen Abhandlung. Schiller befürchtete mit Recht, man würde ihm einwenden, in Wirklichkeit erweise die Kunst der Menschheit durchaus nicht diesen Dienst, denn die Geschichte lehre, daß die Blüte der Kunst nicht auch sittliche Höhe eines Volkes immer im Gefolge habe. Er geht deshalb ausführlich auf diesen Einwurf ein. Im zehnten Brief sagt er, bei den Griechen, der gesittetsten Nation des Altertums, bei der das Schönheitsgefühl zugleich seine höchste Entwicklung erreichte, hätte es schon Männer gegeben,— er denkt an Plato und seinen Staat— die die schöne Kultur für nichts weniger als eine Wohltat hielten und deswegen sehr geneigt waren, den Künsten den Eintritt in ihre Republik zu verwehren. Ahnlich wie Rousseau es tut, zählt er alles auf, was man den Künsten zum Vorwurfe macht. So lange Sparta und Athen noch mächtige Staaten waren, war ihr Geschmack noch unreif, die Kunst noch in ihrer Kindheit. Als aber unter Perikles und Alexander das goldene Zeitalter der Kunst herbeikam, findet man Griechenlands Kraft und Freiheit nicht mehr. Ahnlich war es in Rom.— Diese Erfahrung, meint Schiller, sei nicht die Richterin, die diese Frage ent- scheiden könne. Die Schönheit, die den Völkern Schaden zufüge, sei die„schmelzende“,
¹) S. 238. ²) S. 240. ³) S. 241.


