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zeigt Aristophanes, obgleich auch bei ihm manche derartige Scene die Grenze überschreitet und schlechterdings verwerflich ist). Ahnlich wie Lessing im Laokoon und vielfach im Anschlusse an diesen macht Schiller einen Unterschied zwischen Dichter und Maler in der Darstellung des Niedrigen.„Wenn uns Hiomer,“ sagt er²),„Seinen Ulyß in Bettlerlumpen auftreten läßt, Sso kommt es auf uns an, wie wir uns dies Bild ausmalen wollen. Es wird uns nie unangenehm oder ekelhaft sein. Wenn aber der Maler oder gar der Schauspieler den Ulyß dem Homer getreu nachbilden wollte, Sso würden wir uns mit Widerwillen davon hinwegwenden.“— Um zu beweisen, daß auch das Schreckliche für uns eine Quelle des Vergnügens sein kann, führt Schiller in den Zerstreuten Betrachtungen über verschiedene ästhetische Gegenstände(1793) die Erinnyen an. In ihrer Häßlichkeit, sagt er, empören sie unsere Sinne und beleidigen sie unseren Geschmack. Wenn sie aber aus dem Orkus hervorsteigen, um den Muttermörder Orest zu verfolgen und die zürnende Gerechtigkeit zu versöhnen, dann verweilen wir mit einem angenehmen Grausen bei dieser Vorstellung... „Die Medea des griechischen Trauerspiels, Klytämnestra, die ihren Gemahl ermordet, Orest, der seine Mutter tötet, erfüllen unser Gemüt mit einer schauerlichen Lust“).
Eine der bedeutendsten philosophischen Schriften Schillers ist ohne Frage die Ab- handlung„Uber die ästhetische Erziehung des Menschen“(1795). Diese Schrift, die nach Schillers eigenem Geständnisse meist Kantische Grundsätze enthält, ist für unseren Zweck äußerst wichtig. Denn sie zeigt deutlich, daß Schiller die(Gesetze des Königsberger Philosophen, die dieser für die Kunst theoretisch aufstellt, bei keinem Volke besser ver- wirklicht findet, als bei den Griechen. Im sechsten Briefe macht er auf den Unterschied aufmerksam, der sich zwischen der heutigen Form der Menschheit und der griechischen findet. Die griechische Natur, sagt er, vermählte sich mit aller Würde der Weisheit, ohne doch, wie die unsrige, das Opfer derselben zu sein. Die Giriechen beschämen uns durch ihre Einfachheit und sind uns ein Muster im echt Menschlichen und Natürlichen. Sie ver- einigen die Jugend der Phantasie mit der Männlichkeit der Vernunft. Die Menschheit im ganzen mag heute Vorzüge vor den Griechen, dem besten Geschlecht der Vorwelt, haben, aber kein Einzelner, kein Neuerer kann dem einzelnen Athener den Preis der Menschheit streitig machen. Der einzelne Grieche qualifiziert sich wohl als Repräsentant seiner Zeit, nicht aber der einzelne Neuere. Heute entwickelt der Mensch nicht mehr die Harmonie seines Wesens. Der Staat nimmt die Kräfte seiner Diener heute ganz in Anspruch und sieht es ihnen eher noch nach, daß sie der Venus Cytherea als der Venus Urania huldigen.“ „Die Erscheinung der griechischen Menschheit war unstreitig ein Maximum, das auf dieser Stufe weder verharren noch höher steigen konnte.“ Wollte sie noch höher klimmen,„So mußtte sie wie wir die Totalität ihres Wesens aufgeben und die Wahrheit auf getrennten Bahnen verfolgen“.— Das tun wir Neueren, wir bilden die Kräfte des Menschen getrennt aus, aber deshalb sind wir auch noch immer Barbaren. Der Staat kann nicht helfend ein- greifen, er kann die bessere Menschheit nicht begründen, sondern muß erst selbst darauf begründet werden. Auch die Vernunft wird diese Schwierigkeit nicht beseitigen und„so wenig als der Sohn des Saturns in der Ilias auf den Kampfplatz heruntersteigen. Aber aus der Mitte der Streiter wählt sie sich den würdigsten aus, bekleidet ihn, wie Zeus
1) S. 185. ²) S. 180. ²) S. 195. ⁴) S. 232.


