Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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Geschenk, Hermes den Anker, Bacchus die Traube, Minerva den Olbaum, Poseidon das Roß herbei, Mutter Cybele spannt die Löwen an die Deichsel des Wagens. Auch verden metonymisch die Götter selbst für ihre Gaben gesetzt, wie Ceres für Brot, Diana für Jagd, Venus für Liebe. Um den Gedanken auszudrücken, daß das Leben schal ist, wenn ihm die Kunst genommen wird, sagt er, der Liebesgötter Schar entflieht, der Musen Spiel ver- stummt, es ruhn der Horen Tänze, Apoll zerbricht die goldne Leier, Hermes seinen Wunder- stab. Bei ihm reicht Ceres die Speise, Bacchus den Trank, Hebe wartet auf, Apoll führt den Reigen. Oberall läßt er die griechischen Götter vom Himmel steigen, um uns durch ihre Gaben zu bereichern. So oder ähnlich hat es Schiller in allen Perioden seines Lebens gemacht. Stets hat er sich mit Vorliebe des klassischen Altertums bedient, um selbst moderne Gedanken auszudrücken. Schiller hat sich über diese seine Eigenart in einem Briefe an Herder(den 4. November 1705) folgendermaßen geäëußert:Es scheint mir für den poetischen Genius ein Gewinn zu sein, daß er seine eigene Welt formiert und durch die griechischen Mythen der Verwandte eines fernen, fremden und idealischen Zeitalters bleibt, da ihn die Wirklichkeit nur beschmutzen würde. Auch in anderer Hinsicht zeigt sich Schiller als ein gelehriger Schüler der Griechen. Die kunstvolle Art der Schilderung, die Lessing im Laokoon an Homer rühmte, die darin besteht, einen Körper nicht als einen fertigen vorzuführen, sondern ihn vor unseren Augen entstehen zu lassen, hat Schiller meisterhaft geübt. So führt er uns das grause Untier in seinem Kampf mit dem Drachen- nicht fertig vor, sondern er schildert, wie das Abbild des Drachen durch des Künstlers Hand allmählich entsteht. Andere Beispiele finden sich in Menge. lch erinnere nur, um noch eins für viele zu nennen, an die Glocke, die ja auch nicht als fertig vorgeführt wird, sondern die Schiller vor unseren Augen gießen läßt. Das Lied von der Glocke(1800) läßt auch sonst die Nachahmung Homers erkennen und ist der homerischen Beschreibung des Schildes des Achill nachgebildet. Wie Homer dort das Leben der Menschen in friedlichen und kriegerischen Bildern vorführt, so schildert Schiller in der Glocke das Leben in der Familie und im öffentlichen Leben, im Glück und im Unglück, im Kriege und im Frieden. Oft sind Ausdrücke der alten Dichter direkt übersetzt. Dasund der Rinder breitgestirnte Scharen ist doch durch das homerische ov oνοε᷑ςν entstanden, die unnahbarn Hände sind die Neloes danto des Homer. König Rudolfs heilige Macht ist doch deutlich dem 1eòv Hevoꝓ AXzwοοο nachgebildet, die lächelnde Dione erinnert an das homerische ρνκνμέοεωα AFppodten, die duftenden Laden an dυυεα ναα. Hiermit sind wir in das Kapitel der so- genannten Epitheta ornantia gekommen, in deren Wahl sich Schiller deutlich als Schüler Homers zeigt. Es wird nicht nötig sein, hierfür Beispiele anzuführen. Sie finden sich fast in jedem Gedichte. Oft sind es ganze(emälde und Situationen, in denen eine Beeinflussung durch alte Dichterstellen erkennbar ist. ImGraf von Habsburg z. B. erinnert die Scene, wo es heiltUnd verbirgt der Tränen stürzenden Quell In des Mantels purpurnen Falten an die ähnliche Scene bei Homer, wo er sagt:Dieses sang der berühmte Demodokos. Aber Odysseus Schmolz in Wehmut, Tränen benetzten ihm Wimpern und Wangen.... Allen übrigen Gästen verbarg er die stürzende Träne.(Od. VIII, v. 521 ff.) Im Taucher malt die StropheUnd es wallet und siedet und brauset und zischt.... aufs vor züglichste das Branden und Wogen des Meeres, und als ihm Goethe aus der Schweiz (d. 22. Sept. 1797) schrieb, daß sich der Vers bei dem Rheinfalle von Schaffhausentrefflich legitimiert habe, antwortete ihm Schiller(d. 6. Okt. 1707):Ich habe diese Natur nirgends

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