Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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als etwa bei einer Mühle studieren können, aber weil ich Homers Beschreibung von der Charybde genau studierte, so hat mich dieses vielleicht bei der Natur erhalten. Eine Nachbildung des Horazischen Scandit aeratas vitiosa naves Cura nec turmas equitum relinquit ¹) ist unzweifelhaft der Schluß des Siegesfestes:Um das Roß des Reiters schweben, Um das Schiff die Sorgen her. Ünendlich viele derartige Obereinstimmungen lieben sich zusammenstellen, doch ist hier Vorsicht besonders nötig. Ahnliche Situationen ef- zeugen auch ähnliche Gedanken, und nicht braucht überall da eine Entlehnung vorzuliegen, wo Anklänge an alte Schriftsteller vorhanden sind.

Aus dem Gesagten scheint uns unwiderleglich hervorzugehen, daß Schiller auch in seiner Lyrik von der Antike aufs nachhaltigste beeinflußt worden ist und daß er sich mit Vorliebe, ja man kann sagen, fast ausschließlich altklassischer Anschauungen und Gedanken in allen Perioden seines lyrischen Schaffens bedient hat, um seine reichen ldeen auszudrücken.

Schillers Prosa-Scheiften.

Nachdem wir das Verhältnis Schillers zum klassischen Altertum in seinen Dichtungen klargelegt haben, wenden wir uns zu seinen Prosa-Schriften, besonders den philosophischen, die, wenn sie auch meist Ausführungen Kantischer ldeen sind, doch auch manches recht ausführliche Urteil über das Altertum enthalten.

Von seinen Arbeiten auf dem Felde der Geschichte behandelt nur eine einen antiken Stoff, nämlich die Schrift über die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon(1700), von der es übrigens nicht sicher ist, ob sie von Schiller stammt. Manche glauben, sie hat Schillers Lehrer Nast zum Verfasser. Sie lehnt sich größtenteils an Plutarch an, folgt aber auch französischen Quellen. So sehr der Verfasser dieser Schrift auch an der Gesetzgebung des Lykurg die Klugheit des Gesetzgebers bewundert, die alle Tugenden der Bürger der einen, der Vaterlandsliebe, unterordnet, so verkennt er doch nicht das Rücksichtslose an ihr, und gibt der Solonischen den Preis, in der nicht alles der Staatsidee untergeordnet ist, sondern der Bürger Freiheit zu steter Vervollkommnung und Entfaltung aller Kräfte des Leibes und der Seele erhält. Auf Schillers Vorliebe für die Bia: aAρινσσϑϑ‿ι des plutarch beruht seine Bevorzugung des Biographischen in der Schilderung geschichtlicher Tatsachen. In seinen beiden großen historischen Werken, dem Abfäall der Niederlande(1788) und der Geschichte des dreißigjährigen Krieges(1702) verweilt Schiller weniger bei den Begebenheiten, als bei den großen Männern dieser Zeiten. Ja wie Plutarch, wenn er das Leben zweier Männer geschildert hat, zum Schluß einen Vergleich beider gibt, so stellt Schiller in seinen geschichtlichen Werken gern zwei Männer zusammen, vergleicht sie, wägt sie gegeneinander ab und geht beständig von dem einen auf den anderen über, s0 bei Egmont und Oranien, bei Philipp und Karl V., bei Wallenstein und Tilly und vielen anderen.) Auch in den Prosa-Schriften nimmt Schiller gern Bilder und Vergleiche aus dem Altertum und bedient sich antiker Beispiele und Vorstellungen, um seinen Gedanken Ausdruck zu geben, in den geschichtlichen Werken allerdings nicht so oft, wie in den

1) Carm. II., 16. v. 21 22. ²) Vergl. Fries, a. a. O., S. 421 ff.