Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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. Artemis hilft Bauholz fällen, Poseidon bricht granit'ne Säulen aus dem Erdgerippel, Apoll lockt aus goldnen Saiten Melodieen, Cybele gibt der Stadt Tore und Riegel, Hera stiftet die Ehe.

Mit allen diesen der griechischen Mythologie entnommenen Bildern und Anschauungen sind wir heute so vertraut, ist das deutsche Volk so verwachsen, daß wir uns einen Wegfall dieser Bildungsfermente oder einen Ersatz durch andere kaum vorstellen können.

Auch aus antiker Quelle geschöpft ist der Stoff zu der Ballade Hero und Leander(1801). Ob Schiller durch ein Gedicht des Alexandriners Musäus oder durch Ovids Heroides oder Vergils Georgica auf den Stoff aufmerksam geworden ist, steht nicht fest. Besonders reizte ihn, diese Sage zu behandeln, der Gegensatz zwischen den fühllosen Elementarkräften und der Macht der Liebe. Die Naturgewalten sind wie die antiken Götter nicht bloß rück- sichtslos, sie sind auch verräterisch, unerbittlich und schadenfroh. Wie die Personen und der Schauplatz in diesem Gedichte dem Altertum angehören, so sind ihm auch die Mythen, die Vergleiche, ja selbst einzelne Ausdrücke entnommen. Gleich zu Anfang werden wir an drei Mythen aus der Hieroenzeit erinnert, an den Mythus von Theseus, der durch Ariadnes Paden gerettet wurde, an Jason, der durch Medeas Hiilfe den Pflug mit den feuersprühenden Stieren bespannte, und an Orpheus, der in die Unterwelt ging, um seine geliebte Gattin Euridice zu holen. Und so sind wir denn auch hier von lauter griechischen Anschauungen und lauter griechischen Göttern umgeben.

Noch drei Gedichte wollen wir nennen, die uns tief in das Altertum hineinführen, nämlich Das ldeal und das Leben(1705), Kassandra(1802) und Das Siegesfest(1803). Das erstere ist eine Frucht von Schillers philosophischen Studien. Der Inhalt schließt sich eng an die Gedanken an, die er in den Briefen Uber die ästhetische Erziehung des Menschen niedergelegt hat. Das höchste Ziel desSpieltriebes, die reine Form, frei von allem Lastenden des Stoffs, ist das Ideal. Die höchste Harmonie der geistigen Kräfte, Sinnenglück und Seelenfrieden, ist dem Menschen versagt. Oberall im irdischen Leben ist Kampf und Streit, nur im Reiche des ldeals ist Ruhe und Freude. In dem Bilde des Herkules, der nach Vollbringung seiner gewaltigen Taten zu den Göttern emporsteigen durfte, schildert uns Schiller eine Vermittelung. Das GCöttliche scheidet sich vom Menschlichen und geht ein zu Gott. So sucht Schiller hier den Nachweis zu liefern, daß das Schöne eine Harmonie zwischen der sinnlichen und der sittlichen Natur des Menschen herzustellen vermöge.

Das zweite Gedicht ist durch Schillers Studien des Aeschyleischen Agamemnon hervor- gerufen, wo Kassandra schon als Seherin erscheint, deren Weissagungen nicht geglaubt werden. Bei Schiller ist sie eine stille Unglückliche, die sich mit ihrem Kummer von der Welt zurückzieht. Was sie aber besonders unglücklich macht, das ist der klare Blick in die Zukunft, die nichts wie Verderben für sie und ihr Vaterland bringen wird. Damit verbindet Schiller den tiefen Gedanken, daß es überhaupt verderblich ist, in die Tiefen des Lebens hineinzublicken und darüber den Genuß des Augenblicks zu vergessen.Nur der Urrtum ist das Leben, Und das Wissen ist der Tod. Auch in diesem Gedichte lassen sich Schillers eifrige Studien der antiken Dichter bis ins einzelne nachweisen.

In dem letzten Gedichte, das wir besonders hervorheben wollen, dem Siegesfeste, erinnert schon die Form an Schillers Eigenart, die Gedanken antithetisch gegenüberzustellen. In acht Versen werden Ereignisse von Troja geschildert, in vier sich daran anschließenden