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Entsagung von Freude und Abtötung der Sinnenlust von dem Einzelnen verlangt! Und wie das Leben bei den Griechen heiter war, so war auch weder der Tod bei ihnen etwas Schreckliches noch das Leben nach dem Tode. Mit wehmütiger Klage über ihr Schwinden denkt Schiller an diese Zeit und an das Land zurück, wo solche Götter heimisch waren. Wie groß muß seine Liebe, seine Begeisterung für das Altertum, wie heiß seine Sehnsucht nach der Hellenenwelt gewesen sein, wenn er dies Gedicht mit den Worten endigt):„Ja, sie kehrten heim, und alles Schöne, Alles Hohe nahmen sie mit fort, Alle Farben, alle Lebenstöne, Und uns blieb nur das entseelte Wort«! Daß diese Stimmung nicht vorübergehend, sondern anhaltend war, zeigt unter anderem das aus späterer Zeit stammende Gedicht, Die Sänger der Vorwelt(1705), in dem Schiller mit Schmerz an die schöne Zeit des Griechentums zurückdenkt, wo des Dichters Wort noch des Hörers Gefühle entflammte, während der Neuere kaum noch im Herzen die himmlische Gottheit vernimmt. Noch im Jahre 1803 nennt er die Zeit des Griechentums das Blütenalter der Menschheit und spricht von dem Zauber dieser nie wiederkehrenden, unser eisernes Zeitalter aus blauer Ferne freundlich anlächelnden Aera, rühmt den jugendlichen Frohsinn, der die Hellenen beflügelte, und preist ihre hohe Kunst, die die Propylaeen zu Götterwohnungen heiligte.*)— Das Gedicht Die Künstler(1780) übertrifft an Tiefe des Inhalts und Schwung der Darstellung wohl alles, was Schiller bis dahin gedichtet hatte. Was ihm aber einen besonderen Zauber verleiht, ist der griechische Geist, dessen Hauch in dem ganzen Kunstwerke verspürt wird. Schiller war besonders durch Wieland auf die Griechen hingewiesen worden, der richtig erkannt hatte, daß der kühne, maßlose Dichtergeist Schillers durch nichts so geläutert werden könne, als durch die„edle Einfalt und stille Größe“ griechischer Kunstwerke. Mit einem wahren Feuereifer beschäftigte sich Schiller in dieser Zeit mit den Alten und die Frucht dieses Studiums sehen wir in den Künstlern gezeitigt. Zum Wahren und Guten, das will Schiller in diesem Gedichte sagen, kommen wir nur durch das Schöne. Dieses Schöne ist aber,— zu der Ansicht hatte er sich damals schon durchgerungen,— nirgends herrlicher zu finden, als in der griechischen Kunst, in der formschönen Welt des Altertums, in der die„Venus Cypria“ und die Venus„Urania“ sich den Menschen als ein und dasselbe Wesen darstellen. Die Griechen hatte Schiller bei der Darstellung der allmählichen Entwicklung der Kunst vor Augen, weil sich bei ihnen die Kunst am reinsten und natürlichsten entfaltet hat. Er sah die Blüte der Kunst im alten Griechenland als die erste Blütezeit der Geisteskultur der gesamten Menschheit an. Welche gewaltige kulturhistorische Mission weist Schiller hiermit den Griechen an!
Gewissermaßen den UÜbergang von der zweiten zur dritten Periode der Lyrik Schillers bildet seine UÜbersetzung aus der Aeneis des Vergil(17901— 1702). Schon im Jahre 1780, als er noch für Brutus schwärmte, hatte sein auf das große und erhabene gerichteter Sinn aus dem ersten Buche die Verse 34— 150, also 123 Verse in 143 Hexametern übersetzt, die er als besonderes Gedicht unter dem Titel„Der Sturm auf dem Tyrrhener-Meere“ hatte erscheinen lassen. Die Ubersetzung ist im wesentlichen von Mißverständnissen frei, die Sprache ist aber breiter und pathetischer als bei Vergil. Ungefähr zehn Jahre später übersetzte er das zweite und vierte Buch ganz. und zwar in freien Stanzen. Seiner Ubersetzung des zweiten Buches hat er ein kurzes Begleitschreiben mit auf den Weg gegeben(1702).
¹) In der zweiten Bearbeitung.(1800.)*²) Jonas, Schillers Briefe VII, S. 72.
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