Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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2 ʃ für Laura. Natürlich ist in allen diesen Gedichten griechische Mythologie verwendet, und so finden wir hier den Mythus von der Hochzeit des Saturn und werden bald ins Chaos, bald in den Orkus versetzt, sind bald von Orpheus' Saitenruf, bald von Amoretten

umgeben.

Ebenso steht Schiller in dem GedichteDer Triumph der Liebe(1781) ganz auf dem Boden der griechischen Sage. Auch hier findet sich die ganze griechische Götterwelt. Von der Fabel der Deukalionischen Flut geht er aus, schildert die Geburt der Venus, preist den Pygmalion, läßt die olympischen Götter entstehen und feiert die Macht der Liebe über Himmel, Erde und Unterwelt. Viele Stellen erinnern deutlich an Hesiod, Homer und Ovid. Wie in den Lauraliedern die Lehren der alten griechischen Kosmogonie verwertet sind, so wird auch hier die Liebe als die Macht gefeiert, die die getrennten Grundstoffe zusammenführt und verbindet. Ist dieses Gedicht eine Verherrlichung der Venus Urania, so schildert ganz im Gegensatze hierzu Der Venuswagen(1781) das Unheil, das die Wollust, die Venus Pandemos, diefeile Cypria, über die Menschen bringt.

Diese eben besprochenen Gedichte der ersten Periode werden genügen, Schillers Vorliebe für die Antike zu beweisen.

Zweite Periode.(Bis zum Jahre 1700.)

Die bedeutendsten Gedichte der zweiten Periode sind Das Lied an die Freude(1785), Die Götter Griechenlands(1788 und Die Künstler(1780). Das erste Gedicht atmet griechische Lebensfreude und ist in gewissem Sinne mit der Hymne Triumph der Liebe verwandt. Wie er in dieser die Liebe als Triebfeder feiert, die das ganze Weltall regiert, so preist er hier in ähnlicher Weise das Gefühl der Freude. Die Aufgabe des Chors in diesem Gedichte ist eine ähnliche, wie in der griechischen Tragödie. Er zieht auch hier die Resultate des Lebens und spricht die Worte der Weisheit. Von dem zweiten Gedichte, den Göttern Oriechenlands, sagt Schiller selbst, es sei ziemlich das beste, Was er neuerdings hervor- gebracht habe*) Von einigen Zeitgenossen wurde es getadelt, weil es die heiligsten Gefühle mancher Menschen verletze. Zu seiner Rechtfertigung schreibt Schiller hierüber den 25. Dezember 1788 an Körner:Der Gott, den ich in den Gõttern Griechenlands in Schatten stelle, ist nicht der Gott der Philosophen, oder auch nur das wohltätige Traumbild des großen Haufens, sondern er ist eine aus vielen gebrechlichen schiefen Vorstellungsarten zusammengeflossene Mibgeburt. Die Götter der Griechen, die ich ins Licht stelle, sind nur die lieblichen Eigenschaften der griechischen Mythologie in eine Vorstellungsart zusammen- gefalt. Sein poetisch-ästhetisches Bedürfnis hatte dieses Gedicht geschaffen, und er hat in ihm seine religiöse Weltanschauung in meisterhafter Weise zum Ausdrucke gebracht. Mit heißer Sehnsucht denkt er an die Zeit der alten Griechen, an dieses goldene Zeitalter der Menschheit zurück, wo es noch eine heitere, poetische Auffassung der Welt, und was in ihr vorgeht, und einen fröhlichen Sinnenkultus gab; wo die Götter noch mitten unter den Menschen wandelten, und die ganze Natur durch Gottheiten belebt War. Echt menschliches Gefühl und eine glückliche Phantasie zeichneten das Volk der Griechen im allgemeinen und ihre Religion im besonderen aus. Wie froh und heiter verbrachten damals die Menschen ihr Dasein im Gegensatze zu unserer Zeit, die die Welt als ein Jammertal auffaßt und

¹) Brief an Körner vom 17. März 1788. 3*