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sächlichsten Gedichte dieser Periode sind Hektors Abschied, die Lauralieder, der Triumph der Liebe und der Venuswagen. Da Schiller am Anfange seiner dichterischen Laufbahn ganz den Spuren Klopstocks folgt, wäre es sehr natürlich gewesen, wenn er, wie dieser, Gott, Vaterland und Freundschaft besungen hätte. Unter der großen Menge seiner Jugend- gedichte finden wir aber nur ein einziges religiöses— die Hymne auf den Unendlichen— und wenige vaterländische. Freundschaft und Liebe sind eher noch Stoffe seiner Dichtungen. Am meisten aber wurde seine Muse von dem heroischen Altertum beherrscht, und zwar war es hier wieder das echt Menschliche, das ihn fesselte, wenn auch von dem ver- edelnden Einflusse der Antike hinsichtlich der künstlerischen Gestaltung noch nichts zu. merken ist. Schon sein erstes so berühmt gewordene Gedicht, Hektors Abschied(1780), das Amalia in den Räubern singt, ging aus Schillers Begeisterung für das Altertum und für die großen Menschen seines Plutarch hervor. Homers unvergleichlich schöne Schilderung der Begegnung Hiektors und Andromaches im VI. Buche der ilias hat ihn bekanntlich zu diesem Gedichte veranlaßt,¹) und wenn Schiller seinem Vorbilde auch im großen und ganzen streng gefolgt ist, und sich im einzelnen an Homer angeschlossen hat,— ich erinnere nur an die Xeises äunro, die unnahbarn Hände, so hat er sich doch auch manche Abweichung erlaubt, und es ist lehrreich zu sehen, welcher Art diese Abweichungen sind. Bei Homer zürnt Achill in der Homilia noch fern vom Kampfe fort, Patroklus ist noch nicht gefallen. Bei Schiller ist die Begegnung zwischen Hektor und Andromache unmittelbar vor dem Entscheidungskampfe zwischen Hektor und Achill gedacht. Schiller fühlte mit sicherem Dichterblicke, um wieviel rührender und menschlich ergreifender die ganze Begebenheit ist, wenn die Begegnung zwischen Hektor und Andromache die letzte ihres Lebens, und die Trennung somit eine ewige ist. Auch die letzte Strophe ist nicht im Geiste der Alten, wohl aber echt menschlich empfunden. Den Alten fehlt fast ganz, was in unserer modernen Dichtung eine so große Rolle spielt, das Liebesmotiv. Der homerische Hektor spricht nicht den uns heute so natürlich klingenden Gedanken aus„All' mein Sehnen will ich, all' mein Denken in den Lethestrom versenken, aber meine Liebe nicht.“ Bei Homer ist fiektor nur Held. Er sieht ruhig der schrecklichen Notwendigkeit ins Auge. Mit der Mahnung an Andromache, sich dem Leben und seinen Forderungen zuzuwenden, nimmt er Abschied von ihr.
In den Lauraliedern(1781), zu denen auch das Gedicht die Freundschaft(1781) gehört, ist der echt griechische Gedanke ausgesprochen, der sich bei vielen griechischen Philosophen findet, daß es der oν, die Liebe, ist, die das Weltall zusammenhält. Wie bei Empedokles die goir die Triebfeder in der Natur ist, die alles bewegt, so feiert Schiller in diesem Gedichte die Liebe als das einzige, die ganze Schöpfung belebende und bewegende Prinzip, und alle Naturkräfte, wie sie auch heißen mögen, sind in diesem Begriffe ein- geschlossen. Dem Gedichte„Das Geheimnis der Reminiscenz“(1781) liegt noch als besonderer Gedanke die Platonische Auffassung zu Grunde, daß alles Lernen nur eine Erinnerung aus einem früheren Leben ist, und die Erzählung des Aristophanes in Platos Gastmahl, daß Mann und Weib ursprünglich nur einen Leib ausmachten, von Zeus aber getrennt worden seien, mit dem Befehle, sich nun zu suchen und zu finden. Aus der Erinnerung einer solchen früheren Einheit erklärt der Dichter sich seine glühende Neigung
¹) Fries a. a. O. führt aus, daß Plutarchs Brutus die Quelle zu diesem Gedichte gewesen ist.


