Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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19 Die Braut von Messina ist nicht das einzige Stück, in dem Schiller mit den Griechen wetteifern wollte. Auch die Malteser(1788 1803) sollten nach der Art der griechischen Tragödie gestaltet werden. Er wollte hier einen Chor von alten Rittern auftreten und Gesänge ganz in griechischer Manier und antikem Silbenmaße rezitieren lassen. Der Chor sollte hier auch in die Handlung eingreifen, wenn auch nicht in dem Mabe vie in der Braut von Messina, so doch in der Weise, wie ihn die alten Tragiker in mehreren Stücken verwendet haben.Ich denke in dieser Tragödie, schreibt er an Körner(den 5. Okt. 1795), einen Gebrauch von dem Chor zu machen, der die ldee des Trauerspiels erweitern kann. Das Ganze sollte in griechischer Form und streng nach des Aristoteles Schema und ohne Akteinteilung aufgebaut werden. Das Sujet sollte eine bis zur Liebesleidenschaft sich steigernde Männerfreundschaft sein, wie das Altertum mehrere derartige kennt. Zwei junge Ritter, St. Priest, der natürliche Sohn des Großmeisters La Valette, und Crequi, sollten die Hauptpersonen sein. Wieviel Schiller daran lag, diesen Stoff dramatisch zu gestalten ist aus der ausführlichen Disposition, die sich in seinem Nachlasse findet, wie auch aus seinen Briefen ersichtlich, in denen er oft und gern auf die Malteser zu sprechen kommt. Noch nach Beendigung der Braut von Messina schrieb er an Goethe(d. 28. Februar 1803):Ich habe meine alten Papiere über die Malteser vorgenommen, und es steigt eine große Lust in mir aut, mich gleich an dieses Thema zu machen.Das Eisen ist jetzt warm und läßt sich schmieden. Leider ist er nicht dazu gekommen, seinen Plan auszu- führen. Daß er aber 15 Jahre diesen Plan festgehalten hat, zeigt deutlich, welchen Vorteil sich Schiller auch hier von der Nachahmung der griechischen Tragödie versprach.

Auch andere dramatische Entwürfe, die sich in Schillers Nachlasse fanden, zeigen, wie sehr er bemüht war, seine Stücke nach dem Muster der Alten zu gestalten. Wir erwähnen unter diesen noch die Kinder des Hauses(1700). Hier wollte er das antike Fatum und antike Vorstellungen in einem ganz modernen Stoffe zur Darstellung bringen. Der Held des Stückes, Narbonne, der ein großes Verbrechen begangen hat, setzt im Gefühle seiner Sicherheit die Kräfte in Bewegung, die ihn schrittweise dem Verhängnisse nähern und ihn schließlich ins Verderben ziehen, so geschäftig er auch ist, diese Bewegung aufzu- halten.Daß das einmal in Lauf gekommene Triebwerk wider seinen Willen, sagt Schiller,)und wenn er es gern wieder aufhalten möchte, fortgeht, ist von tragischem Effekt. Er selbst holt sich das Haupt der Gorgona herauf. G. Kettner*) zeigt, wie die Technik des Oedipusdramas und besonders die Enthüllung eines alten Verbrechens Schiller an diesem Stoffe gereizt hat.

Schillers Lyrik. Erste Periode.(Bis zum Jahre 1785).

Man pflegt die Gedichte Schillers der Zeit ihrer Entstehung nach in drei Perioden zu teilen, von denen die erste ungefähr bis zum Jahre 1785, die zweite bis zum Jahre 1700 und die dritte bis zu seinem Tode reicht. Der ganzen ersten Periode ist Gewaltsamkeit des Ausdrucks, ja nicht selten Schwulst und übertriebenes Pathos eigen. Die haupt-

¹) Dramatischer Nachlaß, a. a. O. VIII, 83. ²) Schillerstudien, Programm von Pforta 1000.