Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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und in jenem fast noch leichter bemerkt wird. Mein Stil hat dieser Reinigung sehr nötig. lch hoffe, ehe ein Jahr um ist, sollst du an diesem Studium der Griechen schöne Früchte bei mir sehen. Diese Woche wird die lphigenia fertig, und von den Phönizierinnen sind bereits zwei Akte übersetzt. Nach diesem wartet ein rechter Leckerbissen auf mich, nämlich des Aeschylos Agamemnon, den ich mit mehr Fleiß ausarbeiten werde. In einem späteren Briefe an Körner(v. 0. März 1780) gibt er noch einmal als Grund, warum er sich mit den Griechen beschäftige, an,mehr Simplicität in Plan und Stil daraus zu lernen. Setze noch hinzu, dah ich mir, bei mehrerer Bekanntschaft mit griechischen Stücken, endlich das Wahre, Schöne und Wirkende daraus abstrahiere und mir mit Weglassung des Mangelhaften ein gewisses ldeal daraus bilde, wodurch mein jetziges korrigiert und vollends gerundet wird, so wirst du mich nicht tadeln, wenn ich zuweilen darauf verfalle, mich damit zu beschäftigen. Zeit und Mühe hat es mir allerdings gekostet, und das, was im Euripides schlecht war, bei weitem am meisten. Die Chöre haben durch mich ge- wonnen, d. h. was sie bei manchem anderen Übersetzer nicht gewonnen hätten; denn vielleicht sind sie im Original durch die Diction vortrefflich. Wenn du nun die 2 letzten Akte vollends hast, so mache dir den Spaß, meine Ubersetzung mit der lateinischen des Josua Barnes zusammenzuhalten; denn diese lateinische war, als die treueste, mein eigent- liches Original. Dann wirst du mir vielleicht eingestehen, daß ich einen groben Grad eigener Begeisterung nötig hatte, und daß ich sehr von dem meinigen habe zusetzen müssen, um sie so leidlich zu liefern. Ich fordere viele unserer Dichter auf, die sich soviel auf ihr griechisch und latein zu gute tun, ob sie bei so wenig erwärmendem Text nur 80 viel geleistet hätten, als ich leistete. lch konnte nicht wie sie mit den Feinheiten des Griechischen mir helfen ich mußte mein Original erraten, oder vielmehr, ich mußte mir eins erschaffen. Schiller konnte sich mit Recht dieses Werkes rühmen. Seine Ober- setzung, wenn sie auch manchen groben Fehler aufweist und auch sonst in mancher Hinsicht nicht einwandsfrei ist, macht ihm nur Ehre und ist ein fast selbständiges Werk zu nennen. Er mubte wahrlich eine große Verwandtschaft mit den Griechen haben, dab er ihren Geist so richtig erfaßt und so treu wiedergegeben hat, obgleich er die griechische Sprache nur unvollkommen beherrschte und ihm nur eine schlechte lateinische, franzö- sische und deutsche Ubersetzung zu(Gebote stand. Besondere Mühe gab er sich mit den Chorgesängen, die er allerdings nicht im Versmaße des Originals, sondern in gereimter Strophenform wiedergab. Einen Chorgesang, an dem W. v. Humboldt großen(efallen fand, nahm er unter dem Titel Die Hochzeit der Thetis 1788) in die Sammlung seiner Gedichte auf. Im Anschlusse an die Ubersetzung hat er mehrere Stellen genau besprochen und die lateinische Ubersetzung des Josua Barnes, sowie die französische des Pater Brumoy mit dem griechischen Originale verglichen. Die Bemerkungen, die er bei dieser Gelegen- neit macht, zeigen, wenn sie auch meist unrichtig sind, daß Schiller immerhin sich einige Nenntnisse in der griechischen Sprache erworben hatte. In den Anmerkungen hat er dieses Stück des Euripides aufs richtigste beurteilt. Der Heldin lphigenie erteilt er unein- geschränktes Lob. Sie ist nach seiner Ansicht aufs feinste charakterisiert. Auch Achill und Klytämnestra sind vorzüglich gezeichnet.Die Gesinnungen in diesem Stücke sind grob und edel, die Handlung wichtig und erhaben, die Mittel dazu glücklich gewählt und geordnet.

In den Phönizierinnen, von denen er die ersten 624 Verse in fünffüßigen Jamben übersetzte, ließ er die Chöre ganz weg. An Lotte schreibt er den 3. Sept. 1788:Gestern