Aufsatz 
Schillers Verhältnis zum klassischen Altertum : ein Gedenkblatt zu Schillers hunderstem Todestag / von Primer
Entstehung
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im Glauben an seine Echtheit den Gipfel seiner Macht erstiegen hat, diesen nicht verlassen will, obgleich er erfahren hat, daß er nicht der echte Demetrius ist.

Aus dem Französischen sind von Schiller zwei Lustspiele ins Deutsche übersetzt worden, deren Spuren uns merkwürdigerweise auch ins Altertum führen. Das eine Der Parasit oder Die Kunst, sein Glück zu machen(1803), ist eine freie Ubersetzung des Picardschen Stückes Médiocre et rampant ou le moyen de parvenir. Wenn Schiller diesem Stücke in seiner Übersetzung den Titel Der Parasit gab, so tat er das, weil er wußſte, daß bei den römischen Lustspieldichtern der Parasit die stehende Figur des Schmarotzers ist. Schiller fand eine große Ahnlichkeit zwischen dem Parasiten der alten Komödie und dem Picardschen Selicour, einem oberflächlichen, kriechenden Menschen, der durch Schmeichelkünste sein Glück zu machen versuchte. Auch von dem anderen Lustspiele, das Schiller aus dem Französischen übersetzt hat, Der Neffe als Onkel(1803), führen uns die Spuren in das Altertum. Picard hatte seinen literarischen Buf durch ein Lust- spiel begründet, das den Titel führt: Encore des Ménechmes. Die Menaechmi sind be- kanntlich ein Zwillingspaar in dem gleichnamigen Lustspiele des Plautus, dessen grobße Ahnlichkeit Stoff zu komischen Verwechslungen gibt. Da in dem Picardschen Stücke die komischen Scenen durch die Ahnlichkeit des Obersten Dorsigny und seines Neffen herbei- geführt werden, so nannte Schiller das Stück: Der Neffe als Onkel.

Zweite Gattung. Griechische Stoffe.

Wir gehen nach unsrer obigen Einteilung der Dramen Schillers zu denen über, die antike Stoffe behandeln. Das früheste von ihnen ist Semele(1781). Der Stoff schließt sich an die Erzählung Ovids in den Metamorphosen(III. 256 315) an. In der ersten Scene wird wie im Prologos des griechischen Dramas die Exposition gegeben. Junodie Häßliche mit ihren Ochsenaugen nennt sie Semele erscheint im Palaste des Kadmus zu Theben. Wir hören von ihr, daß Zeus ihr untreu geworden ist und seine Liebe der Semele, der Tochter des Kadmus, zugewandt hat. Sie erscheint dann bei Semele in Gestalt der Amme Beroe und beredet sie, Zeus zu bitten, sich in seiner ganzen Gotteshoheit zu zeigen. Dies geschieht in der zweiten Scene. Zu spät bereut Semele ihre Torheit. Denn da sie beim Styx schwört, kann auch Zeus ihren Tod nicht aufhalten. Schiller bildete sich auf dieses kleine Werk nichts ein, sondern schrieb einige Jahre später(den 30. April 1780) an Lotte v. Lengefeld und Caroline v. Beulwitz:dal sie der Semele erwähnten, hat mich ordentlich erschreckt. Mögen mirs Apoll und seine Neun Musen vergeben,daß ich mich so gröblich an ihnen versündigt habe! So jugendlich unreif dieser, frühne dramatische Versuch Schillers ist, so beredt zeugt er doch für seine Liebe zum Altertum, die sich auch deutlich in der großen Zahl seiner Stücke zeigt, die antike Stoffe behandeln oder aus anderen Sprachen ins Deutsche überset?t sind.

Aus dem Griechischen hat Schiller zZwei Stücke von Euripides, die phigenie in Aulis (1788) und Scenen aus'den Phönizierinnen(1788 übersetæt. Interessant ist es, die Ent stehungsgeschichte beider Ubersetzungen zu verfolgen und auf die Außerungen zu achten, die Schiller bei dieser Gelegenheit über die Antike macht. Am 12. Dez. 1788 schreibt er an Körner:...Noch immer habe ich den Euripides vor. Die lphigenia ist zwar nicht sein bestes Stück; aber es wäre nicht gut, wenn ich das beste gewählt hätte, um Lehrgeld darin zu geben. Die Hauptsache ist die Manier, die im Schlechten herrscht wie im Besten,