scheint, ist eine Umdichtung der homerischen Erzählung(I. XXII, 1 ff.), Wo Apoll, in der Gestalt des Agenor, den Achill vom Schlachtfeld weglockt.)
Im Wilnelm Tell(1804) tritt die Einwirkung der Antike zwar äuberlich zurück, in der naiven Behandlung des Stoffes aber steht dieses Drama der Kunst des klassischen Altertums, ihrem Verstand, ihrem Maß, ihrer Klarheit, näher als alle anderen Dramen Schillers. Deshalb sagt Birlinger mit Recht.“„Hat der Dichter schon im Wallenstein homerische, den Tragikern nachgebildete Erinnerungen mit Vorliebe bekundet, so im Tell erst recht, seine Tellschen Gestalten sind an der Antike zu messen.“ Schiller gesteht selbst(in dem Briefe an Körner v. 90. Sept. 1802), Was ihn in seiner Quelle, der Schweizer Chronik von Tschudi, bestimmte, den Tell zu dichten, nämlich„der treuherzige, herodo- tische, ja fast homerische Geist, der einen poetisch zu stimmen im stande ist.“ Was Hettner im allgemeinen von Goethes und Schillers Dichtungen sagt, dab„die einfache Reinheit und Großheit der alten Kunst in ihnen höchstes Muster ist, weil die Gesinnung und Denkart mit der Gesinnung und Denkart des Altertums im tiefsten Grunde verwandt ist“, das pabt besonders auf Schillers Tell.“) In keinem Drama sind die Gestalten so naiv, Zo rein menschlich geschildert, wie nier. Auch die Sprache hat so viel Antikes, vie kaum ein anderes Stück. Gertrud z. B. spricht fast homerisch. S0 sagt sie„der glatten Pferde wohlgenährte Zucht“...„das Haus ist nach dem Richtmaß ordentlich gefügt“(S. 164), „des edeln Ibergs Tochter rühm' ich mich“ S. 165), Was an das bxohoæανν va bei Homer erinnert. Auch sonst finden sich Anklänge an das Altertum in Menge. Wenn Tell sagt „tröstet Ihr mein Weib, venn mir was Menschliches begegnet“(S. 161), 80 ist dies wohl ein Euphemismus, der dem= τπ‿αννσννν οder dem si quid mihi humanitus accidisset nach- gebildet ist. Die Worte:„Wo wär’ die sel'ge Insel aufzufinden, wenn sie nicht hier ist in der Unschuld Land?“(S. 231) erinnern an die Stelle der Odyssee(IV 5031f), die anfängt 2214 g'er HAOao,... Wenn der Pfeil„du Bringer bittrer Schmerzen“ angeredet wird (S. 277), so hat sicher das homerische ear»εον εεαννν—Vᷣeνανο und das lπνς εεασαιαιε vorge- schwebt. Auch die folgenden Worte„Ein Ziel will ich dir geben“ sind homerisch und erinnern an das„,O7 a5e rν Ny iox(Od. XXI. 6). Auch die Worte„Bei diesem Feuer, das hier gastlich lodert“(S. 303) sind wohl dem Homer entnommen(z. B. d. Odys. VII. 153, XIV. 150, Ilias II, 15).⁴)
In Schillers letatem Drama, dem Demetrius(1805), der, trotzdem er unvollendet ist, doch an dramatischer Kraft die anderen Dramen überragt und nach Form und Inhalt von vielen für das beste gehalten wird, was Schiller geschaffen hat, erkennen wir deutlich das Festhalten an der den griechischen Tragikern abgelauschten Art, den Stoff aufzubauen, die Handlung aus den Charakteren zu entvickeln und das Schicksal eingreifen zu lassen. Aber auch hier steht Schiller auf eigenen Füßen. Denn während der Held durch das Schicksal gelenkt wird, gerät er durch eigene Schuld in die Lage, die seinen Tod herbei- führt. Hdοα*⁹⁶απν εαlσdem Menschen ist sein Sinn sein Gott, wie Heraklit sagt. Die Schuld ist echt menschlich; denn es ist ganz natürlich, daß Demetrius, nachdem er
¹) Vergl. Boxberger a. a. O., S. 317.
²) In seiner Tell-Ausgabe in Kürschners D. Nat.-Lit., S. 144.
*) H. Hettner, Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts. III B., 3. B. l. Abt. S. 19. ¹) Vergl. Birlinger a. a. O., S. 303.


