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Odyssee XXIII, 7. zu sehen, wo es heißt, Odysseus komme nach Hause, obwohl er spät komme, auch ist die Fahrt lphigeniens ins Lager der Griechen, oder die der Briseis, wie Birlinger!) meint, wohl kaum von Einfluß auf den Umstand gewesen, daß Wallenstein die Herzogin und die Prinzessin in sein Lager nach Böhmen kommen läht, ebenso sehen wir in dem Traume, den Octavio vor der Lützener Schlacht gehabt hat, nicht wie Birlinger (S. 70) die Verwendung des„uralt epischen Traumes“, wie er sich bei griechischen Schrift- stellern so oft findet, wohl aber sind Ausdrücke wie Graf Harrachs edle Tochter(S. 88), und ähnliche homerisch. Die Worte„das eben ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fort- zeugend immer Böses muß gebären“, vergleicht Büchmann*) mit Aschylus' Agamemnon v. 758— 700, Wo es heißt, die gottlose Tat erzeugt mehrere, die ihrem Geschlechte gleichen (S. 165). Wenn sich Wallenstein mit Caesar und seinem Glücke vergleicht(S. 208), 80 hat Schiller das berünmte Wort vorgeschwebt„Du fährst Caesar und sein Glück“.¹) Auch sind die Worte„den heil'gen Herd der Laren umzustürzen“(S. 281) wohl klassische Reminiscenz. Ebenso denkt Schiller, wenn er sagt,„wie schnell des Glückes Rad sich dreht“(S. 206), wohl daran, daß die bildende Kunst und die Dichtkunst der Alten der Gottheit des Geschicks, der Tyche oder Fortuna als Symbol eine Kugel oder ein Rad beilegten. An Archimedes wird erinnert, wenn Buttler von Wallenstein sagt, er wird „wie jener dort in seinem Zirkel fallen“(S. 200). Eine antike Vorstellung ist es auch, wenn Thekla sagt,„Es füllen sich mir alle Räume dieses Hauses mit bleichen, hohlen Geisterbildern an“(S. 312), oder wenn Wallenstein dem bedenklichen Gordon erwidert, „Die bösen Götter fordern ihren Zoll; das wußten schon die alten Heidenvöſker, drum wählten sie sich selbst freiwill'ges Unheil, die eifersücht'ge Gottheit zu versöhnen, Und Menschenopfer bluteten dem Typhon“(S. 334).—
Das nächste Drama Schillers zeigt noch mehr als die früheren eine starke Beein- flussung durch die antike Tragödie; ist doch Maria Stuart mit der bestimmten Absicht, die Griechen als Muster nachzuahmen, dazu in stetem Gedankenaustausche mit Goethe, der wie kein anderer das klassische Kunstideal in sich verkörperte, gedichtet worden. Am 26. April 1700 schrieb Schiller an ihn„... Besonders scheint sich der Stoff zu der Euripideischen Methode, welche in der vollständigsten Darstellung des Zustandes besteht, zu qualifizieren“, am 14. Juni„Haben Sie doch die Güte, mir den Aschylus zu senden, mich verlangt wieder sehr nach einer griechisch-tragischen Unterhaltung“, am 18. Juni „Die Katastrophe sieht man gleich in den ersten Scenen... An der Furcht des Aristo- teles fehlt es also nicht, und das Mitleid wird sich auch schon finden“, und am 3. Sept. „lch fange in der Maria Stuart an, mich einer größeren Freiheit oder vielmehr Mannig- faltigkeit im Silbenmaß zu bedienen, wo die Gelegenheit es rechtfertigt. Diese Abwechs- lung ist ja auch in den griechischen Stücken, und man muß das Publikum an alles gewöhnen“ Auch seine Abendmahlsscene im 5. Akte rechtfertigt er mit dem Hinweise auf die griechische Bühne, wo auch gottesdienstliche Dinge im Gebrauche waren.— Eine nicht zu überwindende Schwierigkeit schien ihm der Aufbau des Stückes zu sein, denn der Stoff, in dem Schuld und Sühne 20 Jahre auseinanderliegen, widerstrebte eigentlich
¹) Vergl. seine Ausgabe des W. in Kürschners D. Nat.-Lit., S. 63. *) a. a. O., S. 168. ) Plutarch, bei Schirach VI, 432.


