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schreiben, war es bei seiner Natur selbstverständlich, daß ihn die beiden Haupthelden, Gustav Adolf und Wallenstein, besonders anzogen. Das Revolutionäre aber in Wallenstein war es, was ihn schliehlich ganz für diesen gevann. Als er nun um diese Zeit die Poetik des Aristoteles(in der Ubersetzung von Curtius) kennen lernte und hier las, dab es die Aufgabe des Dramatikers sei, Mitleid mit dem felden durch die Furcht zu erregen, auch wir könnten durch unglückliche Schicksale ebenso fallen wie er, und daß die Poesie das Notwendige und Allgemeine darstellen solle, also nicht, was dieser oder jener Mensch getan habe, sondern was jeder unter gewissen Umständen tun müsse, da traf dies mit seinen eigenen Gedanken, die bis dahin dunkel in seinem Geiste geschlummert hatten, überein, und es stand ihm jetzt der Entschluß, den Wallenstein zu dramatisieren, fest. Er legte den Aristoteles nicht mehr aus den Hländen. Was er bei ihm vom Könige Oedipus las, bestärkte ihn erst recht in seinem Vorhaben. Wie dort die eigentliche Handlung schon vor Beginn des Stückes durch die Verblendung und den Hochmut des Helden ge- schehen ist, so liegt in der Selbstsucht und dem Ehrgeize Wallensteins schon der Abfall vom Kaiser fertig, ehe uns dieser vor die Augen gebracht wird. Auch in dem, Was die Einheit der Handlung und ihre Entwicklung aus dem Charakter der Personen anlangt, ist deutlich das Studium des Aristoteles erkennbar. Und wenn dieser verlangt, daß der tragische Held mit sittlichem Vorsatze, mit ενπαπQαινρεμαρε ενν handeln soll, So sehen wir, dab Schiller eifrig beflissen war, diese Forderung des griechischen Philosophen zu erfüllen. Denn er läßt Wallenstein den Feldherrnstab zum Heile aller führen, ihm liegt an Europens Bestem mehr als an der Vergrößerung Osterreichs, er will den Gräueln des Krieges, der nun schon sechzehn Jahre tobt, ein Ende machen. Das Reich ehrt ihn als seinen Schirmer. Auch leistet er weder den katholischen noch den evangelischen Fanatikern Vorschub, sondern übt zum Arger der Wiener Regierung Toleranz.— Auch die griechische Schicksalsidee verwendete Schiller in diesem Drama und„välzt die größere Hälfte seiner Schuld den unglückseligen Gestirnen zu-, wenn er auch unseren modernen Begriffen vom Schicksale gemäß seinen Helden nicht durch ein blind waltendes Verhängnis, sondern durch unselige äußere Verhältnisse ins Unglück geraten und ihn die volle Verantwortlichkeit seines Tuns tragen läßt.— Daß das Studium der Alten„erstaunlich viel realistisches entwickelt, und daß Sophokles, der ihn seit mehreren Wochen beschäftigte, große Folgen“ für die Ausarbeitung des Wallenstein gehabt habe, hat Schiller selbst oft anerkannt.“) Auch gesteht er, dab er wohl kaum auf den Gedanken gekommen wäre, den ganzen Wallenstein- stoff in drei Teile zu zerlegen, wenn ihm die Griechen in ihren Trilogieen nicht darin als Muster vorangegangen wären.
Haben wir so in diesem Werke die Einwirkung der Antike im groben und ganzen nachgewiesen, so können wir auch im einzelnen sehr viele Stellen nennen, die Schillers Bekanntschaft mit dem Altertum zeigen. Wie meisterhaft und charakteristisch wird das Lateinische in der Kapuzinerpredigt mit Benutzung des Abraham a Santa Clara verwendet! OQuid hic statis otiosi? Obi erit victoriae spes, si offenditur Deus? Ouid faciemus nos? Neminem concutiatis neque calumniam faciatis! Contenti estote stipendiis vestris! Ne custodias gregem meam! Wir gehen zwar nicht so weit, in dem bekannten Anfang der Piccolomini„Spät kommt Ihr— doch Ihr kommt“, wie Büchmann,) einen Anklang an
¹) Vergl. z. B. die Briefe an W. v. Humboldt vom 21. März 1706 und an Körner vom 7. April und 3. Juni 1707. ²) Ceiflügelte Worte, 18. Aufl., S. 168.


